Glosa

Im Jenseits

4 Juli 2026, 17:00 Kolumne

Wie ich mir den Himmel vorstelle? Hat zwar keiner gefragt, aber ich antworte trotzdem: wie einen Garten. Aber bitte keinen Garten Eden. Kein geschniegelt-gepflegtes Paradies, in dem exotische Blumen das ganze Jahr über blühen und Pfaue majestätisch über den Rasen stolzieren.

Foto: A. Durecka

Ich will einen richtigen Garten. Ein Stück Land zum Ackern. Einen völlig verwilderten Saustall von einem Garten, in dem das Unkraut wächst, soweit das Auge reicht. Und darin möchte ich von morgens bis abends arbeiten. Beete umgraben. Kartoffeln setzen. Gegen Schnecken und Blattläuse kämpfen. Den Kampf mal gewinnen, mal verlieren. Mit dreckigen Händen Tomaten hochbinden. Zum hundertsten Mal nach der Gartenschere suchen – verdammt, eben lag sie doch noch hier! Zu früh säen. Zu spät ernten. Zu viel säen, zu viel ernten. Überlegen, wem man den Überschuss noch andrehen kann. Sich über jede einzelne Gurke freuen, als hätte man persönlich den Welthunger besiegt. Immer zu wenig Platz für Blumen haben. Und insgeheim Blumen doch viel mehr lieben als Gemüse. Ein Blumenstrauß macht schließlich mehr Freude als eine Schüssel Salat.

Sich jedes Jahr vornehmen, diesmal alles ordentlich zu planen. Geradlinige Beete wären ein guter Ansatz, vielleicht auch ein allgemeiner Plan, wo gesät wurde. Dann aber nichts davon machen und wie gewohnt völlig den Überblick verlieren. Wieder mal total davon überrascht sein, wo etwas aufgeht. Im Regen jäten. In der Morgensonne Kaffee trinken. Und abends völlig erschöpft auf irgendeiner wackligen Bank sitzen und denken: himmlisch! So kann ich die Ewigkeit ertragen.

Anna Durecka

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