Deutsche Blasmusik, Trachten und große Kränze aus Buchsbaum: Wer am Freitag, dem 25. September, am Deutschen Konsulat in Oppeln vorbeikam, konnte glauben, in Bayern gelandet zu sein. Die Schäfflergilde aus der Partnerstadt Ingolstadt hatte reichlich Musik und Tanz im Gepäck. Anlass war das Bierfest in Oppeln.
Als sich die Schäfflergilde des MTV 1881 Ingolstadt dem Konsulat näherte, war sie schon von Weitem zu hören. In einer Parade zogen die Tänzer und Musikanten durch die Straße und in den Garten des Konsulats ein. Dort angekommen, sagte einer der Schäffler einen Reim zur Tradition des Tanzes auf: „Im Jahr 1517, mit dem Ausklang der Pest, die mutigen Schäffler damals, feierten ein Fest. Mit Musikanten und Kaschperl, mit Tanzen und Singen schafften es die Schäffler, die Menschen wieder aus ihren Häusern zu bringen.“
Die Legende führt den Tanz auf die Pest in München im Jahr 1517 zurück: Die Schäffler, also die Fassmacher, sollen nach der Seuche die Ersten gewesen sein, die wieder auf der Straße tanzten und den Menschen so Mut machten. Im Sieben-Jahres-Turnus wird der Tanz seit 1760 aufgeführt; die Ingolstädter Gilde pflegt den Brauch seit 125 Jahren. Ihre jüngste Tanzkampagne endete am Faschingsdienstag im Februar 2026. Der Auftritt in Oppeln fand außerhalb dieser Kampagne statt.

Die Schäfflergilde Ingolstadt beim Einzug in das Deutsche Konsulat in Oppeln.
Foto: Mika Ballhausen
Kondition und Taktgefühl braucht man
Anschließend startete die Vorführung: Die Tänzer liefen in verschiedenen Formationen durch den Garten und tanzten dabei von einem Bein aufs andere. Gleichzeitig schwenkten sie ihre Kränze über den Köpfen. Der Tanz folgt einer strikten Choreografie mit genau festgelegtem Ablauf der einzelnen Figuren. Begleitet wurde er von traditioneller Musik des mitgereisten Blasorchesters.

Beim Tanz sind auch die jüngsten Mitglieder der Schäffler dabei.
Foto: Mika Ballhausen
Thomas Deiser, stellvertretender Vorsitzender der Schäfflergilde Ingolstadt, erklärte, was den Tanz ausmache: „Den Tanz macht besonders, dass er seit dem 16. Jahrhundert eine Tradition in Altbayern ist und dass er nur alle sieben Jahre aufgeführt wird.“
„Man braucht natürlich schon ein gewisses Taktgefühl und einiges an Kondition“ – Thomas Deiser
Auch körperlich sei er fordernd. „Man braucht natürlich schon ein gewisses Taktgefühl und einiges an Kondition“, sagte Deiser. Ein Auftritt dauere 20 Minuten am Stück, das sei nicht zu unterschätzen.

Nach dem Einzug in den Konsulatsgarten stellen sich die Tänzer auf.
Foto: Mika Ballhausen
Traditionell wird der Tanz zur Faschingszeit aufgeführt. Die Gilde tanzt im Turnus von sieben Jahren in einer Kampagne, wie Deiser erläuterte: „Alle sieben Jahre haben wir ein Kampagnenjahr, ein Jahr vorher beginnen die Vorbereitungen, das Training beginnt etwa drei Monate vorher.“ Geübt wurde auch unterwegs: „Gestern haben wir auf der Fahrt nach Oppeln als Probe an der Raststätte getanzt, da haben die Leute natürlich ganz schön geguckt“, erzählte Deiser und lachte kurz.

Das sogenannte „Reifenschwingen“ gehört traditionell zur Choreografie des Schäfflertanzes.
Foto: Mika Ballhausen
Zu den Kränzen sagte er: „Wir haben zwei Garnituren. Heute haben wir die Sommergarnitur genutzt, sie ist künstlich hergestellt und seit ca. 25 Jahren in unserem Besitz. Normalerweise treten wir im Winter auf, da werden die Kränze mit echtem Buchs gebunden und müssen einmal während der Kampagne nachgebunden werden, weil wir ja teilweise bis zu zehn Mal am Tag auftreten.“
Nach dem Auftritt waren alle Anwesenden zum Mittagsbuffet im Konsulatsgarten in der ul. Strzelców Bytomskich 11 eingeladen.

Nach der Vorführung waren alle Gäste zum Mittagessen im Konsulat eingeladen.
Foto: Mika Ballhausen
Oppeln und Ingolstadt wollen Partnerschaft stärken
Konsulin Marlen Sulzer sagte im Gespräch, man wolle Veranstaltungen wie diese noch häufiger nach Oppeln holen und so die Beziehungen zwischen den beiden Partnerstädten festigen. Kultureller Austausch sei, so die Konsulin, ein wichtiger Baustein in der Partnerschaft. Zum Anlass dieses Besuchs sagte sie: „Die Stadt Oppeln war Initiator, sie hat von langer Hand das Bierfest hier in Oppeln geplant und wir hatten lange Zeit schon vor, unsere Partnerstadt Ingolstadt hierher einzuladen. Da bot sich für uns an, beides zu kombinieren.“ Und weiter: „Unsere Partnerschaft ist bereits stark, aber wir wollen noch mehr Musik aus Ingolstadt hier nach Oppeln holen.“
Die Veranstaltung wurde unter anderem vom Verband Schlesischer Bauern veranstaltet und von der Fundacja Współpracy Polsko-Niemieckiej finanziell unterstützt.