Österreichischer Frühling
Anlässlich des 80. Geburtstags der Nobelpreisträgerin und Schriftstellerin Elfriede Jelinek veranstaltete die Österreich-Bibliothek in Kooperation mit dem Germanistik-Institut im Rahmen des diesjährigen Österreichischen Frühlings einen Vortrag über ihr Werk und ihre Person.
Vortrag zu Ehren von Elfriede Jelinek
Bei der Veranstaltung in den Räumlichkeiten des Studentischen Kulturzentrums der Universität Oppeln erhielt das junge Publikum einen interessanten kulturellen Einblick in das Leben der Österreicherin Elfriede Jelinek sowie in andere zeitgenössische österreichische Literatur.
Zu Beginn erzählte die Leiterin des Projekts, Dr. Małgorzata Jokiel vom Institut für Linguistik der Universität Oppeln, aus dem Leben von Elfriede Jelinek:
„Sie ist dafür bekannt, gegen Missstände zu protestieren. Das zeigt sich auch in ihren Werken. Vor allem kritisiert sie die unzureichende Aufarbeitung der österreichischen Geschichte und die Gesellschaft insgesamt – etwa Themen wie die NS-Vergangenheit, Gewalt gegen Frauen oder Konsumgesellschaft und Kapitalismus.“

Foto: Jonas Goddek
Neben dem Schreiben lernte Jelinek verschiedene Instrumente: „Sie ist ausgebildete Musikerin und lernte unter anderem Klavier, Gitarre, Geige und Flöte. Dieser Wunsch ging jedoch eher von ihrer Mutter aus, die Jelinek als ihr Wunderkind betrachtete. Ein Studium der Theaterwissenschaften begann sie zunächst, brach es aber ab und widmete sich ganz dem Schreiben“, berichtete Jokiel.
Analyse eines Textauszugs aus „Der Atem-Automat“
Im Rahmen eines Übersetzungsprojektes der Österreich-Bibliothek haben Germanistik-Studenten des vierten Semesters einen Auszug aus Jelineks Artikel „Der Atem-Automat“ analysiert. Die Idee, diesen Text zu verfassen, kam der Autorin durch die Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und Faschismus im Jahr 2024 in Wien.
„Der Einblick in die Literatur und das spannende Leben der außergewöhnlichen österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek hat gezeigt, wie prägend und wichtig ihre Werke bis heute sind.“
Die Studenten kamen zu dem Ergebnis, dass „Der Atem-Automat“ als lauter Weckruf und Warnung vor der dunklen Vergangenheit verstanden werden könne. Jelinek fungiert dabei als eine Art Puppe, die gezwungen ist, die Warnung vor der NS-Zeit endlos zu wiederholen. Die Studenten betonen:
„Diesen Text zu analysieren hat uns einiges abverlangt, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Jelinek setzt voraus, dass wir das dunkle Kapitel Europas kennen und die damit zusammenhängende Phrase ‚Nie wieder‘ zu verstehen.“
Herausfordernd sei zudem die Grammatik gewesen, bedingt durch verschiedene sprachliche Interpretationen, erklärte Jokiel:
„Das Wort Sprechpuppe kann einmal als Spielzeug für Kinder verstanden werden, aber auch im theatralischen Sinne als Marionette. Zudem wird im Polnischen das Geschlecht der erzählenden Person im Präteritum angegeben. Diese Faktoren beeinflussen jedoch weder das Textverständnis noch die Botschaft ‚Nie wieder‘.“

Foto: Jonas Goddek
Während der Veranstaltung präsentierte die Leiterin der Österreich-Bibliothek, Monika Wójcik-Bednarz, weitere Werke von Jelinek sowie zeitgenössische österreichische Autoren, darunter Mareike Fallwickl und Martin Pollack, der, wie sie berichtet, aufgrund seiner umfangreichen Sprachkenntnisse zu den meistgelesenen Autoren in Polen gehört.
Mit der Veranstaltung Welt.Autorin.Jelinek zeigte sich Wójcik-Bednarz sehr zufrieden:
„Der Einblick in die Literatur und das spannende Leben der außergewöhnlichen österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek hat gezeigt, wie prägend und wichtig ihre Werke bis heute sind. Sowohl diese Veranstaltung als auch die Autorenlesung mit Franzobel fanden großen Anklang beim Publikum.“