I. Sonntag nach Trinitatis
Lesungen: Lukasevangelium 16,19–31; I. Johannesbrief 4,16–21; Jeremiabuch 23,16–29
Predigttext: Apostelgeschichte 4,32–37
Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.
Apostelgeschichte 4,32–35
Utopie Gottes?
So geht es nicht! Das kann doch langfristig nicht funktionieren! Das denken bestimmt viele Leserinnen und Leser dieses Abschnitts der Apostelgeschichte. Das Teilen der Güter, der Verkauf des Eigentums und das Zurverfügungstellen der finanziellen Mittel für die Apostel erinnern an Handlungsweisen einer gefährlichen Sekte, die ihre Mitglieder finanziell ausnutzt.
Der Umgang des frühen Christentums mit den Finanzen hatte auch seine Folgen. Das Geld reichte für einige Jahre. Später sammelte Apostel Paulus Kollekten in den von ihm gegründeten Gemeinden in Kleinasien, um die arme Gemeinde in Jerusalem zu unterstützen. Das finanzielle Experiment gelang nicht.
Trotzdem war es wichtig. Es zeigte einen tiefen Glauben an das Versprechen Jesu Christi, das sich auf seine Wiederkehr in die Welt bezieht. Die ersten Christen nach Pfingsten glaubten fest daran, dass es bald so weit sei. Inzwischen warten auch wir, die Christinnen und Christen der Gegenwart, auf die Verwirklichung dieses Versprechens.
Es kann sein, dass Petrus und seine Gefährten sich irrten. Vielleicht wurden die Aussagen Jesu missverstanden. So erwies sich diese Art des Umgangs mit Finanzen als mangelhaft, ja sogar als utopisch.
Wer sich nicht von materiellen Gütern beherrschen lässt, entdeckt die Freiheit des Gebens.
Es ändert aber nichts daran, dass Christinnen und Christen zur Wohltätigkeit verpflichtet sind – innerhalb der Kirche und außerhalb. Der berühmte Schauspieler Denzel Washington äußerte einmal einen interessanten Gedanken zu diesem Thema: Unser Leben hat drei Etappen. Die ersten 25 Jahre unseres Lebens sind wir Empfänger. Wir empfangen alles von unseren Eltern und Großeltern, werden großgezogen, lernen, studieren und sammeln Erfahrungen. Dann folgen weitere 25 Jahre oder sogar mehr, in denen wir arbeiten und Geld verdienen. Nach dieser Periode kommt die Zeit des Gebens und Spendens.
Ich mag diesen Standpunkt sehr. Das bedeutet aber nicht, dass ich mit fast 50 Jahren vom Geben und Spenden befreit bin. Der Gedanke dahinter ist: Wenn ich Gottes Segen empfange und es mir materiell gut geht, kann ich mein „Danke“ dafür nicht nur mit Worten, sondern auch durch das Teilen ausdrücken.
Nicht weniger wichtig ist es, sich nicht an materielle Werte zu binden. Wir müssen dabei keine „Blumenkinder“ sein, aber für gute Zwecke zu teilen, auch wenn wir dadurch selbst etwas weniger haben, ist etwas Besonderes.
Ich denke, dass „Balance“ das richtige Wort für unsere Haltung sein kann. Und das wünsche ich Ihnen von Herzen.
Amen