Im Internet tauchen immer mehr Materialien auf, oft bebildert mit von künstlicher Intelligenz generierten Bildern, die Verbrechen unter dem Hakenkreuz während des Zweiten Weltkriegs darstellen. Oft dient der Inhalt solcher Kurzvideos oder Texte nicht dem Gedenken an die Opfer, sondern soll beim Betrachter negative Emotionen und sogar den Wunsch nach Vergeltung hervorrufen. Auf diese Weise betreiben die Autoren solcher Materialien, indem sie ein Gleichheitszeichen zwischen Deutschen und Nationalsozialisten setzen, bewusst oder unbewusst Manipulation und schänden damit sogar das Andenken der Opfer.
Eine der rhetorischen Methoden besteht darin, die Verbrechen und Lager mit dem Adjektiv „deutsch“ und dem Substantiv „Deutsche“ zu beschreiben. Seit zehn Jahren beobachte ich in bestimmten Kreisen die Anwendung des Schemas kollektiver Verantwortung oder Schuld. Ich möchte daran erinnern, dass die Erklärung der Deutschen zu Feinden ein Element der Politik der polnischen Kommunisten war. Als Beispiel kann das „Aktionsprogramm gegenüber der BRD“ vom 22. Juni 1984 dienen, in dem die Regierung der Volksrepublik Polen klare Ziele und Erwartungen an die Außen- und Geschichtspolitik formulierte: „die Erlangung breiter Unterstützung der polnischen Gesellschaft für die Politik der Regierung in der deutschen Frage sowie die Wiederherstellung ihrer traditionellen Funktion der Einigung der Nation angesichts der Bedrohung“. Erst vor diesem Hintergrund wird die Manipulation verständlich, die sich hinter der Gleichsetzung der Begriffe „deutsch“, „nazistisch“ und „hitleristisch“ verbirgt.

KZ Sachsenhausen.
Foto: Wikipedia
In der Ära Gomułka bediente man sich sehr gerne antideutscher Ressentiments. Ein Beispiel für die Gleichsetzung von Deutschen und Nationalsozialisten sind die Schulbücher der Volksrepublik Polen. Allerdings muss man zugeben, dass selbst zu Zeiten Władysław Gomułkas Spuren von Anstand erkennbar waren. In einem der Schulbücher ist beispielsweise bei der Beschreibung des Kampfes um die Polnische Post von den Deutschen als Angreifern die Rede, doch wenn über die Ermordung der Postbeamten geschrieben wird, hieß es damals: „Die Hitler-Anhänger ermordeten auf bestialische Weise die noch lebenden Verteidiger der Post“ (H. Sędziwy, „Historia do klasy XI“, Teil II, Warschau 1964, S. 156).
„Wenn man von deutschen Verbrechen spricht, warum dann nicht von österreichischen? Schließlich waren viele Verbrecher, wie Amon Göth, der Kommandant des Lagers in Plaszow, Österreicher. Man schreibt auch nicht von russischen, sondern von sowjetischen Verbrechen.“
Nach dem Rücktritt des Ersten Sekretärs der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, Władysław Gomułka, und nach der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der Volksrepublik Polen und der BRD im Jahr 1970 begann man zwischen Deutschen und Nationalsozialisten zu unterscheiden, was insofern logisch ist, als zu den ersten Opfern des Nationalsozialismus auch Deutsche gehörten. Es stellt sich also die Frage: Wenn man von deutschen Verbrechen spricht, warum dann nicht von österreichischen? Schließlich waren viele Verbrecher, wie Amon Göth, der Kommandant des Lagers in Plaszow, Österreicher. Man schreibt auch nicht von russischen, sondern von sowjetischen Verbrechen, denn die Opfer der Sowjets waren ebenfalls Russen. Man spricht nicht von polnischen Verbrechen, sondern von kommunistischen oder stalinistischen, denn zu ihren Opfern zählten ebenfalls Polen. Interessant ist jedoch, dass diejenigen, die bereitwillig ein ganzes Volk für die Verbrechen verantwortlich machen, selbst protestieren, wenn jemand von „polnischen Lagern“ oder „polnischen Verbrechen“ spricht.
Bezeichnend ist, dass Autoren, die von „deutschen“ und nicht von „nationalsozialistischen“ Lagern schreiben, das Andenken der Opfer selbst schänden, indem sie es bewusst oder unbewusst instrumentalisieren, um Antagonismen anzuheizen. Eine solche Argumentation führt mittelbar dazu, das gegenseitige Vertrauen zu untergraben und die Einheit der NATO-Verbündeten Polen und Deutschland zu schwächen – besonders heute, in Zeiten der Bedrohung aus dem Osten. Es wundert mich, dass dieselben Personen von deutschen Verbrechen schreiben, aber im Fall der UdSSR die Bezeichnungen „sowjetisch“ oder „stalinistisch“ verwenden und nicht „russisch“. Wäre ihnen der Osten etwa näher als der Westen?
Waldemar Gielzok