Deutschland und der Nobelpreis

Unsere Nobelpreisträger

18 Oktober 2026, 17:00 Geschichte

Oktober ist der Monat der Nobelpreise. Alle paar Tage geben schwedische und norwegische Institutionen die Preisträger bekannt. Seit der ersten Verleihung des Nobelpreises im Jahr 1901 gehört Deutschland zu den Ländern, aus denen zahlreiche Preisträger stammen. Darunter befinden sich auch Persönlichkeiten, die mit dem ehemaligen Ostpreußen verbunden sind.

Der Nobelpreis wurde erstmals im Jahr 1901 verliehen. Bereits bei der ersten Preisverleihung gab es zwei deutsche Nobelpreisträger. Einer von ihnen war Emil von Behring, der in Westpreußen geboren wurde, der andere Wilhelm Conrad Röntgen. Behring erhielt den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, während Röntgen mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde.

Seitdem haben deutsche Wissenschaftler, Schriftsteller und Politiker diese prestigeträchtige Auszeichnung viele Male erhalten. Ihre Leistungen spielten eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der modernen Physik, Chemie und Medizin.

Physik und Chemie – eine deutsche Spezialität

Unter den deutschen Nobelpreisträgern stellen die Naturwissenschaftler eine große Gruppe.

Zu den Physikern gehören Namen wie Wilhelm Conrad Röntgen, Max Planck, Albert Einstein, Werner Heisenberg, Max Born, Otto Stern, Max von Laue, Wolfgang Paul, Ernst Ruska und Klaus von Klitzing.

Von Physik und Chemie bis hin zu Literatur und Medizin – deutsche Nobelpreisträger haben die Wissenschaft und Kultur weltweit nachhaltig geprägt.

Gerade deutsche Wissenschaftler gehörten zu den Wegbereitern der Quantenphysik. Max Planck führte das Konzept des Energiequants ein, Albert Einstein erklärte den photoelektrischen Effekt und Werner Heisenberg entwickelte einen der grundlegenden Formalismen der Quantenmechanik.

Auch die deutsche Chemie spielte eine bedeutende Rolle. Zu den Nobelpreisträgern gehörten unter anderem Emil Fischer, Adolf von Baeyer, Wilhelm Ostwald, Otto Wallach, Walther Nernst, Fritz Haber, Friedrich Bergius, Otto Hahn, Otto Diels, Karl Ziegler, Manfred Eigen, Gerhard Ertl und Benjamin List.

Medizin – von Behring bis zur Gegenwart

Der erste Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin war der deutsche Arzt Emil von Behring, der die Auszeichnung 1901 für seine Arbeiten zur Serumtherapie erhielt, insbesondere für deren Anwendung bei der Behandlung von Diphtherie. Seine Entdeckungen waren von großer Bedeutung für die Entwicklung der modernen Medizin.

Der Nobelpreis wurde erstmals im Jahr 1901 verliehen. Bereits bei der ersten Verleihung gab es zwei deutsche Preisträger. Einer von ihnen war Emil von Behring, der in Westpreußen geboren wurde.
Foto: Wikipedia

In den folgenden Jahren kamen weitere deutsche Nobelpreisträger aus dem Bereich der Medizin hinzu. Zu ihnen gehörten unter anderem Robert Koch, Paul Ehrlich, Otto Meyerhof, Otto Warburg, Hans Spemann, Gerhard Domagk, Hans Krebs, Max Delbrück, Christiane Nüsslein-Volhard und Harald zur Hausen.

Literatur, Frieden und Wirtschaft

Deutsche Nobelpreisträger gab es auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Den Nobelpreis für Literatur erhielten unter anderem Theodor Mommsen, Rudolf Eucken, Paul Heyse, Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Hermann Hesse, Nelly Sachs, Heinrich Böll und Günter Grass.

Zu den Trägern des Friedensnobelpreises, die mit Deutschland verbunden waren, gehörten Gustav Stresemann, Ludwig Quidde, Carl von Ossietzky, Albert Schweitzer, Willy Brandt und Henry Kissinger. Die Lebenswege einiger dieser Preisträger waren eng mit mehreren Ländern verbunden. Schweitzer, der im Elsass geboren wurde, lebte in Lambaréné im damaligen Französisch-Äquatorialafrika, als ihm der Friedensnobelpreis für das Jahr 1952 zuerkannt wurde. Kissinger wurde in Deutschland geboren, war jedoch US-amerikanischer Staatsbürger.

Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften wurde unter anderem Reinhard Selten mit dem von der Schwedischen Reichsbank gestifteten Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. 1994 erhielt er den Preis für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Spieltheorie.

Schlesien – eine bedeutende Region der deutschen Wissenschaft

Schlesien nimmt auf der Landkarte der Nobelpreisträger einen besonderen Platz ein. Aus dieser Region stammten zahlreiche herausragende Wissenschaftler und Kulturschaffende.

Zu den Nobelpreisträgern, die in Schlesien geboren wurden, gehören unter anderem Paul Ehrlich, der 1908 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt, Gerhart Hauptmann, der 1912 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, Fritz Haber, der 1918 den Nobelpreis für Chemie erhielt, sowie Friedrich Bergius, Otto Stern, Kurt Alder, Max Born, Maria Goeppert-Mayer, Konrad Bloch, Hans Georg Dehmelt und Reinhard Selten.

Am Geburtshaus der Nobelpreisträgerin Maria Göpert-Meyer in Katowice ist eine Gedenktafel angebracht.
Foto: Wikipedia

Bei Zugrundelegung des historischen Geburtsortes lassen sich elf Nobelpreisträger nennen, die in Schlesien geboren wurden. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle von ihnen auch nach dem Kriterium der Staatsangehörigkeit als deutsche Nobelpreisträger gelten sollten – dies ist ein eigenständiges Kriterium.

Breslau war dabei ein besonders bedeutendes Zentrum. Dort wurden unter anderem Fritz Haber, Friedrich Bergius, Max Born und Reinhard Selten geboren.

Kurt Adler erhielt den Nobelpreis für seine Leistungen auf dem Gebiet der Chemie.
Foto: Wikipedia

Drei Nobelpreisträger aus Ostpreußen

Für uns ist die Geschichte Ostpreußens besonders interessant. Aus dieser Region stammten drei Nobelpreisträger, die in dieser Zusammenstellung berücksichtigt werden.

Otto Wallach – Königsberg

Otto Wallach wurde 1847 in Königsberg geboren. 1910 erhielt er den Nobelpreis für Chemie für seine bahnbrechenden Arbeiten über alicyclische Verbindungen.

Wilhelm Wien – Gaffken

Wilhelm Wien, ein Physiker, der 1864 in Gaffken bei Fischhausen geboren wurde, erhielt 1911 den Nobelpreis für Physik für seine Forschungen zu den Strahlungsgesetzen.

Fritz Albert Lipmann – Königsberg

Fritz Albert Lipmann wurde 1899 in Königsberg geboren. 1953 erhielt er den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung des Coenzyms A und seiner Bedeutung für den Stoffwechsel.

Emil von Behring wurde zwar ebenfalls auf dem Gebiet des heutigen Polen geboren, sollte jedoch nicht zu dieser Gruppe gezählt werden. Sein Geburtsort Hansdorf gehörte zu Westpreußen.

Und Pommern?

Im Falle Pommerns ist besondere Vorsicht geboten. Der historische Begriff Pommern deckte sich nicht mit den Grenzen der preußischen Provinz Pommern. Daher müssen Westpommern, Pommerellen und die ehemalige preußische Provinz Pommern voneinander unterschieden werden.

Ein Sonderfall ist Günter Grass, der 1999 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde und in Danzig geboren wurde, das damals die Freie Stadt Danzig bildete. Allerdings dürfen nicht automatisch alle Nobelpreisträger, die im Ostseeraum geboren wurden, zu den aus dem deutschen Pommern stammenden Preisträgern gezählt werden.

Bei einer strengen Anwendung des Kriteriums der ehemaligen preußischen Provinz Pommern kann die Zahl der aus diesem Gebiet stammenden Nobelpreisträger daher von den Zahlen in Zusammenstellungen abweichen, die weiter gefasste historische und kulturelle Bezüge zur Region berücksichtigen.

Welches Land hat die meisten Nobelpreisträger?

Ein Vergleich der Zahl der Nobelpreisträger nach Ländern setzt voraus, dass man ein eindeutiges Kriterium festlegt. Man kann das Geburtsland, die Staatsangehörigkeit zum Zeitpunkt der Preisverleihung oder die Verbindung eines Preisträgers zu einem bestimmten Land berücksichtigen. Je nach angewandter Methodik können die Statistiken unterschiedlich ausfallen.

So wurde beispielsweise Günter Grass in der Freien Stadt Danzig geboren, während Ferenc Krausz, der 2023 den Nobelpreis für Physik erhielt, in Ungarn geboren wurde. Stefan Hell wurde in Rumänien geboren, ebenso wie Herta Müller, die 2009 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Diese Personen werden in einigen Verzeichnissen deutscher Nobelpreisträger aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit, ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit oder ihrer Verbindung zu Deutschland berücksichtigt.

Die deutsche Bilanz

Die Zahl der deutschen Nobelpreisträger hängt davon ab, nach welchen Kriterien die Preisträger Deutschland zugeordnet werden. Eine verlässliche Gesamtzahl setzt daher voraus, dass diese Kriterien eindeutig festgelegt und die Angaben anhand einer geeigneten Quelle überprüft werden.


Die deutsche Bilanz

Bis zum Jahr 2025 stellt sich die historische Liste der deutschen Nobelpreisträger nach der ursprünglichen Zusammenstellung wie folgt dar:

Kategorie

Anzahl der deutschen Nobelpreisträger

Physik

34

Chemie

32

Physiologie oder Medizin

24

Literatur

9

Friedensnobelpreis

6

Wirtschaftswissenschaften

1

Gesamt

106

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