Deutsche Minderheiten in Europa: Warum viele Deutsche nach Nordschleswig ziehen

2 Mai 2026, 05:00 Kultur 16

In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.

Dänemarks Deutsche mit steigenden Zahlen

Die deutsche Minderheit in Dänemark wächst stetig. Der Prozess verläuft jedoch anders als bei vielen anderen Volksgruppen, denn hier spielt Migration eine entscheidende Rolle. Immer mehr Menschen aus Schleswig-Holstein ziehen dauerhaft über die Grenze – ein Trend, der seit Jahren anhält. Dabei ist die Abwanderung deutlich höher als die Rückkehr nach Deutschland, was die Attraktivität des Nachbarlandes unterstreicht. Zahlen des Regionskontors und des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass mittlerweile Zehntausende Deutsche in Dänemark leben, besonders in den Grenzregionen wie Sønderborg oder Tønder. Ein Grund für diesen Boom war die Corona-Zeit, in der viele Menschen pragmatischere Lösungen in Dänemark suchten. Immobilien wurden damals teilweise sogar ungesehen gekauft. Neben dem Lebensstil lockt auch der dänische Arbeitsmarkt: Aufgrund des großen Fachkräftemangels wirbt Dänemark aktiv um Arbeitskräfte und erleichtert den Einstieg durch einfache Online-Angebote. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sieht Dänemark dennoch eher als Partner denn als Konkurrenten und betont die geringeren Lebenshaltungskosten im „echten Norden“.
Quelle: nordschleswiger.dk

Freunde der deutschen Sprache gesucht

Es ist eine Initiative, die als Vorbild dienen kann. Seit über zehn Jahren werden in Russland „Meister des Deutschen“ in verschiedenen Kategorien gesucht. Der Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ geht inzwischen in seine elfte Runde. Veranstaltet wird er vom Internationalen Verband der deutschen Kultur, der damit ein klares Ziel verfolgt: die Freude an der deutschen Sprache sowie das Wissen über die Geschichte der Russlanddeutschen lebendig zu halten. Ob einzeln oder im Team – alle in Russland lebenden Teilnehmer können kreative Projekte einreichen. Dabei geht es nicht um reines Auswendiglernen, sondern um Kreativität und den generationenübergreifenden Austausch. Die Kategorien sind vielfältig: Familien, Schreibbegeisterte, Deutschlehrer, Jugendliche sowie Interessierte an Fotografie und Musik. Wer teilnehmen möchte, sollte die Unterlagen sorgfältig vorbereiten. Einsendeschluss ist der 14. September 2026 über die offizielle Website. Die Preisverleihung findet am 9. November 2026 statt.
Quelle: rusdeutsch.ru

Vergangenheitsexperten vereint

Zu einem besonderen Treffen kam es kürzlich in der deutschen Botschaft in Prag. Experten der Erinnerungskultur kamen zusammen, um über das deutsche Erbe in Tschechien zu diskutieren. Unter dem Motto „Vergangenheit verbindet“ berieten zahlreiche Engagierte darüber, wie sich dieses Erbe in den böhmischen Regionen bewahren lässt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Botschaft, dem Zukunftsfonds, der Landesversammlung der deutschen Vereine sowie der Initiative Antikomplex. In verschiedenen Arbeitsgruppen ging es nicht nur um das Gedenken an die Vertreibung, sondern auch um praktische Fragen wie die Pflege alter deutscher Friedhöfe oder die Erforschung historischer Spuren. Die Gespräche wurden häufig zweisprachig geführt, was den Dialog besonders lebendig machte. Ein wichtiger Ausblick betrifft das Jahr 2026: Dann soll der Sudetendeutsche Tag erstmals in Tschechien, genauer gesagt in Brünn, stattfinden. David Macek vom Festival „Meeting Brno“ betonte, dass es nicht nur um Vergangenheit gehe, sondern um das heutige Zusammenleben. Er rief dazu auf, Versöhnung aktiv zu gestalten und politischer Instrumentalisierung vorzubeugen.
Quelle: landesecho.cz

Verschiedene Experten kamen beim Treffen zusammen.
Foto: LandesEcho / Lennard Halfmann.

Ungarndeutsche ohne Mandat

Die jüngsten Parlamentswahlen in Ungarn sorgten landesweit für große Aufmerksamkeit – jedoch nicht ohne Enttäuschungen. Die Liste der Ungarndeutschen konnte kein Mandat erringen. Die Stimmen reichten nicht aus, um einen Abgeordneten mit vollem Stimmrecht ins Parlament zu entsenden. Dennoch zeigt das Ergebnis deutlich: Die deutsche Minderheit möchte politisch vertreten sein. Die Wahlbeteiligung lag bei über 97 Prozent und war damit außergewöhnlich hoch. Von rund 22.800 registrierten Wählern gaben fast alle ihre Stimme ab. Am Ende fehlten jedoch einige Tausend Stimmen, um die erforderliche Hürde zu überwinden. Unklar bleibt, warum so viele Stimmen ungültig waren. Gregor Gallai wird die Gemeinschaft nun als Sprecher ohne Stimmrecht vertreten und sieht das Ergebnis nicht als Niederlage, sondern als Motivation. Seine Ziele bleiben klar: die deutsche Sprache bewahren, Traditionen pflegen und insbesondere die Jugend stärker einbinden.
Quelle: zentrum.hu

Karpatendeutscher Aktivist verstorben

Die deutsche Minderheit in der Slowakei trauert um Ondrej Pöss. Der langjährige Vorsitzende des Karpatendeutschen Vereins (KDV) verstarb am 20. April 2026 im Alter von 75 Jahren. Pöss wurde 1950 in Krickerhau geboren und blieb seiner Heimat auch nach seinem Umzug nach Bratislava eng verbunden. Ursprünglich in der Wissenschaft tätig, widmete er sich vor allem der Kulturarbeit. Er war maßgeblich am Aufbau des Museums der Kultur der Karpatendeutschen beteiligt, das er ab 1994 über 25 Jahre lang leitete. Unter seiner Führung wuchs die Sammlung auf Tausende Exponate an und erlangte internationale Bekanntheit. Auch im Verein engagierte er sich über Jahrzehnte hinweg in führenden Positionen. Für sein Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen aus Deutschland und Österreich. Die Beerdigung fand am 23. April im engsten Familienkreis in Bratislava statt.
Quelle: karpatenblatt.sk

Ondrej Pöss.
Foto: Karpatendeutscher Verein in der Slowakei

Rumäniendeutsche wird Jugendchefin

Die rumäniendeutsche Aktivistin Johanna Kézdi wurde zur Präsidentin der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV) gewählt. Die Wahl fand kürzlich bei einem Treffen in Morlaix in der französischen Bretagne statt. Damit übernimmt sie die Leitung der größten europäischen Organisation für junge Menschen aus sprachlichen und kulturellen Minderheiten. Kézdi war bereits zuvor im Vorstand für Presse und Kommunikation verantwortlich. Sie folgt auf Louis Albert-Becker und möchte neue Impulse setzen. Besonders wichtig ist ihr, dass junge Menschen aus Minderheiten ihre Stimme erheben und sichtbar werden. Für ihre zweijährige Amtszeit hat sie klare Ziele formuliert: eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks sowie eine bessere Verbindung zwischen Vorstand und lokalen Organisationen. Neben ihr wurden auch weitere Positionen im Vorstand neu besetzt, etwa im Bereich Minderheitenrechte. Zahlreiche Organisationen haben bereits ihre Unterstützung zugesagt.
Quelle: fdgr.ro

Johanna Kezdi.
Foto: FUEN

Łukasz Biły

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