Die Wahl der neuen Führung des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen steht bevor
Im Mai 2026 finden die Wahlen der neuen Führung des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) statt, was mit dem 35-jährigen Bestehen der Organisation zusammenfällt. Aus diesem Anlass haben wir uns an die Mitglieder des noch amtierenden VdG-Vorstands mit Fragen zur laufenden Amtszeit gewandt. Wir fragten auch, was im Hinblick auf die nächsten vier Jahre verändert, verbessert oder beibehalten werden sollte.
Gespräch mit Michał Schlueter, stellvertretender Vorsitzender des VdG
Wurden Ihrer Meinung nach in den vergangenen vier Jahren die gesteckten Ziele vom VdG-Vorstand effektiv umgesetzt?
Die Amtszeit des aktuellen Vorstands begann noch während der von der PiS und dem Bildungsminister initiierten Diskriminierung der deutschen Minderheit. Die Arbeitsbedingungen für unsere Gemeinschaft waren weder komfortabel noch berechenbar. Der Zustand, in dem wir die Amtszeit nun beenden, erforderte großen Einsatz, strategisches Denken, viele Treffen und intensive Bemühungen um unsere Anliegen sowohl in Polen als auch in Deutschland. Die Mitglieder unserer Organisationen sehen meist die Ergebnisse der Arbeit des VdG, ohne zu sehen, wie viel Arbeit im Hintergrund in jedes Projekt, in jede Maßnahme einfließt. Eine große Veränderung haben wir bei unseren Medien, deren Finanzierung und Sichtbarkeit erreicht. Im Fernsehen werden wir inzwischen wie alle anderen Minderheiten behandelt, was ich als großen Schritt nach vorne betrachte. Der VdG hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Wir sorgen nicht nur für die Finanzierung von Projekten der DFK in ganz Polen, sondern geben auch neue Impulse und schaffen neue Aktivitäten. Die Welt um uns herum verändert sich ständig, und wir müssen uns mit ihr verändern. Haben wir die gesteckten Ziele erreicht? Zu einem großen Teil ja, aber man kann immer sagen, dass mehr möglich gewesen wäre.
Sollte der Kurs, den die VdG-Führung in der zu Ende gehenden Amtszeit eingeschlagen hat, ohne jede Änderung fortgesetzt werden, oder bedarf er zumindest eines Lifting(s)?
Die grundsätzliche Ausrichtung sollte weiterverfolgt werden. Doch jedes Jahr bringt neue Herausforderungen, neue Probleme. Die geopolitische Lage, aber auch die nähere Umgebung in Polen und Deutschland, bringt viel Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit in unser Leben. Eine Kursänderung ist jederzeit möglich, manchmal sogar notwendig, um angemessen auf Neues zu reagieren. Heute haben wir strukturell und operativ ein Niveau erreicht, auf dem wir ruhig agieren und planen können. Was die Zukunft bringt, weiß niemand.
Wo sehen Sie die Notwendigkeit für die gravierendsten Korrekturen in der Arbeit des VdG und warum?
Der Rückgang der Mitgliederzahlen in den Organisationen und der stark verschobene Altersdurchschnitt sind Herausforderungen für alle im VdG zusammengeschlossenen Vereine. Ich glaube, dass dieser Trend weiter zunehmen wird, daher müssen wir uns schon heute die Frage stellen, wie das Ganze zum Beispiel in zehn Jahren aussehen soll. In unserer Strategie für die Jahre 2023–2027 hatten wir bereits interessante und ambitionierte Ziele formuliert, die wir aufgrund der turbulenten Zeiten nicht vollständig verwirklichen konnten. Heute stellen wir fest, dass einige Punkte der Strategie geändert und neue Ziele hinzugefügt werden müssen. Ein gutes Beispiel für die Weiterentwicklung unseres Handelns ist die Ergänzung unserer Ziele um eine Sprachstrategie. Meiner Meinung nach braucht der VdG keine grundlegende Korrektur seines Handelns, denn wir haben gelernt, ständig auf alle Gefahren und Veränderungen zu reagieren. Wir überlegen ständig, ob man etwas besser machen kann, und nehmen die notwendigen Anpassungen vor.
Werden Sie erneut für die VdG-Führung kandidieren?
Die Satzung des VdG sieht einen Platz im Vorstand für einen Vertreter aus Nordostpolen vor. In den nächsten Wochen müssen wir intern in der Region entscheiden, wessen Kandidatur wir bei den kommenden Wahlen vorschlagen. Wir haben vier Delegierte zur Verfügung. Alles wird sich am 9. Mai entscheiden.
Das Gespräch führte Krzysztof Świerc

