Während der 57. Verbandsratssitzung des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), die am 9. Mai 2026 in Lubowitz stattfand, wurde der Arbeitsplan für die Jahre 2026–2027 angenommen. Das Dokument basiert auf der Entwicklungsstrategie der deutschen Minderheit in Polen und umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen – von Sprachförderung und Kulturarbeit über Jugendarbeit bis hin zu politischem Engagement auf nationaler und internationaler Ebene. Das Arbeitsprogramm wurde vom VdG-Vorstandsmitglied Waldemar Świerczek vorgestellt.
Sprache als zentrales Fundament
Im Mittelpunkt des neuen Arbeitsplans steht eindeutig die Stärkung der deutschen Sprache. Der VdG plant sowohl die Weiterführung bestehender Projekte als auch die Entwicklung neuer Sprachinitiativen.
Ein zentrales Ziel ist die Ausarbeitung und Einführung einer neuen Sprachstrategie der deutschen Minderheit für die Jahre 2027–2031. Im Plan heißt es dazu ausdrücklich: „Stärkung der Sprachförderung und Ausarbeitung neuer Sprachinitiativen“.
Besonderes Augenmerk gilt der Zusammenarbeit mit Schulen, in denen Deutsch als Minderheitensprache unterrichtet wird. Durch attraktive und altersgerechte außerschulische Angebote soll der Sprachgebrauch weiter gefördert werden – darunter Programme wie Deutsch AG, Samstagskurse, Deutscher Kinderclub, Jugendbox, Bilingua sowie Schullandheimprojekte.
Geplant ist zudem die Suche nach Anschubfinanzierungen zur Gründung von Vereinsschulen sowie die Entwicklung eines Schulungsangebots für neue Schulinitiativen. Auch für Erwachsene sollen neue Sprachformate entstehen, etwa über Plattformen wie Lernraum.pl.
Kultur als lebendige Identität
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Pflege und Nutzung des kulturellen Erbes der deutschen Minderheit. Der VdG kündigt die Fortführung zentraler Projekte an, darunter die Begegnungsstättenarbeit, das Schlesienseminar, Minderheitenwallfahrten sowie die Stärkung bestehender Strukturen.

Waldemar Świerczek. Foto: S. Koprek-Golomb
Gleichzeitig sollen bestehende Programme wie „DMI-Aktiv“ oder Maibaum-Projekte weiter koordiniert und ausgebaut werden. Besonders hervorgehoben wird die Planung des VIII. Kulturfestivals der deutschen Minderheit, das als wichtiges Gemeinschaftsereignis gilt.
Darüber hinaus sollen innovative neue Kulturprojekte entwickelt werden, die die Sichtbarkeit der deutschen Minderheit weiter stärken.
Jugend als Zukunft der Minderheit
Ein eigenes Kapitel widmet der Plan der Jugendarbeit. Der VdG will die Jugendorganisationen innerhalb der gesamten deutschen Minderheit stärken und eine umfassende Jugendstrategie erarbeiten.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Jugendzentrum der deutschen Minderheit in Oppeln, dessen Leitung und Weiterentwicklung unterstützt werden soll. Ziel ist es, jungen Menschen mehr Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung innerhalb der Organisation zu bieten.
Engagement würdigen und Mitglieder stärken
Auch die Förderung des Engagements und der Erhalt der Mitgliederzahlen spielen eine zentrale Rolle. Der Plan sieht die Unterstützung junger Nachwuchskräfte vor, um ihnen eine aktive Rolle innerhalb der Minderheit zu ermöglichen.
Gleichzeitig soll das Engagement von Personen, Organisationen und Institutionen, die sich für das deutsche Kulturerbe einsetzen, stärker gewürdigt werden.
Strukturen, Beratung und Minderheitenschutz
Im Bereich der Organisationsstrukturen plant der VdG regelmäßige Informationstreffen für alle Organisationen der deutschen Minderheit in Polen. Gleichzeitig sollen finanzielle Mittel effizienter eingesetzt und die Organisationen stärker beraten werden – sowohl finanziell als auch organisatorisch.
Ein wichtiges Ziel bleibt zudem der aktive Einsatz für den Schutz der Minderheitenrechte sowie die Sicherung stabiler Rahmenbedingungen für die künftige Arbeit.
Öffentliches Bild und moderne Kommunikation
Auch die Außendarstellung der deutschen Minderheit soll weiterentwickelt werden. Geplant ist eine neue Gestaltung der VdG-Medien sowie deren Ausbau durch innovative Projektideen.
Damit soll – so der Plan – ein modernes, zeitgemäßes Bild der deutschen Minderheit in der Öffentlichkeit vermittelt werden.
Vernetzung und politische Verantwortung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung mit sogenannten meinungsbildenden Persönlichkeiten. Der VdG will verstärkt Treffen mit Experten aus dem Umfeld der deutschen Minderheit organisieren.
Besonders deutlich wird der politische Anspruch des Arbeitsplans im letzten Abschnitt. Der VdG kündigt ein intensives Engagement auf deutscher und polnischer Ebene an, insbesondere im Hinblick auf die finanzielle Absicherung der Minderheitenarbeit.
Geplant sind zudem Lobbyaktivitäten auf deutscher und europäischer Ebene – unter anderem in Zusammenarbeit mit der FUEV, Landsmannschaften, Bundesländern sowie anderen deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa.
Auch die Beteiligung an der Gemeinsamen Kommission der Regierung und der Minderheiten sowie der direkte politische Dialog mit der polnischen und deutschen Regierung bleiben zentrale Aufgaben.
Ausblick
Mit dem Arbeitsplan 2026–2027 setzt der VdG klare Schwerpunkte: Sprachförderung, kulturelle Identität, Jugendbeteiligung und politische Absicherung. Der Verband positioniert sich damit erneut als zentrale Dachorganisation der deutschen Minderheit in Polen – mit dem Anspruch, sowohl die alltägliche Bildungs- und Kulturarbeit als auch die politischen Rahmenbedingungen langfristig zu sichern.
Diskussion und Vorschläge
Im Rahmen der Diskussion über den Arbeitsplan für die kommende Amtszeit wurden zudem mehrere Ergänzungsvorschläge eingebracht, die – nach Ansicht der Delegierten – die Arbeit des VdG sowie der Mitgliedsorganisationen stärken können.

Zuzanna Donath-Kasiura.
Foto: S. Koprek-Golomb
Die Vize-Marschallin der Woiwodschaft Oppeln, Zuzanna Donath-Kasiura, wies insbesondere auf die Notwendigkeit hin, die Kommunikation zwischen den Organisationen und ihren Mitgliedern zu stärken. Sie schlug vor, regelmäßig Informations- und Austauschtreffen zu organisieren, deren Teilnahme ein fester Bestandteil der Zusammenarbeit sein sollte. Zudem betonte sie die Notwendigkeit, die Verwendung der deutschen Sprache in den Familien stärker zu fördern und sie an die nächsten Generationen weiterzugeben – von klein auf bis hin zur Unterstützung durch die ältere Generation.
Zu den weiteren Vorschlägen gehörten außerdem: die Erarbeitung von Maßnahmen zur Bekämpfung des Mitgliederschwunds in den Organisationen der deutschen Minderheit, die Schaffung einer Funktion eines Jugendbeauftragten innerhalb der Strukturen des VdG sowie die Analyse der Gründe für das nachlassende Interesse junger Menschen an der Arbeit der deutschen Minderheit.
Das gesamte Dokument ist auf der Website www.vdg.pl verfügbar.
Die Redaktion