Auf dem Kommunalfriedhof in Leobschütz steht ein Denkmal, das seit mehr als hundert Jahren an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert. Heute befindet es sich in einem schlechten baulichen Zustand und muss dringend restauriert werden. Für die Wiederherstellung seines ursprünglichen Erscheinungsbildes setzt sich Sylwester Fulneczek, Vorsitzender des Vereins der Freunde des Museums und des Leobschützer Landes, ein. Die von ihm initiierte Spendenaktion soll die Mittel für die kostspielige Restaurierung des Denkmals aufbringen. „Es ist nicht nur ein Stück Stein, sondern ein Teil der Geschichte unserer Stadt“, sagt Sylwester Fulneczek.
Ein Denkmal, finanziert von den Einwohnern
Das Denkmal in Leobschütz wurde 1924, einige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, errichtet. Es war jedoch kein eigenständiges Bauwerk, sondern Teil einer größeren Kriegsgräberstätte, die den Menschen gewidmet war, die in den örtlichen Lazaretten starben, dort beigesetzt wurden oder an verschiedenen Fronten des Ersten Weltkriegs ihr Leben verloren.
„Das Denkmal entstand 1924, also einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Daneben befindet sich ein Gräberfeld der Gefallenen. Dort stehen 32 Kreuze, die mit dem Ersten Weltkrieg verbunden sind, sowie vier weitere Kreuze aus der Zeit der Volksabstimmung und der Schlesischen Aufstände“, erklärt Sylwester Fulneczek.
Auch die Entstehungsgeschichte des Denkmals besitzt eine symbolische Bedeutung. Nach den Überlieferungen ehemaliger Einwohner von Leobschütz wurde der Bau durch Spenden der örtlichen Bevölkerung finanziert. An der Einweihung sollen die drei Religionsgemeinschaften teilgenommen haben, die das Vorkriegsleben der Stadt prägten: Katholiken, Evangelische und Juden.

Anfang der 1990er Jahre restaurierte die DFK Leobschütz das Denkmal in Eigenleistung. Die Ortsgruppe besteht heute leider nicht mehr.
Foto: Sylwester Fulneczek
Ihre Gotteshäuser lagen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Am Tag der Einweihung fanden zunächst Gottesdienste statt, anschließend zogen die Gläubigen gemeinsam zum Friedhof, um an der Enthüllung des Denkmals teilzunehmen.
In der Kriegsgräberstätte wurden vermutlich Soldaten beigesetzt, die im örtlichen Lazarett verstorben waren. Ihre Namen sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Der Verein betreibt deshalb Archivrecherchen, um die Erinnerung an diese Menschen wiederherzustellen und ihre Lebensgeschichten zu rekonstruieren.
„Es ist höchste Zeit, diese Aufgabe anzugehen“
Heute fällt das Denkmal vor allem durch seinen schlechten baulichen Zustand auf.
„Ich sehe seinen Zustand praktisch jede Woche – und er ist schlecht. Früher war ich Mitglied der DFK-Ortsgruppe in Leobschütz. Die örtliche DFK-Struktur wurde vor etwa 18 Jahren aufgelöst, weil es keine neuen Mitglieder mehr gab und die älteren Mitglieder nicht mehr die Kraft hatten, ihre Arbeit fortzusetzen. Gerade der DFK Leobschütz hat das Denkmal Anfang der 1990er Jahre in Eigenleistung restauriert. Besonders hervorheben muss man dabei die großen Verdienste von Frau Rosemarie Kozlik und ihres inzwischen verstorbenen Ehemannes Helmut. Deshalb bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es höchste Zeit ist, diese Aufgabe erneut zu übernehmen – diesmal jedoch auf professioneller Grundlage“, sagt Fulneczek.
„Es ist nicht nur ein Stein. Es ist die Geschichte der Menschen, die hier gelebt haben. Wenn wir uns nicht um solche Orte kümmern, gibt es in einigen Jahrzehnten vielleicht nichts mehr zu retten.“
Sylwester Fulneczek
Zusätzlich motivierte ihn ein Vortrag von Adrian Szczepiński, der sich mit der Geschichte der Kriegerdenkmäler des Ersten Weltkriegs in Schlesien beschäftigt. Während einer Präsentation über solche Denkmäler in den Kreisen Ratibor, Leobschütz und der näheren Umgebung stellte er fest, dass sich das Leobschützer Denkmal hinsichtlich seines Erhaltungszustands zu den am stärksten gefährdeten Objekten der Region zählt.
„Das war für mich einerseits beschämend, andererseits aber auch eine zusätzliche Motivation, mich dieser Aufgabe anzunehmen“, räumt Fulneczek ein.
Erste Versuche, Fördermittel zu erhalten, laufen bereits seit mehreren Jahren. Der Verein beantragte zweimal Zuschüsse im Rahmen von Förderprogrammen des Marschallamtes der Woiwodschaft Oppeln. Beide Anträge wurden jedoch abgelehnt.
Spendenaktion zur Rettung des Denkmals
Schließlich entschied sich der Verein für eine öffentliche Spendenaktion. Die Idee wurde unter anderem mit Vertretern der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD), dem Vorstandsmitglied Róża Zgorzelska sowie dem Vorsitzenden Rafał Bartek besprochen.
Die Gesamtkosten des Projekts werden auf rund 55.000 Złoty geschätzt. Über das Portal zrzutka.pl sollen 30.000 Złoty gesammelt werden.

Das Denkmal im September 1967.
Foto: H. Rathmann
Die Mittel sind für zwei Bauabschnitte vorgesehen. Im ersten Schritt soll die Mauer saniert werden, an der die Marmorplatte befestigt ist. Im zweiten Schritt folgt die Restaurierung der Marmorplatte selbst – des historisch, kulturell und ästhetisch bedeutendsten Bestandteils des Denkmals.
Die größte Herausforderung stellt eben diese Marmorplatte dar. Sie weist zahlreiche Risse auf und muss fachgerecht restauriert werden. Besonders wichtig ist dabei der Erhalt ihrer charakteristischen Verzierungen sowie der deutschen Inschrift.
Da sich das Denkmal auf einem denkmalgeschützten Friedhof befindet und auch die Friedhofsmauer unter Denkmalschutz steht, müssen sämtliche Arbeiten in Abstimmung mit dem Woiwodschaftlichen Denkmalpfleger erfolgen.
„Die denkmalpflegerischen Vorgaben liegen uns bereits vor. Dank der guten Zusammenarbeit konnten wir sie erhalten, ohne zusätzliche Kosten tragen zu müssen“, erklärt Fulneczek.
Nicht nur Restaurierung, sondern auch Erinnerung
Der Initiative haben sich inzwischen auch verschiedene Institutionen und Organisationen angeschlossen, darunter das Stadt- und Gemeindeamt Leobschütz, die Historische Gesellschaft des Leobschützer Landes e.V. sowie das Bischof-Nathan-Werk (BNW). Auch der Verein der Freunde des Museums und des Leobschützer Landes beteiligt sich finanziell an dem Projekt.

Sylwester Fulneczek, Vorsitzender des Vereins der Freunde des Museums und des Leobschützer Landes, mit einem Album historischer Fotografien des Denkmals in Leobschütz.
Foto: Anna Durecka
Die Aktivitäten beschränken sich jedoch nicht auf die Restaurierung allein. Das Vorhaben besitzt zugleich eine pädagogische und gesellschaftliche Dimension. Der Verein betreibt historische Forschungen und bindet Einwohner sowie Jugendliche in Maßnahmen zum Schutz des lokalen Kulturerbes ein.
Ein Beispiel dafür war die gemeinsame Säuberungsaktion der Kriegsgräber des Ersten Weltkriegs am 5. Oktober 2023, die zusammen mit dem Museum, dem Polnischen Pfadfinderverband und Jugendlichen durchgeführt wurde. Derzeit laufen außerdem Archivrecherchen zur Identifizierung der in den benachbarten Gräberfeldern Bestatteten sowie zur Erstellung einer vollständigen Liste der im Ersten Weltkrieg gefallenen Einwohner von Leobschütz.
Erinnerung für kommende Generationen
Auf der Mitgliederversammlung des Vereins am 15. Mai 2026 in Leobschütz wurde beschlossen, die Spendenaktion offiziell zu starten.
Für Sylwester Fulneczek geht es bei der Rettung des Denkmals um weit mehr als um dessen äußeres Erscheinungsbild.
„Es ist nicht nur ein Stein. Es ist die Geschichte der Menschen, die hier gelebt haben. Wenn wir uns nicht um solche Orte kümmern, gibt es in einigen Jahrzehnten vielleicht nichts mehr zu retten“, betont er.
Das Denkmal in Leobschütz entstand einst durch das Engagement der Einwohner vor mehr als hundert Jahren. Heute hängt sein Fortbestand von der nächsten Generation ab.
Möchten Sie die Restaurierung des Denkmals in Leobschütz unterstützen? Hier finden Sie den Link zur Spendenaktion.