Es ist bereits der zweite derartige Fall in letzter Zeit. Vor einigen Wochen saßen wir auf dem Weg nach Berlin über eine Stunde in Rzepin fest. Der Grund? Der Zug wartete auf einen deutschen Lokführer und eine deutsche Besatzung. Diesmal war die Situation umgekehrt. In Frankfurt an der Oder standen wir über eine Stunde auf der deutschen Seite und warteten auf einen polnischen Lokführer und polnisches Personal.
Ich kam mit dem deutschen Schaffner ins Gespräch. Ich fragte nach dem Grund des Aufenthalts. Er erklärte, dass das fehlende polnische Personal das Problem sei. Ich fragte weiter, wie es möglich sei, dass die Verspätung so groß ausfalle. Als Antwort erfuhr ich, dass eines der Hauptprobleme nach wie vor die … Kommunikation zwischen beiden Seiten sei.
An den Grenzbahnhöfen kehren wir plötzlich in die Verhältnisse der Wende von den achtziger zu den neunziger Jahren zurück. Deutsche Bahnmitarbeiter erhalten von ihren polnischen Partnern oft nicht rechtzeitig die nötigen Informationen – etwa über Verspätungen. Eine zusätzliche Schwierigkeit stellt die Sprachbarriere dar. Nur wenige Mitarbeiter beherrschen die Sprache des Nachbarn, auch Englisch ist selten, und im operativen Alltag führt dies zu Missverständnissen und erschwert die schnelle Weitergabe von Informationen.
In Frankfurt an der Oder standen wir über eine Stunde auf der deutschen Seite und warteten auf einen polnischen Lokführer und polnisches Personal.
In einem Moment erklang aus den Lautsprechern die Durchsage, dass sich die Abfahrt des Zuges verzögern könne und die neue Abfahrtszeit … nicht bekannt sei. Zunächst auf Deutsch, dann auf Polnisch. Genau darauf kam mein Gesprächspartner zu sprechen. Er räumte ein, dass er einen elektronischen Übersetzer benutze, um den Fahrgästen die Information auf Polnisch mitzuteilen. Er sei jedoch nicht sicher, ob die Übersetzung den Inhalt der deutschen Durchsage genau wiedergebe. Wie er mit einem Lächeln anmerkte, könne man bei einem automatischen Übersetzer nie sicher sein, ob man den Fahrgästen statt einer zuverlässigen Information nicht schlicht „blauen Dunst“ verkaufe.
Auf meine Frage, wie sich ähnliche Situationen künftig vermeiden ließen, nannte der Schaffner mehrere Lösungsansätze – naheliegende, die jedoch, wie es scheint, der Entscheidungsebene der Bahnunternehmen auf beiden Seiten der Grenze nicht naheliegen. Seiner Ansicht nach seien Sprachkurse in Polnisch und Deutsch für Bahnmitarbeiter erforderlich, die den Fachwortschatz berücksichtigten. Englisch helfe nicht immer weiter, und Russisch beherrschten nur noch die ältesten Mitarbeiter.

Oft wären einfache organisatorische Lösungen wirksamer als große Ankündigungen.
Foto: K. Ruchniewicz
Hilfreich wäre auch eine gemeinsame polnisch-deutsche App, die eine schnelle Übermittlung von Informationen über Verspätungen, technische Probleme oder organisatorische Änderungen ermögliche. Eine große Erleichterung wäre zudem ein einfaches Formular auf Polnisch und Deutsch, das in einer solchen App verfügbar wäre und eine reibungslose Übergabe des Zuges beim Wechsel der Verantwortung auf den Partner sowie die Meldung etwaiger Probleme ermögliche.
Einige Tage zuvor war in Berlin beim Deutsch-Polnischen Forum der 35. Jahrestag der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags feierlich begangen worden. Es gab viele Reden, Erklärungen und Erinnerungsfotos. Gesprochen wurde auch über Bahnverbindungen zwischen Polen und Deutschland. Das Erlebnis eines gewöhnlichen Fahrgastes zeigt indes, dass nach wie vor sehr grundlegende Hindernisse die alltägliche Zusammenarbeit erschweren. Sie ließen sich verringern, ohne auf große Investitionen zu warten. Wenn jemand wollte …
Es ist schwer zu verstehen, warum es nach so vielen Jahren nicht gelungen ist, Lösungen einzuführen, die die Bahnmitarbeiter selbst für selbstverständlich halten. Die Organisation von Sprachkursen stellt heute kein größeres Problem mehr dar. Dasselbe gilt für die Schaffung einer gemeinsamen Kommunikationsplattform oder die Vorbereitung standardisierter Formulare und Durchsagen in beiden Sprachen.
Der Zug fuhr Frankfurt an der Oder in Richtung Wrocław schließlich mit über zwei Stunden Verspätung ab. Es war vielleicht kein großes Problem im Maßstab der deutsch-polnischen Beziehungen. Es zeigte jedoch, dass zwischen feierlichen Erklärungen und der gelebten Praxis nach wie vor eine beträchtliche Kluft besteht. Und die Unannehmlichkeit eines solchen Aufenthalts ohne jede Information an einem heißen Samstag kann dazu führen, dass Überlegungen zur Partnerschaft im 21. Jahrhundert bei den Bürgern nur ein müdes Lachen und bissige Kommentare hervorrufen.