Interview mit Rafał Bartek

Herausforderungen und Stabilisierung

22 Mai 2026, 05:00 Politik

Mit Rafał Bartek, dem Vorsitzenden des VdG, sprach Krzysztof Świerc.

Herr Bartek, vor der Wahl des neuen Vorstands des VdG, die am 9. Mai dieses Jahres stattfand, sagten Sie im Gespräch mit dem Neuen Wochenblatt.pl, dass in den nächsten vier Jahren die Aufgaben fortgesetzt werden sollten, die in der vorherigen Amtsperiode begonnen wurden. Welche konkreten Aufgaben meinten Sie damit?

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass der VdG in den vergangenen Jahren seine Rolle stark verändert hat – von einer rein politisch-repräsentativen hin zu einer koordinierenden und, bei der Weiterleitung finanzieller Mittel, vermittelnden Rolle. Heute hat diese Rolle noch an Gewicht gewonnen, allein schon deshalb, weil die Mittel, die bis 2025 über das Konsulat weitergeleitet wurden, nun direkt über den VdG fließen. Das muss fortgesetzt werden. Die Herausforderung dabei jedoch ist geworden, dies gut zu machen, damit alles ordnungsgemäß abgerechnet, weitergeleitet und schnellstmöglich umgesetzt wird. Wir sprechen hier von Jahresprojekten, und das ist immer eine Herausforderung. Zugleich muss man es natürlich gut machen, um das gesellschaftliche Engagement nicht zu verlieren.

Das heißt?

Soweit möglich und machbar, sollte man versuchen, die Bürokratie und die Erwartungen zu senken. Diese Dinge zu vereinen, ist sicherlich eine große Aufgabe für die nächsten Jahre, für die Zukunft, denn unser Adressat, der Aktivist, der die sogenannte „Papierflut“ vermeiden möchte, ändert sich. Auf der anderen Seite haben wir Haushaltsmittel, öffentliche Gelder, bei deren Verwaltung man nicht vollständig auf die „Bürokratie“ verzichten kann. Somit ist die nächste Herausforderung in dieser Amtsperiode, ich würde sagen, eine organisatorisch-technische, die weitere Professionalisierung der Verwaltungsprozesse.

Rafał Bartek, Vorsitzender des VdG.
Foto: M. Golomb

Sie betonen auch regelmäßig die Notwendigkeit, die Aktivität unserer Organisationen zu steigern.

Denn das ist eine weitere, für uns sehr wichtige Aufgabe in dieser Amtsperiode. Wir müssen beständig darüber nachdenken, wie wir unsere Aktivitäten ankurbeln können. Besonders in den in dieser Hinsicht schwächeren Regionen, wie etwa im Norden Polens, wo unsere Organisationen kleiner und weniger sichtbar sind. Auch in der Woiwodschaft Schlesien könnte die Aktivität unserer Organisationen größer sein, denn das Potenzial dort ist groß, was weitere Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Deshalb müssen wir überlegen, welche Impulse der Vorstand des VdG senden kann, damit auch in diesen Regionen die Aktivität unserer Organisationen in den kommenden Jahren nicht nur weiterhin sichtbar bleibt, sondern darüber hinaus weiterwächst.

Gibt es etwas, das sich in den nächsten vier Jahren am VdG selbst ändern sollte?

Meiner Meinung nach sind im gegenwärtigen Moment keine weiteren Veränderungen im VdG nötig, sondern ganz im Gegenteil. Nach Jahren voller Veränderungen, manchmal geradezu revolutionärer, wie etwa in unseren Medien, brauchen wir heute mehr Stabilisierung, Ruhe und systematische Entwicklung. Ähnlich verhält es sich auch in anderen Bereichen.

„Wenn es uns nicht gibt, wenn es unsere Kandidatinnen und Kandidaten nicht gibt, dann gibt es auch unsere Themen nicht, und dann wird es schwieriger.“

Gleichzeitig ist uns bewusst, dass wir in vielen Segmenten unserer Tätigkeit erst nach zwei, drei Jahren richtig Fuß fassen und sagen können, dass es gut läuft. Warum? Weil wir nach dieser Zeit wissen, worum es geht, wie wir eine bestimmte Aufgabe angehen, wie wir ein Projekt vorbereiten, wo wir den nächsten Antrag stellen müssen. Mit diesem Wissen ausgestattet, bin ich der Meinung, dass wir jetzt vor allem Stabilisierung, Beruhigung und eine gewisse Entschleunigung brauchen, damit wir so viel Nutzen wie möglich aus den Möglichkeiten ziehen können, die wir in den vergangenen Jahren erarbeitet haben und die uns heute gegeben sind.

Welche Bedeutung werden die Parlamentswahlen im nächsten Jahr für unsere Organisation haben? Sind sie wichtiger als die Kommunalwahlen, die uns 2029 bevorstehen?

Beide Wahlen sind für uns sehr wichtig, denn, ob wir wollen oder nicht, die Politik hat einen enormen Einfluss auf das Funktionieren der Minderheit. Das erleben wir täglich. Wir haben es auch während der Regierungszeit von Recht und Gerechtigkeit/PiS erlebt, als die Politik uns auf direkte und schmerzhafte Weise traf.

Deshalb sind die Parlamentswahlen im nächsten Jahr für uns genauso wichtig wie die Kommunalwahlen.

Ganz genau. Denn wenn es uns nicht gibt, wenn es unsere Kandidatinnen und Kandidaten nicht gibt, dann gibt es auch unsere Themen nicht, und dann wird es schwieriger. Ich behaupte nicht, dass, wenn wir keine eigene Vertretung im Parlament oder in der Kommunalverwaltung haben, bestimmte Dinge unmöglich zu verwirklichen sind. Ich glaube, dass es immer Möglichkeiten gibt. Der Dialog, die Artikulation eigener Bedürfnisse und Erwartungen sind immer wichtig und können unabhängig vom Grad der politischen Beteiligung erfolgreich sein. Es ist jedoch offensichtlich, dass es einfacher und direkter ist, wenn man seine eigenen Abgeordneten in den Gremien hat. Aus dieser Perspektive sind also beide Wahlen für uns wichtig, wobei es unabhängig vom Ergebnis wichtig ist, aktiv zu bleiben.

Das Gespräch führte Krzysztof Świerc

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