In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.
Infobesuch bei den Estlanddeutschen
Die Stiftung Verbundenheit ist auch bei den kleinsten deutschen Minderheiten aktiv. Unlängst machte sich eine Aktivistin des Vereins bei einem Besuch ein Bild von den Estlanddeutschen. Projektkoordinatorin Mónika Ambach reiste zusammen mit Vertretern des Bundesinnenministeriums in die Hauptstadt Tallinn. Dort begutachtete sie die Arbeit der Ida-Virumaa Deutschen Gesellschaft. Die kleine Gemeinschaft, die heute nur noch rund 1.400 Menschen umfasst, kümmert sich intensiv um den Nachwuchs. Der Verein wurde 2012 gegründet und zählt etwa 50 Mitglieder. Er organisiert Bildungsangebote und Feste, um Kindern die Geschichte ihrer deutsch-baltischen Vorfahren nahezubringen. Bei dem Treffen mit der Vereinschefin Dina Kubi ging es vor allem darum, wie die Organisation auch in Zukunft finanzielle Hilfen aus Deutschland erhalten kann. Ambach besuchte zudem einen Workshop, bei dem Kinder die historische Altstadt von Tallinn erkundeten. Die Spuren der Vergangenheit sind dort bis heute an alten Kaufmannshäusern sichtbar, da Deutsche im Mittelalter die Oberschicht prägten. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte die Gruppe stark, später kamen Russlanddeutsche hinzu. Solche Projekte tragen zur Pflege der kulturellen Identität vor Ort bei.
Quelle: stiftung-verbundenheit.de.

Mónika Ambach bei den Estlanddeutschen.
Foto: Stiftung Verbundenheit.
Eid in Dänemark bald auf Deutsch?
Schleswig-Holstein gilt schon seit Langem als Beispiel für Minderheitenstandards. Nun hat das Bundesland auch einen Schwur in Regionalsprachen eingeführt. Das würde auch die deutsche Minderheit in Dänemark gerne bei sich sehen. Wer in Kiel oder Umgebung Beamter wird, soll den Diensteid künftig auf Plattdeutsch, Friesisch, Dänisch oder Romanes sprechen dürfen. Das Kabinett hat das Gesetz geändert, damit diese Sprachen im Alltag der Behörden normaler werden. Für die Politiker im Norden ist das ein Zeichen von Respekt und Anerkennung, da die Sprachen fest zur Identität der Region gehören. Die deutsche Minderheit im Nachbarland Dänemark begrüßt den Schritt aus Kiel. Harro Hallmann vom Bund Deutscher Nordschleswiger betonte jedoch, dass er sich ein ähnliches Vorgehen auch von der Regierung in Kopenhagen wünschen würde. Dort sehe man bislang wenig Initiative, wenn es um die Unterstützung der deutschen Sprache geht. In Schleswig-Holstein ist die neue Regelung Teil eines größeren Plans, um Vielfalt im Alltag der Menschen präsenter zu machen. Dazu gehört auch, dass Schulen gefördert werden, die Partnerschaften mit dänischen Einrichtungen pflegen.
Quelle: nordschleswiger.dk.
Rumäniendeutsche loben Regierungskommission
Die deutsch-rumänische Regierungskommission leistet auch weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der deutschen Minderheit in Rumänien. Wie ein Bericht des Chefs der Rumäniendeutschen zeigt, standen vor allem die Bildung und die Jugendarbeit im Fokus. Trotz weltweiter Krisen unterstützen beide Länder die Gemeinschaft. Sorgen bereitet aktuell aber eine Kürzung der rumänischen Gelder um zehn Prozent, was wichtige Aufgaben gefährdet. Ein zentrales Ziel bleibt der Erhalt der deutschen Schulen. Weil Gehälter im Bildungsbereich oft niedrig sind, wanderten viele Lehrer ab. Finanzielle Prämien aus Deutschland helfen nun dabei, diesen Trend zu stoppen. Sorgen gibt es dennoch: Das Fortbildungszentrum in Mediasch leidet unter Geldnot und in manchen Lehrplänen wurden die Deutschstunden gekürzt. Positiv ist dagegen, dass in den letzten Jahren deutlich mehr deutschsprachige Schulbücher gedruckt wurden. Zudem entwickelt sich das duale Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild weiter. Auch an den Unis gibt es immer mehr deutschsprachige Studiengänge. Um die Zukunft zu sichern, setzt die Minderheit stark auf die Jugend. Eigene Referenten unterstützen den Nachwuchs bei großen Projekten, um die Kultur auch für die nächste Generation lebendig zu halten.
Quelle: adz.news.
Deutsche Minderheiten stellen sich in Bayern vor
Ein neues Projekt wird dieses Jahr gestartet. Dabei werden die deutschen Minderheiten in Europa eine Chance bekommen, sich in Bayern vorzustellen. Das neue Projekt bringt eine bestehende Internet-Reihe nun direkt zu den Menschen vor Ort. Das Ziel ist es, persönliche Kontakte zu knüpfen und die Kultur der Gemeinschaften erlebbar zu machen. Insgesamt sind im Jahr 2026 vier große Treffen im Freistaat geplant. Den Anfang machte eine Veranstaltung am 1. August in Straubing, die zusammen mit dem Bund der Vertriebenen organisiert wurde. Dort präsentierte sich die deutsche Gruppe aus der Slowakei. Die Gäste bekamen einen Einblick in das Leben und die Traditionen der Deutschen in der Slowakei. Für die passende Stimmung sorgten zwei Tanzgruppen, die traditionelle Tänze aus ihrer Heimat aufführten. Nach dem Start in Straubing geht die Reise weiter durch das Bundesland. Ende September ist die Minderheit aus Tschechien in Kaufbeuren zu Gast. Im Oktober folgt ein Stopp in Nürnberg mit Berichten aus Ungarn, bevor die Reihe im Winter in München mit Vertretern aus Slowenien endet. Das Projekt wird von der bayerischen Regierung und der Raiffeisen-/Schulze-Delitzsch-Stiftung Bayerischer Genossenschaften finanziell unterstützt.
Quelle: koschyk.de.
Slowakeideutsche feiern Kulturtage
Schon zum 33. Mal feiert die deutsche Minderheit aus der Slowakei ihre Kulturtage. Der kleine Ort Hopgarten verwandelte sich dafür wieder in ein Festgelände für Karpatendeutsche und internationale Besucher. Die Veranstaltung bildet traditionell den Auftakt für eine Reihe von Festen der Gemeinschaft im gesamten Jahr. Seit über 30 Jahren geht es hierbei darum, das deutsche Erbe, alte Bräuche und die Sprache im Land lebendig zu halten. Der Tag startete mit einem bunten Festumzug quer durch das Dorf, gefolgt von einer Messe auf Deutsch, die den Zusammenhalt stärken sollte. Am Nachmittag zeigten verschiedene Musik- und Folkloregruppen ihr Können auf der Bühne. Sowohl Schulkinder als auch Erwachsene traten auf und zeigten, wie die Bräuche an die Jugend weitergegeben werden. Selbst ein Chor aus Rumänien reiste an, um mitzusingen. Das Event ist mehr als nur Musik: Es geht um Begegnungen zwischen Jung und Alt. Dass alles gut funktionierte, verdanken die Gäste den vielen Helfern im Ort und dem Karpatendeutschen Verein.
Quelle: karpatenblatt.sk.