Am 20. Februar wurde in der Pädagogischen Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln der Tag der Muttersprache begangen. Die Veranstaltung war der Sprache, ihrer Geschichte und ihrer Bedeutung im Alltag gewidmet. Auf dem Programm standen Vorträge zur Rolle der Sprache bei der Identitätsbildung, Workshops zum Reichtum sprachlicher Ausdrucksformen sowie ein thematischer Spaziergang, der das regionale Erbe aus sprachlicher Perspektive erschloss.
Historischer Stadtspaziergang: Auf den Spuren des deutschsprachigen Oppelns
Ein besonderer Programmpunkt war der historische Stadtspaziergang „Auf den Spuren des deutschsprachigen Oppelns“, geleitet von Aneta Lissy-Kluczny. Die Route führte unter anderem über den Daszyński-Platz, vorbei an historischen Brunnen und Gebäuden bis zum Schlossteich. Dabei entdeckten die Teilnehmenden Orte, an denen die deutsche Geschichte der Stadt bis heute sichtbar ist.
Der Tag der Muttersprache in Oppeln verband Vergangenheit und Gegenwart: historische Orte wurden neu gelesen, und Sprache wurde nicht nur als Lernstoff, sondern als Teil von Identität, Erinnerung und Gemeinschaft erfahrbar gemacht.
„Wir beginnen am Daszyński-Platz, am Zeresbrunnen, denn dort kann man seit ein paar Jahren wieder eine deutsche Inschrift lesen. Die werden wir entziffern und übersetzen, und ich erzähle auch die spannende Geschichte dieses Brunnens“, erklärte Lissy-Kluczny. Der Spaziergang führte weiter in Richtung Philharmonie, wo sich einst das luxuriöse Hotel Forms befand, sowie zur heutigen Insel Pascheke. „Am Schlossteich erzähle ich von der neuen Synagoge und von der Lieblingssportart der Oppelner in deutscher Zeit – dem Eiskunstlauf. 1934 fanden hier sogar die Deutschen Meisterschaften statt“, ergänzte sie. Ziel sei es, Jugendlichen einen ersten Einblick in die vielfältige deutschsprachige Vergangenheit Oppelns zu geben.

Internationaler Tag der Muttersprache in Oppeln: Der historische Stadtspaziergang „Auf den Spuren des deutschsprachigen Oppelns“ wurde geleitet von Aneta Lissy-Kluczny.
Foto: Stefani Koprek-Golomb
Sprache aktiv erleben: Workshops und Bewegungsspiele
Neben dem historischen Zugang spielte auch die lebendige Sprachpraxis eine wichtige Rolle. Workshops zu Bewegung, Spiel und Sprechen wurden unter anderem von Joanna Przybyłowska vom Goethe-Institut Krakau gestaltet. Dabei ging es darum, Deutsch außerhalb des Klassenzimmers erlebbar zu machen. „Sie konnten erleben, wie man wirklich auf Deutsch spricht, und wir haben viele Integrationsspiele gemacht, bei denen man sich auf Deutsch kennenlernen konnte – ganz anders als im Unterricht“, sagte Przybyłowska. Das Goethe-Institut biete sowohl Fortbildungen für Lehrkräfte als auch Workshops für Schülerinnen und Schüler an. „Wir machen Sprach- und Bewegungsspiele, bieten Online-Materialien und Unterrichtsentwürfe an. Jede Schule kann sich das aussuchen, was sie braucht“, betonte sie.

Der Tag der Muttersprache in Oppeln verband Vergangenheit und Gegenwart: historische Orte wurden neu gelesen, und Sprache wurde nicht nur als Lernstoff, sondern als Teil von Identität, Erinnerung und Gemeinschaft erfahrbar gemacht.
Foto: Stefani Koprek-Golomb
Der Tag der Muttersprache in Oppeln verband Vergangenheit und Gegenwart: historische Orte wurden neu gelesen, und Sprache wurde nicht nur als Lernstoff, sondern als Teil von Identität, Erinnerung und Gemeinschaft erfahrbar gemacht. Die Veranstaltung zeigte, dass Mehrsprachigkeit und regionale Geschichte keine Randthemen sind, sondern lebendige Bestandteile des kulturellen Erbes der Stadt.
Die Veranstaltung wurde vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit im Rahmen des Projekts „LernRAUM.pl“ organisiert.
Anna Durecka