Am letzten Wochenende im Mai hatten der Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren und die Landsmannschaft Ostpreußen in Hamburg die jungen Menschen aus der deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Ermland-Masuren zu Olympischen Sommerspielen eingeladen. In Sensburg maßen sich über 30 Kinder und Jugendliche im Leichtathletik-Dreikampf aus Laufen, Werfen und Springen sowie Mannschaftssportarten. Außerdem ging es um Wissen zu Stadt und Region Sensburg sowie regionaler Geschichte – und um Integration.
„Dabei sein ist alles“ sagt man gerne, wenn Sportlerinnen und Sportler bei Wettbewerben, vor allem Olympischen Spielen, weniger Medaillen gewinnen als geplant. Dieses Motto ist aber für die jungen Menschen der deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Ermland-Masuren mehr als eine Floskel. Seit Jahren bemühen sich die Organisatoren des Sportfestes darum, daraus etwas mehr zu machen als Wettkampf.
Von Ortelsburg in die Region
Vor einigen Jahren kamen die damalige Direktorin des Verbandsbüros Joanna Black und die Vertreterin der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein Edyta Gładkowska auf die Idee, für Jugendliche etwas auf die Beine zu stellen. Das Projekt schlug ein, gerade in den ersten Jahren kamen etwa die 100 junge Sportler, um in der besonderen Atmosphäre um Medaillen oder Pokale zu wetteifern und mit dieser Veranstaltung die Sommerferien einzuläuten. Diese Veranstaltung des gemeinsamen Sports und der Integration ist bis heute ein fester Termin im Kalender der Jugendlichen. Die 12. Ausgabe der olympischen Sommerspiele ging jetzt vom 29. bis zum 31. Mai in Sensburg über die Bühne.

Das olympische Feuer konnte natürlich nicht fehlen. Foto: Uwe Hahnkamp
Überraschungen und Traditionen
Etwas überraschend setzte der Autobus, der die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 bis 15 Jahren aus Allenstein, Seeburg, Landsberg und Bartenstein nach Sensburg brachte, sie nicht beim dortigen schulübergreifenden Wohnheim ab, sondern bei der Basis des Sensburger Sportzentrums am Ufer des Schoss-Sees. Dort erwarteten sie eine Einführung ins Knüpfen von Seglerknoten und eine kurze Bootsfahrt auf dem See. Danach gab es ein Lagerfeuer, das Przemysław Mohr, der Vorsitzende der Sensburger Gesellschaft der deutschen Minderheit „Bärentatze“, vorbereitet hatte.
Traditionell ist der Samstag nach der Integration des ersten Abends der Tag des Sports. Überraschend hatten die Sportlehrer des Schulverbands Nr. 2 Tomasz Szawkowski und Irena Węglewska den Dreikampf um einen Zickzacklauf erweitert. Er erfordert nicht nur Schnelligkeit, sondern auch Wendigkeit und Reaktionsvermögen, so dass dabei nicht unbedingt typische Leichtathleten gewinnen. Daneben waren Kinder und Jugendliche wie üblich bei Weitsprung, 100-Meter-Lauf und Weitwurf mit Medizinbällen gefordert. Der Nachmittag stand dann im Zeichen von Mannschaftssportarten wie Volleyball oder Fußball, der Abend war unter der Leitung des Deutschlehrers Sebastian Jabłoński von der „Bärentatze“ einem Spaziergang zur Erkundung der Stadt Sensburg gewidmet.

Der 100-Meter-Lauf
Foto: Uwe Hahnkamp
Disziplin und Ehrgeiz
Positiv wahrgenommen von der Leitung der Wettkämpfe und der Unterkunft wurden die Disziplin, die Lust an der Teilnahme und der Ehrgeiz der jungen Menschen. Nicht wenige Wettkämpfer baten darum, in weiteren Versuchen ihre Ergebnisse verbessern zu dürfen und erreichten nicht selten sogar persönliche Bestleistungen. Vor allem aber nutzten sie darüber hinaus die ruhige Zeit zwischen den Disziplinen oder am Abend für Kennenlernen und Integration untereinander.

Wettkampf im Medizinball-Weitwurf.
Foto: Uwe Hahnkamp
Außer neuen Freunden gab es selbstverständlich Preise beim Sport und beim Wissensquiz zu gewinnen. Bei der jüngeren Altersgruppe von 11 bis 13 Jahren siegten im Dreikampf mit Iga Adamowicz und Jan Kuźmierczyk zwei Schüler aus Allenstein, die älteren Jahrgänge von 14 bis 15 Jahren dominierten zwei Vertreter der achten Klasse der Grundschule in Frankenau, Oliwia Żerebecka und Damian Jankowski. Für die Gesamtsieger gab es Pokale, für die jeweils ersten drei in den Einzeldisziplinen Medaillen, außerdem Sachpreise für die Gewinner beim Quiz. Vor allem aber gab es für alle eine angenehme Atmosphäre für ein gelungenes Miteinander, das sie im nächsten Jahr wieder erleben wollen, wie von verschiedenen Seiten bereits auf der Rückfahrt aus Sensburg zu hören war.
Neben der Landsmannschaft Ostpreußen und dem Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren finanzierten die Olympischen Sommerspiele auch das polnische Ministerium für Inneres und Verwaltung sowie das Marschallamt der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Organisatoren und Teilnehmer bedanken sich für die dadurch möglich gewordene Chance der Begegnung, die allem Anschein nach sehr gut genutzt wurde.