Während viele die letzen Tage der Ferien genießen, herrscht in den Deutschen Freundschaftskreisen (DFK) eine produktive Betriebsamkeit. Das Programm „DMi-Aktiv“ läuft bereits auf Hochtouren. Es ist weit mehr als ein bloßer Fördertopf; es ist ein Katalysator für Ideen, die Sprache, Kultur und Identität neu erlebbar machen.
Ein neues Kapitel für die deutsche Minderheit
Anna Namyślik hat als neue Projektkoordinatorin von „DMi-Aktiv“ alle Hände voll zu tun. Man merkt ihr im Gespräch sofort an, dass sie in diesem Programm eine große Chance für die Strukturen der Minderheit sieht. „Ich finde, das ist eine tolle neue Initiative“, erklärt sie begeistert. „Es gibt ja in unseren Reihen so viele Projektideen, bei denen man bisher oft nicht genau wusste, wo man sie eigentlich verwirklichen kann. DMi-Aktiv ist nun genau diese Möglichkeit, sie endlich zu realisieren.“
Dabei geht es nicht nur um die reine Finanzierung, sondern um Inhalte, die Herz und Verstand gleichermaßen ansprechen. „Ideen und Fördermittel sind das eine, aber der Kern muss natürlich mit der deutschen Kultur und den Sprachkenntnissen verbunden sein“, betont Namyślik. „Wir richten uns u. a. an Jugendliche, an die Gesellschaft und das Gemeinsame – an Initiativen, die integrieren und die deutsche Sprache und Kultur popularisieren. Ich sehe bei den eingereichten Anträgen eine enorme Vielfalt. Es gibt Workshops, Integrationstreffen und Projekte, bei denen ich selbst erstaunt war und dachte: ‚Ja, das ist eine richtig gute Idee!‘“

Volkskultur im Ausdruck des Tanzes – Tanzworkshops beim VDGEM Allenstein
Foto: Dorota Cieklinska
Besonders beeindruckt ist die Koordinatorin von der Größenordnung einiger Vorhaben. „Wir haben auch Lyrik- und Musikwettbewerbe. Was mir auffällt: Wenn die DFKs daran gehen, ein Projekt zu realisieren, dann machen sie das oft in einer breiten Skala. Man versucht, wirklich alle einzuladen und beschränkt sich nicht nur auf kleine Altersgruppen. Es sind Wettbewerbe für Kinder, Teenager und Erwachsene gleichermaßen.“
Erleben statt nur Lesen
Ein zentrales Anliegen von „DMi-Aktiv“ ist es, die jüngere Generation für die Arbeit der deutschen Minderheit zu gewinnen. Anna Namyślik sieht hier vor allem das „Erleben“ im Vordergrund. „Wir versuchen, die Jugendlichen für uns zu begeistern, für das gemeinsame Miteinander. Gesellschaftlich wollen wir uns integrieren und neue Ideen anbieten. Ich finde zum Beispiel, man könnte noch viel mehr Heimatprojekte machen – etwas mit Regionalbezug, damit man sich klar darüber wird, wo man eigentlich wohnt und wo die eigenen Wurzeln liegen.“
„Man kann das auch sehr schön mit Fahrradausflügen oder Freiluftaktivitäten verbinden“, regt Namyślik an und fügt hinzu: „Es geht nicht darum, dass man sich nur hinsetzt und Bücher liest. Man kann Geschichte aktiv anschauen gehen oder hinfahren. Man muss sie erleben können. Ein Projekt, das man gut erleben kann – das ist das Ziel.“
Oberglogau: Der Drei-Projekte-Marathon
Einer, der diesen Aufruf zum „Erleben“ wörtlich genommen hat, ist Sebastian Gerstenberg vom Gemeindevorstand der SKGD Oberglogau. Er hat gleich drei Projekte eingereicht, die zeigen, wie vielfältig DMi-Aktiv genutzt werden kann.
Sein erstes großes Herzensprojekt widmet sich dem berühmten Zoodirektor Bernhard Grzimek. „Ich wurde vom Bürgermeister angesprochen, dass die Familie von Bernhard Grzimek aus Schwesterwitz stammt und wir diese Person würdigen sollten“, berichtet Gerstenberg. „Als Gemeindevorstand haben wir daraufhin einen Antrag gestellt. Wir wollen eine Gedenktafel in Schwesterwitz anbringen, dort, wo seine Eltern herkommen. Aber wir gehen noch weiter: In Oberglogau erstellen wir einen Edukationspfad. In der Nähe des Schlosses wird eine Informationstafel entstehen, die mit QR-Codes arbeitet. Dort gibt es dann spezielle Aufgaben für Kinder und Jugendliche. Dazu kommt eine Bank, damit diese bedeutende Persönlichkeit in Oberglogau wirklich gewürdigt wird,“ erklärt Sebastian Gerstenberg.

Tradition der deutschspachigen Maiandacht – 225 Jubiläum des Wunders. Gemeinsam in der Vielfalt, verbunden durch Tradition. Erbe der Hochachtung der Gottesmutter in Gogolin zum Muttertag
Foto: DFK Gogolin
Doch damit nicht genug: „Wir wollen zudem einen Dokumentarfilm über Grzimek im Kulturzentrum zeigen und den Autor eines Buches über sein Leben einladen. Nach dem Film soll das Buch vorgestellt und ein Vortrag gehalten werden. Mein Ziel ist es, dass so eine wichtige Persönlichkeit unserer Region dauerhaft in der Öffentlichkeit präsent bleibt und wir den Kindern ihre Geschichte näherbringen.“ zählt Gerstenberg auf.
Geschichte sichtbar machen
Das zweite Projekt der SKGD Oberglogau widmet sich der eigenen örtlichen Minderheiten-Geschichte: „Wir wollen die Geschichte der deutschen Minderheit in der Region Oberglogau öffentlich präsentieren“, erklärt Sebastian Gerstenberg. „In Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und dem Leiter des Kulturzentrums werden wir Informationstafeln zum Thema ‚35 Jahre deutsche Minderheit in Oberglogau‘ erarbeiten und im Observatorium in Oberglogau zeigen. Ich habe die 15 DFKs unserer Gemeinde gebeten, wichtige Dokumente, Fotos oder Gegenstände, die von der Geschichte der deutschen Minderheit zeugen, ins Museum zu bringen, um sie dann in dieser Ausstellung präsentieren zu können. Historiker wie Aleksander Devosges Cuber unterstützen uns dabei, die Texte vorzubereiten und Fotos auszuwählen,“ so das Vorstandsmitglied.
Als drittes Projekt wird der Film „Nova Silesia“ von Ronald Urbanczyk gezeigt. „Es ist ein Dokumentarfilm über die postindustrielle Metamorphose in Nieder- und Oberschlesien. Die Vorführung mit anschließendem Gespräch mit dem Regisseur findet am 1. Oktober im Kulturzentrum in Oberglogau statt.“
Auf die Frage, ob ihm vor diesem intensiven Herbst nicht bange wird, antwortet Gerstenberg schmunzelnd: „Ja, ein wenig Angst habe ich schon, aber ich habe viele Leute, die mich unterstützen. Der Vorstand packt mit an, und auch die Leitung des Kulturzentrums steht mir zur Seite. Es freut mich sehr, dass wir diese Zusammenarbeit auch mit dem Bürgermeister Piotr Bujak haben. Früher ist niemand auf die Idee gekommen, die Geschichte der deutschen Minderheit so öffentlichkeitswirksam zu machen.“
Jetzt teilnehmen
Der Sommer mochte heiß gewesen sein, aber der Herbst in der deutschen Minderheit wird dank DMi-Aktiv noch intensiver.

Das Treffen zum Hl. Petrus und Paulus Tag.
Foto: DFK Schӧnwald
Projektkoordinatorin Anna Namyślik ermutigt alle Unentschlossenen: „Es sind so tolle Initiativen, im Herbst wird es dank den DFKs bestimmt nicht langweilig in unseren Ortschaften. Kultur, Identität, Geschichte, Heimat und die deutsche Sprache, ich bin mir sicher, jeder findet etwas Spannendes für sich.“