- Lesung: Jes 25,6–10a
- Lesung: Phil 4,12–14.19–20
Evangelium: Mt 22,1–14
Wir lassen uns gerne zu verschiedenen angenehmen Anlässen einladen. Gast zu sein, empfinden wir als eine Auszeichnung. Besonders bezaubernd, bewegend und erfreulich sind Hochzeitsfeiern. Im heutigen Evangelium erzählt Jesus das Gleichnis von einem König, der zur Hochzeit seines Sohnes einlädt. Alles ist vorbereitet. Doch die eingeladenen Gäste wollen nicht kommen. Daraufhin lässt der König alle Menschen einladen, die seine Diener auf den Straßen finden. Der Festsaal füllt sich. Aber einer der Gäste trägt kein Hochzeitsgewand. Was möchte Jesus uns mit diesem Gleichnis sagen? Betrachten wir drei Gedanken.
Gott lädt ein – der Mensch bleibt frei
Jesus vergleicht das Himmelreich mit einem Hochzeitsfest. Ein schönes Bild! Gott möchte die Menschen nicht durch Angst an sich binden. Er lädt sie zur Freude, zur Gemeinschaft und zur Fülle des Lebens ein. Seine Einladung ist ein Geschenk seiner Liebe. Doch die zuerst eingeladenen Gäste wollen nicht kommen. Manche sind gleichgültig. Andere reagieren sogar mit Feindschaft. Ursprünglich richtet Jesus diese Worte besonders an Hohepriester und die Ältesten des Volkes, die seine Botschaft ablehnten.
Gott ruft. Aber er zwingt niemanden. Die Liebe lässt dem Menschen die Freiheit, Ja oder Nein zu sagen.
Doch seine Mahnung gilt ebenso uns. Auch heute kann ein Mensch so sehr mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt sein, dass er Gottes Stimme nicht mehr hört. Gott ruft. Aber er zwingt niemanden. Die Liebe lässt dem Menschen die Freiheit, Ja oder Nein zu sagen.
Gottes Einladung kennt keine menschlichen Grenzen
Der König gibt nicht auf. Er schickt seine Diener auf die Straßen. Sie sollen alle einladen, die sie finden. Gute und Böse. Der Festsaal füllt sich mit Menschen, die ursprünglich gar nicht zu den Gästen gehörten. Hier zeigt Jesus die Größe der göttlichen Barmherzigkeit. Gottes Heil ist nicht das Vorrecht einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe. Es ist für alle Menschen bestimmt. Niemand muss zuerst vollkommen sein, um seine Einladung zu empfangen.
Auch die Kirche lebt aus dieser Wahrheit. Sie ist keine Gemeinschaft der bereits Vollkommenen. Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen, die Gottes Gnade brauchen. Seine Liebe geht unserer Umkehr voraus. Gott öffnet die Tür. Er wartet darauf, dass wir eintreten.
Das Hochzeitsgewand – ein Glaube, der das Leben verändert
Ein Gast ist zum Hochzeitsfest gekommen, trägt aber kein Hochzeitsgewand. Der König spricht ihn darauf an. Doch der Mann schweigt. Was bedeutet dieses rätselhafte Bild?
Das Hochzeitsgewand steht in der christlichen Tradition besonders für die Liebe, die aus dem Glauben wächst. Schon der heilige Augustinus hat es so verstanden. Wer Gottes Einladung annimmt, soll sich auch von seiner Liebe verwandeln lassen. Christsein bedeutet deshalb mehr, als zur Kirche zu gehören oder den Glauben mit Worten zu bekennen. Der Glaube soll in unseren Entscheidungen, in unserer Barmherzigkeit und im Umgang mit anderen Menschen sichtbar werden. Nicht aus eigener Vollkommenheit, sondern durch die Gnade Gottes, die in uns wirken möchte.
Das Hochzeitsgewand können wir als Bild eines Herzens verstehen, das bereit ist, sich von Gott erneuern zu lassen.
Vielleicht sollten wir uns heute zwei einfache Fragen stellen: Höre ich noch Gottes Einladung? Und wird in meinem Leben etwas von Gottes Liebe sichtbar?