Zwölf Jahre des Wartens

Osterode in Ostpreußen: Rückkehr der Gedenktafeln

22 Oktober 2026, 05:00 Kultur

Zwölf Jahre mussten zwei Gedenktafeln auf ihre Wiederanbringung warten. Sie erinnern an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Einwohner von Buchwalde. Nun sollen sie wieder enthüllt werden – allerdings nicht in Buchwalde.

Buchwalde ist ein Dorf am Stadtrand von Osterode in Ostpreußen, das unmittelbar an die Stadt angrenzt. Im Juni 2014 wurden dort bei der Umgestaltung einer Straßenkreuzung zu einem Kreisverkehr Bruchstücke von Gedenktafeln entdeckt, die den im Ersten Weltkrieg gefallenen Einwohnern von Buchwalde gewidmet waren. Außerdem kamen ein Eisernes Kreuz und eine Adlerfigur zum Vorschein, die einst die Spitze des Obelisken geschmückt hatten.

Auf einer der Tafeln sind die Namen von 19 Einwohnern von Buchwalde verzeichnet, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren. Die zweite trägt eine deutsche Inschrift zum Gedenken an die Gefallenen: „Den gefallenen Helden des Weltenbrandes zum ehrenden Gedächtnis, den Lebenden zur ernsten Mahnung“.

„Die Sache mit den Gedenktafeln ließ mir jedoch keine Ruhe. Ich überlegte ständig, wo man sie anbringen könnte, ohne sie dem Risiko von Vandalismus und Protesten auszusetzen.“– Henryk Hoch

Das Denkmal bestand bis 1946. Die neuen Bewohner von Buchwalde bauten den Obelisken zu einer Marienkapelle um und schlugen sämtliche Elemente ab, die sie als deutsch betrachteten.

„Wahrscheinlich haben sie damals die Tafeln und den Adler in der Nähe der Kapelle vergraben. Mit der Zeit geriet alles in Vergessenheit“, sagt Henryk Hoch, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft „Tannen“ in Osterode.

Von der Garage in die methodistische Kirche

Ursprünglich hatte die Gemeinde Osterode geplant, das historische Denkmal auf dem Gelände des Soldatenfriedhofs am Sajmino-See teilweise wiederherzustellen. Anlass sollte der 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs sein. Auf dem Friedhof sind die Gräber deutscher und russischer Soldaten sowie ein Gedenkstein für gefallene Seminaristen erhalten geblieben. Doch die Gemeinde nahm rasch Abstand von ihrem Vorhaben, nachdem einige Einwohner von Buchwalde dagegen protestiert hatten. Sie betrachteten das Denkmal als eine Verherrlichung des deutschen Nationalsozialismus.

Die Gedenktafeln gelangten daraufhin in die Garage von Grzegorz Szymański aus Buchwalde, der – anders als die protestierenden Mitbürger – mit der Geschichte vertraut ist. Unterdessen wandte sich der Vorsitzende der „Tannen“ an die Gemeinschaft ehemaliger Bewohner des Kreises Osterode in Ostpreußen in Deutschland. Diese sammelte Geld und finanzierte die Restaurierung der Tafeln. Die Jahre vergingen, doch es tat sich nichts.

Der Obelisk in Buchwalde mit den Gedenktafeln auf einer Vorkriegspostkarte.
Foto: Gemeinde Osterode

„Die Sache mit den Gedenktafeln ließ mir jedoch keine Ruhe. Ich überlegte ständig, wo man sie anbringen könnte, ohne sie dem Risiko von Vandalismus und Protesten auszusetzen. Schließlich kam mir eine Idee: die methodistische Kirche in Osterode in Ostpreußen. Dort gibt es bereits eine Gedenktafel für die Einwohner von Osterode in Ostpreußen, die während der napoleonischen Feldzüge gefallen sind, sowie eine weitere für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges. Pastor Waldemar Eggert, Superintendent des Bezirks Masuren der Evangelisch-methodistischen Kirche, hatte nichts dagegen und stimmte dem Vorschlag gern zu. Die Tafeln hängen bereits und warten auf ihre offizielle Enthüllung“, berichtet Henryk Hoch.

Wann wird es so weit sein? Am 25. Oktober um 10.30 Uhr. Die Enthüllung ist Teil der Feierlichkeiten zum 35-jährigen Bestehen der Deutschen Gesellschaft „Tannen“ in Osterode.

Spuren deutscher Geschichte in der Region

In der Zwischenkriegszeit entstanden in nahezu jedem größeren Ort Ostpreußens Denkmäler für die Einwohner, die an den Fronten des Ersten Weltkriegs gefallen waren. Meist handelte es sich um kleine Monumente oder Gedenksteine mit steinernen Tafeln. Gedenktafeln wurden auch in Kirchen angebracht. Nach 1945 zerstörten die Polen die meisten dieser Erinnerungsstätten. Einige wurden zu Denkmälern für Kämpfer um die Festigung der Volksmacht umgestaltet.

Im Kreis Osterode sind historische Gedenktafeln mit den Namen gefallener Gemeindemitglieder unter anderem in den evangelischen Kirchen in Osterode und Kraplau, in der Kirche von Marienfelde sowie in der Kapelle in Lindendorf erhalten geblieben.

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