Beim 23. „Beati Cantores“ nahmen Chöre und Ehrengäste Abschied von der Gründerin des Chortreffens Doris Stempowska. Zugleich steht fest: Die lange Tradition der Begegnung soll auch in Zukunft fortgeführt werden.
Zum 23. Mal haben sich am 17. Oktober im Kurtheater von Bad Salzbrunn (Szczawno-Zdrój) Chöre zum traditionellen Treffen „Beati Cantores“ versammelt – erstmals ohne ihre Gründerin Doris Stempowska. Die langjährige Vorsitzende der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft (DSKG) Waldenburg (Wałbrzych) war am 1. Oktober im Alter von 91 Jahren verstorben. Bis zuletzt war die 1935 in Fürstenstein geborene DSKG-Pionierin aktiv gewesen.

Das 23. Chortreffen „Beati Cantores“ am 17. Oktober 2026 in Bad Salzbrunn fand erstmals ohne die am 1. Oktober verstorbene Gründerin Doris Stempowska statt.
Foto: Waldemar Świerczek
Gedenken an Doris Stempowska
Das diesjährige Treffen stand ganz im Zeichen des Abschieds und des Dankes. Zwei Porträts von Doris Stempowska auf der Bühne erinnerten an die Verstorbene. „Damit wir das Gefühl haben, dass unsere Gründerin unter uns ist“, sagte ihr Sohn Leopold Stempowski, der die Veranstaltung eröffnete. Nach einer Schweigeminute setzte Karolina Świerczek an der Geige mit Zbigniew Wodeckis Stück „Lubię wracać tam, gdzie byłem“ („Ich kehre gern dorthin zurück, wo ich war“) einen bewegenden musikalischen Auftakt.
Waldemar Świerczek, Vorstandsmitglied des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) und Vorsitzender der deutschen Minderheit im Kreis Ratibor (Racibórz), betonte die besondere Atmosphäre: „Sie war im Geiste ganz bestimmt bei uns. Es war anders als sonst, aber ein tiefes, schönes Erlebnis. Frau Doris hat ihren festen Platz in unseren Herzen und Erinnerungen.“

23. spotkanie chóralne „Beati Cantores” 17 października 2026 r. w Szczawnie-Zdroju odbyło się po raz pierwszy bez zmarłej 1 października założycielki Doris Stempowskiej.
Foto: Waldemar Świerczek
Schlesische Lyrik und Völkerverständigung
Zu den Besonderheiten des Programms gehörten Werke schlesischer Dichter, für deren Pflege sich Doris Stempowska stets eingesetzt hatte. Der Chor der gastgebenden DSKG Waldenburg, „Freundschaft“, präsentierte unter anderem das Gedicht „Morgenstrahl“ von Gerhart Hauptmann in einer eigenen Vertonung seiner Dirigentin. Zudem sang der Chor „Meine Berge“ nach Zeilen von Carl Hauptmann – jenes Stück, das die Sängerinnen und Sänger bereits wenige Tage zuvor an Stempowskas Grab vorgetragen hatten. Eröffnet hatte „Freundschaft“ den Reigen mit Georg Friedrich Händels „Friedenschor“.
Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft
Neben dem Publikum würdigten zahlreiche Ehrengäste das Erbe Stempowskas und den interkulturellen Dialog. Anwesend waren unter anderem Anna Elżbieciak-Stec (Erste Stellvertreterin des Stadtpräsidenten von Waldenburg), Mariola Abkowicz (Bevollmächtigte des Woiwoden für nationale und ethnische Minderheiten), Sabina Chrapek (Vorsitzende der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Juden in Waldenburg) sowie Krystyna Kadlewicz (Vorsitzende der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau) und Horst Ulbrich (Vorsitzender des DFK Glatz).
„Frau Doris hat ihren festen Platz in unseren Herzen und Erinnerungen.“ – Waldemar Świerczek, Vorstandsmitglied des VdG und Vorsitzender der deutschen Minderheit im Kreis Ratibor
Insgesamt gestalteten sieben Chöre und Musikgruppen das Programm: Neben den Waldenburger Formationen „Freundschaft“ und dem Kirchenchor „Magnifikat“ traten „Heimatklang“ aus Klodnitz (Kłodnica), „Dreilinden“ aus Oberschlesien, die „Heimatsänger“ aus Breslau (mit Kinder- und Jugendgruppe), die „Glatzer Sänger“ sowie der Chor der Musikschule aus Waldenburgs deutscher Partnerstadt Freiberg auf.
Den feierlichen Abschluss des Programms bildete die gemeinsam gesungene Europahymne „Ode an die Freude“, begleitet von Karolina Świerczek an der Geige.
Auch nächstes Jahr im Kurtheater
Die Idee zu den Chortreffen geht auf das Jahr 2002 zurück, als der Waldenburger Chor nach Krappitz (Krapkowice) eingeladen wurde. Inspiriert durch das Treffen in Krappitz entwickelte Doris Stempowska das Konzept für Niederschlesien; 2003 fand das erste „Beati Cantores“ statt. Auch wenn die Treffen zwischendurch auf Schloss Fürstenstein oder in Kirchen abgehalten wurden, kehrte man auf ausdrücklichen Wunsch der Chöre immer wieder in den historischen Saal des Kurtheaters (Teatr Zdrojowy) zurück, wie Leopold Stempowski erklärt.

Die DSKG Waldenburg hat das Kurtheater bereits für das nächste Chortreffen gebucht: Die 24. Ausgabe von „Beati Cantores“ findet am 16. Oktober 2027 statt.
Foto: Leopold Stempowski
Die Tradition soll fortgeführt werden: Die DSKG Waldenburg hat das Kurtheater bereits für die nächste Ausgabe gebucht. „Wir wollen diese Treffen weiterführen, damit unsere Gesellschaft lebendig bleibt“, erklärt DSKG-Sekretärin Ewa Chomicz. Der Termin steht bereits fest: Am 16. Oktober 2027 wird „Beati Cantores“ in die 24. Runde gehen.