Liegnitz war eine der Stationen einer Delegation der Kirchlichen Stiftung Evangelisches Schlesien aus Görlitz. Die deutsche Stiftung, deren Ziel es ist, die Tradition des evangelischen Schlesiens zu bewahren, zu vermitteln und weiterzuführen, besuchte die Stadt und traf sich unter anderem mit Vertretern der örtlichen deutschen Minderheit sowie mit dem Liegnitzer Stadtpräsidenten Maciej Kupaj. Der Besuch bot zudem Gelegenheit, über die Geschichte der Stadt und die grenzüberschreitende kulturelle Zusammenarbeit zu sprechen.
Die Kirchliche Stiftung Evangelisches Schlesien ist eine kirchliche Stiftung privaten Rechts mit Sitz in Görlitz. Sie wurde 2005 von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der Gemeinschaft evangelischer Schlesier und dem Verein für Schlesische Kirchengeschichte gegründet. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem das Sammeln und Zugänglichmachen von Zeugnissen der evangelischen Geschichte Schlesiens, die Organisation von Tagungen, Ausstellungen und Studienreisen, die Unterstützung kirchengeschichtlicher Forschung sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit kirchlichen und nichtkirchlichen Institutionen.
Liegnitz – ein wichtiger Ort auf der Landkarte des evangelischen Schlesiens
In Liegnitz arbeitet die Stiftung mit der Evangelisch-Augsburgischen Kirchengemeinde an der Marienkirche und dem Kulturzentrum Liegnitz (Legnickie Centrum Kultury) zusammen. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind die „Mariackie Spotkania Kulturalne“, in deren Rahmen am 25. September ein Orgelrecital von Marek Fronc stattfand. Der Liegnitzer Künstler, Pädagoge und Dozent an der Musikakademie Breslau trat in der historischen Marienkirche auf. Veranstalter des Konzerts waren die Kirchengemeinde, das Kulturzentrum Liegnitz und die Kirchliche Stiftung Evangelisches Schlesien.
„Die Gäste aus Deutschland interessierten sich sehr für die Geschichte Liegnitz’, sowohl für die Vorkriegsgeschichte als auch für die Zeit, als die Stadt ‚Klein-Moskau‘ genannt wurde. Aber sie interessierten sich auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und stellten dem Stadtpräsidenten viele Fragen.“
Damian Stefaniak
Für die deutsche Stiftung ist Liegnitz jedoch nicht nur ein Ort kultureller Veranstaltungen. Während ihres Besuchs interessierten sich die Gäste aus Deutschland für die Geschichte der Stadt in verschiedenen Epochen – sowohl für ihre deutsche Vergangenheit als auch für ihre Nachkriegsgeschichte. Besonderes Interesse galt der Zeit, als Liegnitz ein wichtiger Standort sowjetischer Truppen war und den Beinamen „Klein-Moskau“ erhielt.
Die Delegation besuchte auch weitere Orte, die mit dem evangelischen Erbe Schlesiens verbunden sind – die Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer und Kirchen in Breslau. Der Besuch hatte somit nicht nur einen repräsentativen, sondern auch einen Studien- und Geschichtscharakter.
Gespräch über Erbe und Zusammenarbeit
Die Gäste trafen sich auch mit Damian Stefaniak, dem Vorsitzenden der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Liegnitz. Stefaniak engagiert sich seit Jahren für die deutsche Minderheit in der Stadt. Zudem ist er Mitglied des Vorstands des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen.
An dem Gespräch nahm auch der Liegnitzer Stadtpräsident Maciej Kupaj teil. Im Mittelpunkt standen die Geschichte Liegnitz’, die deutschen Wurzeln der Stadt sowie die Frage, wie dieses Erbe im heutigen Leben der Stadt genutzt und vermittelt werden kann.

Das Treffen bot zudem Gelegenheit, über die Rolle der deutschen Minderheit bei der Pflege des lokalen Erbes zu sprechen.
Foto: FB/Stadt Liegnitz
„Die Gäste aus Deutschland interessierten sich sehr für die Geschichte Liegnitz’, sowohl für die Vorkriegsgeschichte als auch für die Zeit, als die Stadt ‚Klein-Moskau‘ genannt wurde. Aber sie interessierten sich auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und stellten dem Stadtpräsidenten viele Fragen“, berichtete Damian Stefaniak.
Das Treffen bot zudem Gelegenheit, über die Rolle der deutschen Minderheit bei der Pflege des lokalen Erbes zu sprechen. Die Liegnitzer Organisation arbeitet seit Jahren mit städtischen Einrichtungen und anderen Akteuren zusammen, die sich für die Bewahrung der multikulturellen Geschichte der Stadt einsetzen. 2025 sagte Stefaniak im Gespräch mit dem „Neues Wochenblatt.pl“, dass das deutsche Erbe Teil der Geschichte Liegnitz’ sei und in zeitgenössischen Kulturprojekten genutzt werden könne. Er betonte zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den in der Stadt aktiven Organisationen nationaler Minderheiten.
Die Tätigkeit der Kirchlichen Stiftung Evangelisches Schlesien zeigt, dass die evangelische Geschichte Schlesiens heute Gegenstand der Zusammenarbeit von Institutionen auf beiden Seiten der Grenze ist. Die Stiftung betont, dass es dabei nicht nur um die Bewahrung von Dokumenten und materiellen Spuren der Vergangenheit geht, sondern auch darum, die geistige und kulturelle Tradition der Region an kommende Generationen weiterzugeben.
Der Besuch in Liegnitz und die Beteiligung der Stiftung an der Organisation von Kulturveranstaltungen wie den „Mariackie Spotkania Kulturalne“ sind somit ein Beispiel für die praktische Dimension dieser Zusammenarbeit. Die Geschichte des historischen Schlesiens wird zum Ausgangspunkt für heutige deutsch-polnische Kontakte – durch Musik, Kultur, Begegnungen und das gemeinsame Interesse an der Vergangenheit der Region.