In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.
Deutsche in Usbekistan planen für das kommende Jahr:
Obwohl die deutsche Minderheit in Usbekistan nur wenigen bekannt ist, betreibt sie doch intensive Kulturarbeit. Mitglieder der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Auslandkonnten sich unlängst ein Bild davon machen. Bei einer zweitägigen Konferenz in Usbekistan trafen sich Mitte September Vertreter aus Berlin und der lokalen Gemeinschaft, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Mit dabei waren neben der Stiftung auch Abgesandte des Bundesinnenministeriums und des Bundesverwaltungsamtes. Ziel des Treffens war es, die bisherigen Erfolge des laufenden Jahres genau unter die Lupe zu nehmen. Am zweiten Tag der Versammlung drehte sich alles um die Pläne für das kommende Jahr 2027. Die Teilnehmer besprachen verschiedene neue Ideen und stimmten die Schwerpunkte für die zukünftige Zusammenarbeit ab. Besonders wichtig ist den Verantwortlichen dabei, die eigene Kultur lebendig zu halten, junge Menschen aktiv einzubinden und die deutsche Sprache in der Region zu fördern. Zudem sollen die bestehenden Netzwerke und Organisationen der Minderheit vor Ort weiter gestärkt werden, um die anstehenden Projekte erfolgreich umzusetzen.
Quelle: stiftung-verbundenheit.de
Erinnerung an die Tragödie der Russlanddeutschen:
Auch in Deutschland erinnert man an die Tragödie deutscher Minderheiten im Ausland. In Berlin wurde zum 85. Jahrestag der Zwangsumsiedlung der Russlanddeutschen 1941 eine Konferenz abgehalten. Die Gedenkveranstaltung erinnerte an den sowjetischen Erlass vom 28. August 1941, der die Auflösung der Wolgarepublik und die Vertreibung von rund 900.000 Deutschen innerhalb der Sowjetunion auslöste. Ungefähr 200.000 Menschen starben damals durch die Verschleppung und die harte Zwangsarbeit. Neben dem Blick zurück ging es auf dem Treffen vor allem um die Zukunft: Die Teilnehmer diskutierten, wie dieses schwere Schicksal fest in den Köpfen der gesamten Gesellschaft verankert und langfristig unvergessen bleiben kann. Mehrere Kultur- und Geschichtsinstitute organisierten den Abend gemeinsam im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Neben offiziellen Grußworten, unter anderem vom Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung, hielt die Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakowa die Hauptrede. Eine Diskussionsrunde mit Fachleuten und Filmschaffenden rundete den Tag ab.
Quelle: berlin.de

Die Veranstaltung fand im Berliner Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung statt.
Foto: Jörg Zägel / Wikimedia Commons
Neuer Aktivist setzt auf Jugendarbeit:
In Tschechien hat die deutsche Minderheit einen neuen Geschäftsführer. Schon von Anfang an machte er klar, dass Jugendarbeit für ihn Priorität hat. Ilyas Zivana leitet seit dem 1. August die Landesversammlung der deutschen Vereine und folgt damit auf Martin Herbert Dzingel. Zivana war zuvor fast vier Jahre als Kulturmanager im selben Verband tätig. Durch diese Erfahrung kennt er die Strukturen der Minderheit genau und möchte sein gesammeltes Wissen im Projektmanagement nun nutzen, um neue Impulse zu setzen. Sein Hauptziel ist es, mehr junge Menschen zu erreichen und die Kooperation mit anderen Verbänden auszubauen. Während es für Kinder bereits etablierte Angebote wie Sommercamps gibt, möchte der neue Chef gezielt die 18- bis 30-Jährigen ansprechen. Geplant sind unter anderem Sportprojekte sowie ein Treffen im Herbst. Unterstützung erhält er dabei von einem verstärkten Büroteam. Zudem plant Zivana, die Zusammenarbeit mit deutschen Minderheiten in Nachbarländern wie Polen und der Slowakei zu vertiefen und vermehrt europäische Fördergelder zu akquirieren. Auch die Umsetzung der europäischen Sprachencharta bleibt ein wichtiges Thema seiner Amtszeit.
Quelle: landesecho.cz
Auch im Ruhestand an der Minderheit interessiert:
Das Schaffen der deutschen Minderheit in Dänemark nach der Zeit von Hinrich Jürgensen ist eine neue Ära. Doch wie er selber letztens zugab, bleibt die Volksgruppe in seinem Leben immer noch präsent. Der ehemalige Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) blickt zufrieden auf seine ersten 100 Tage im Ruhestand zurück. Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze übergab der 66-Jährige das Amt im Juni planmäßig an seinen Nachfolger Stephan Kleinschmidt. Obwohl er sich erst an die ungewohnte Freiheit gewöhnen musste, empfindet er es heute als befreiend, nicht mehr in der Öffentlichkeit stehen zu müssen. Trotz der neugewonnenen Freizeit wird es dem Pensionär nicht langweilig. Er gibt weiterhin Führungen auf dem Knivsberg und hält Vorträge. Privat widmet er sich nun vermehrt seiner Familie sowie neuen Aufgaben in der Natur: So erwarb er einen Drohnenführerschein, um Rehkitze vor landwirtschaftlichen Maschinen zu retten und geht auf die Jagd nach Marderhunden. Ein baldiges Comeback in einem neuen Ehrenamt schließt er nicht völlig aus – allerdings erst nach einer einjährigen Auszeit und definitiv nicht mehr in der obersten Führungsriege der Minderheit.
Quelle: nordschleswiger.dk

Hinrich Jürgensen (links)
Foto: stiftung-verbundenheit.de / Wikimedia Commons
Jugendfest im Erinnerungsbuch:
Das traditionelle Jugendfest der Karpatendeutschen Jugend ist ein wichtiges Ereignis für junge Menschen aus der deutschen Minderheit in der Slowakei. In diesem Jahr wurde beschlossen, die schönsten Momente des Festes auch in einer besonderen Publikation festzuhalten. Nach dem 13. Jugendfest, das vom 21. bis 23. August 2026 im Hotel Sorea Titris in Tatralomnitz/Tatranská Lomnica stattfand, ist ein neues Erinnerungsbuch entstanden. Das dreitägige Fest bot ein abwechslungsreiches Kulturprogramm mit Tanz, Musik und Auftritten zahlreicher Gruppen aus verschiedenen Ländern. Ein besonderer Höhepunkt war ein von der Redaktion des Karpatenblattes vorbereitetes Schreibseminar. Auf einer großen Wand aus Haftnotizen sammelten die Teilnehmenden, was beim Jugendfest sichtbar war – Trachten, Tänze und die Hohe Tatra – und was unsichtbar, aber dennoch spürbar ist: Freundschaft, Liebe und Gemeinschaft.
Anschließend lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils eine neue Person in einem Interview näher kennen und verfassten gemeinsam eine kurze Geschichte über ihre Begegnung. Zudem erhielten Jugendliche aus Rumänien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei Einwegkameras, mit denen sie ihre persönlichen Eindrücke vom Jugendfest festhielten. Das fertige Erinnerungsbuch lässt die schönsten Momente und die besondere Atmosphäre der gemeinsamen Tage bei der Feier der Karpatendeutschen Jugend noch einmal aufleben.
Quelle: karpatenblatt.sk