Nach den Siegen 7:1 gegen Curaçao und 2:1 gegen die Elfenbeinküste unterlagen die Deutschen im letzten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada in New York Ecuador mit 1:2. Trotzdem sicherten sich die Adler als Gruppensieger der Gruppe E den Einzug ins Sechzehntelfinale.
Für das Spiel gegen Ecuador nahm der Bundestrainer zwei Änderungen in der Startelf vor. Auf der linken Abwehrseite ersetzte Raum den bisher stark aufspielenden Brown (leichte Verletzung). In der Innenverteidigung rückte Antonio Rüdiger für den verletzten Nico Schlotterbeck ins Team.
Undav erneut nur auf der Bank
Der deutsche Coach verzichtete jedoch darauf, die bislang schwach auftretenden Pavlovic, Musiala und Sané auf die Bank zu setzen. Genau jene Spieler also, mit denen Deutschland im Spiel gegen die Elfenbeinküste zwischenzeitlich 0:1 zurücklag. Erst nach ihrer Auswechslung lebte das Team auf und gewann noch mit 2:1. Auch diesmal entschied sich Julian Nagelsmann dagegen, den bislang treffsichersten deutschen Angreifer Undav von Beginn an zu bringen. Dieser saß erneut zunächst nur auf der Bank, obwohl er gegen die Elfenbeinküste mit zwei Treffern den Sieg gesichert hatte.

Der VdG-Vorsitzende Rafał Bartek, der Bevollmächtigte des Vorstandes der Woiwodschaft Oppeln für Multikulturalität Norbert Rasch sowie der Vorsitzende des Kreisvorstandes der TSKN im Kreis Oppeln Christoph Warzecha (v.l.n.r) in der Fan-Zone der deutschen Nationalmannschaft in Chronstau während des Spiels der Adler gegen Ecuador.
Foto: CHW
Woltemade wartet weiter
Außerdem verzichtete der Bundestrainer darauf, Kimmich neben Nmecha ins Mittelfeld zu ziehen – auf jener Position, die er auch beim FC Bayern München spielt. Auf der rechten Abwehrseite wirkt Kimmich derzeit wenig überzeugend. Nach Meinung vieler Experten hätte dort Anton spielen sollen. Zudem sah Nagelsmann erneut keinen Platz in der Startelf für Woltemade, den erfolgreichsten Torschützen der WM-Qualifikation, der bei diesem laufenden Turnier bislang noch keine einzige Minute gespielt hat. Auch andere Akteure wie Amiri, Goretzka oder Leweling, die dem Spiel nach ihrer Einwechslung meist neue Dynamik verleihen, blieben zunächst draußen.
Turbulenter Beginn
Diese und weitere Änderungen hatten namhafte Experten nach den letzten Auftritten der deutschen Mannschaft gefordert – darunter auch der 150-fache Nationalspieler Lothar Matthäus. Doch letztlich blieb davon kaum etwas übrig. Das Ego des Bundestrainers ließ es offenbar nicht zu. Ob sich seine Entscheidungen diesmal auszahlten?
Die Niederlage gegen Ecuador schmälert ihre Chancen nicht, zeigt aber deutlich, dass der Weg zum endgültigen Triumph deutlich schwieriger wird als ursprünglich angenommen.
Der Beginn des Spiels war jedenfalls vielversprechend. Bereits in der 2. Minute brachte Sané Deutschland nach Vorarbeit von Wirtz in Führung. Die Freude hielt allerdings nur sieben Minuten an: Nach einem schweren Fehler von Nmecha glich Angulo in der 9. Minute mit einem Schuss aus 22 Metern zum 1:1 aus. Von diesem Moment an gewann Ecuador immer mehr Sicherheit, während bei den Deutschen Ruhe und Selbstvertrauen fehlten. Dazu kamen schwache Leistungen von Pavlovic, Sané und Musiala, sodass die Offensive der Adler bis zur Pause kaum Gefahr ausstrahlte.
Was macht Nagelsmann da?
Zur Halbzeit ersetzte Nagelsmann Pavlovic durch Stiller. In der 60. Minute brachte er Thiaw und Undav für Kimmich und Havertz. Vier Minuten später kam Beier für Nmecha, in der 73. Minute ersetzte Groß Wirtz. Diese Wechsel wirkten absolut unverständlich – auch taktisch –, zumal die schwachen Sané und Musiala auf dem Platz blieben.
Die Folge? In der 79. Minute brachte Plata Ecuador nach einem Fehler von Manuel Neuer mit 2:1 in Führung. Danach versuchten die Deutschen zwar noch, das Spiel zu drehen, doch es fehlte an Tempo, Entschlossenheit und – im Fall von Sané – auch an der nötigen Effektivität. Die fragwürdigen Wechsel des Bundestrainers machten sich deutlich bemerkbar. So kassierte Deutschland die erste Niederlage seit neun Monaten und lieferte erneut eine Vorstellung ab, die kaum überzeugte. Hoffentlich läuft es im Sechzehntelfinale besser.
Spielbericht:
Ecuador – Deutschland 2:1 (1:1)
Angulo (9.), Plata (79.) – Sané (2.)
Ecuador: Galindez – Hincapie (71. Estupinan), Pacho, Ordonez, Franco (64. Preciado) – Vite, M. Caicedo – Angulo, Plata, Yeboah, E. Valencia (64. Rodriguez).
Deutschland: Neuer – Raum, Rüdiger, Tah, Kimmich (60. Thiaw) – Pavlovic (46. Stiller), Nmecha (64. Beier) – Wirtz (73. Groß), Musiala, Sané – Havertz (60. Undav).
Schiedsrichterin: Tori Penso (USA).
Gelbe Karten: Hincapie, Pacho, Plata (Ecuador) – Pavlovic (Deutschland).
Zuschauer: 80.663 (ausverkauft).