26. Österreichischer Frühling

28 März 2026, 05:00 Kultur 24

Franzobel liest aus seinem neuen Buch

Der österreichische Schriftsteller Franzobel, der im eigentlichen Leben Franz Stefan Griebl heißt, hat nun sein neues Werk „Hundert Wörter für Schnee“ vorgestellt. Bei dem gut besuchten Autorengespräch in den Räumlichkeiten der Oppelner Universität las der Autor im Wechsel einige Textpassagen aus seinem neuen Buch und beantwortete die Fragen von Professorin Dr. hab. Gabriela Jelitto-Piechulik.

Diese freute sich gleich zu Beginn der Lesung auf den renommierten Autor: „Es ist uns eine absolute Ehre, mit unserem Gast Franzobel einen der bedeutendsten Vertreter der literarischen Szene begrüßen zu dürfen und als Universität, insbesondere als Germanistik-Institut in Kooperation mit der Österreich-Bibliothek, das Programm des Kulturfestivals Österreichischer Frühling mitzugestalten.“

Nichts für Vegetarier

Franzobel, der wie einige seiner Zuhörer einst Germanistik studierte, erzählt in seinem Buch die abenteuerliche Geschichte der Eroberung des Nordpols um den amerikanischen Polarforscher Robert Edwin Peary. Eine der Hauptfiguren des Buches ist Minik, ein Inuit-Junge, der Anfang des 20. Jahrhunderts von Peary gegen seinen Willen aus Grönland in die USA gebracht wird. Nach einigen Jahren kehrt er in seine alte Heimat zurück, findet sich dort jedoch aufgrund seiner angeeigneten westlichen Lebensweise nicht mehr zurecht.

„Die Lebensphilosophie, die dort gelebt wird – nur das zu nehmen, was man wirklich braucht –, fand ich sehr schön und passt zum gegenteiligen Kapitalismus, der heute fast die ganze Welt beherrscht.“

Die Einwohner in Nordgrönland beschreibt der Schriftsteller als einige der letzten Selbstversorger auf der Welt: „Die Menschen dort leben in einer weitgehend schnee- und eisbedeckten Landschaft. Sie versorgen sich daher selbst und ernähren sich fast ausschließlich von Fleisch – von dem, was sie gerade an den Haken bekommen, also nichts für Vegetarier.“ Diese Gegend sei heutzutage allerdings durch den Klimawandel gefährdet, erklärt Franzobel.

(v.l.n.r.) Professorin Dr. hab. Gabriela Jelitto-Piechulik, der österreichische Schriftsteller Franz Stefan Griebl und Leiterin der Österreich Bibliothek Monika Wójcik-Bednarz. Foto: Jonas Goddek

Während des Vortrags hatten die Zuhörer immer wieder die Möglichkeit, Fragen zu stellen, etwa wie Franzobel überhaupt auf die Idee gekommen sei, ein Buch über das Thema Grönland zu schreiben. Ein Bild von dem Jungen Minik verleitete den Schriftsteller, darüber zu schreiben: „Er sah auf dem Foto sehr traurig aus, hockte am Straßenrand und trug westliche Kleidung. Das hat mich inspiriert, tiefer zu recherchieren und letztendlich zu der Geschichte geführt. Ich war selbst vor Ort in Grönland, und besonders die Lebensphilosophie, die dort gelebt wird – nur das zu nehmen, was man wirklich braucht –, fand ich sehr schön. Das steht im krassen Gegensatz zum Kapitalismus, der heute fast die ganze Welt beherrscht“, antwortete der Buchautor.

Verantwortung gegenüber ärmeren Kulturen

Für Franzobel ist das Buch auch ein gewisser Appell an die Leser, sich der Verantwortung gegenüber anderen Kulturen, vor allem ärmeren, bewusst zu sein: „Die Superreichen haben zurzeit die größte Macht auf dem Planeten. Sie haben so viel Geld, dass sie die Zahl nicht einmal selbst aussprechen können. Nun wollen diese auch noch Grönland für sich beanspruchen. Das ist falsch, und dort benötigt es eine Korrektur.“ Auch wenn ein Buch aufgrund seiner vergleichsweise geringen Reichweite vermutlich keine unmittelbare Wirkung habe, hofft Franzobel mit seinem Roman dennoch, den einen oder anderen Leser zum Nachdenken anzuregen: „Dadurch, dass die Menschen in Nordgrönland derzeit noch jenseits des Kapitalismus leben, geht es nicht darum, Konsumgüter zu besitzen, sondern darum, das eigene Überleben zu sichern. Die Menschen leben dort nach der Lebensphilosophie: Du darfst an der Natur teilhaben, diese aber nicht negativ beeinflussen. Durch den Klimawandel und den Kapitalismus gerät das jedoch aus dem Gleichgewicht.“

Der österreichische Schriftsteller Franz Stefan Griebl bei der Lesung in Oppeln. Foto: Jonas Goddek

Zum Abschluss erklärte Franzobel auf Nachfrage einer Zuschauerin, wie er zu seinem Künstlernamen gekommen sei. Der Autor entgegnete humorvoll, ganz zur Freude des Publikums, dass der Name Franzobel seinen Vorfahren geschuldet sei, die aus der Region Oppeln stammten, sowie seinem Vornamen Franz.

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