Deutsche Minderheiten in Europa

Neue Gesichter, neue Ideen und viele Projekte

5 Oktober 2026, 05:00 Kultur , Politik

In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.

Neue Vorstände bei den Deutschen in Tschechien

Nicht nur auf Landesebene gibt es Veränderungen an der Spitze der Deutschen in Tschechien. Nun haben auch die deutschen Vereine im schlesischen Landesteil neue Vorstände gewählt. Es handelt sich um die deutschen Vereine in Jägerndorf und Troppau. Diese haben neue Vorstände gewählt, die sich vor allem dafür einsetzen wollen, jüngere Menschen für die Vereinsarbeit zu gewinnen. In Jägerndorf übernimmt die Germanistin und Dozentin Jana Nálepová die Leitung. Sie plant neben Sprachkursen und historischen Seminaren auch die Errichtung einer Gedenktafel für den Vermittler zwischen Deutschen und Tschechen Kurt Schmidt sowie Schülerwettbewerbe. In Troppau steht künftig der Ordenspriester Norbert Jan Maria Hnátek an der Spitze, nachdem sein Vorgänger Richard Neugebauer zum Präsidenten der Landesversammlung gewählt worden war. Hnátek kam über die Gestaltung deutschsprachiger Gottesdienste zum Verein. Er möchte das dortige Begegnungszentrum stärker für Bürger öffnen und in Kooperation mit Schulen Nachmittagsangebote zu deutscher Sprache und Kultur anbieten. Wie die Gewinnung junger Menschen konkret gelingen kann, zeigt ein neu gegründeter Jugendklub im Ort: Statt ödem Vokabelpauken setzt der 18-jährige Leiter Lukáš Korbel auf lockere Freizeitaktivitäten wie Spieleabende, Grillen und Radtouren.

Quelle: landesecho.cz

Deutschlehrerinnen immer kompetenter

Ein Schlüsselelement der Strategie einer deutschen Minderheit ist es, Fachleute auszubilden, die in ihrem Bereich herausragen. Diesen Weg gehen nun auch Deutschlehrerinnen aus Kasachstan, die sich gezielt weiterbilden. Insgesamt zwölf Lehrkräfte und Fachleute der kasachstandeutschen Vereine haben eine intensive Fortbildung zum Einsatz moderner Unterrichtsmedien absolviert. Der Kurs wurde zusammen mit dem Goethe-Institut organisiert und kombinierte flexibles Online-Lernen mit Präsenztreffen. Für die meisten Frauen war diese Art der Weiterbildung Neuland, doch der Austausch zwischen jungen Lehrerinnen und erfahrenen Kolleginnen klappte reibungslos. Im Mittelpunkt stand das Ausprobieren neuer Ideen. In kleinen Teams erforschten die Lehrerinnen, wie digitale Spiele und gezielte Angebote den Unterricht verbessern können. Bei einer Erprobung mit Jugendlichen zeigte sich schnell, dass selbst Anfänger ohne Vorkenntnisse durch interaktive Aufgaben am Computer begeistert mitmachten und schnell lernten. Nach dem Kurs kehrten die Frauen mit vielen neuen Methoden in ihre Heimatregionen zurück. Dort wollen sie das Gelernte anwenden und ihr Wissen an andere Lehrkräfte weitergeben, um den Deutschunterricht im Land weiter zu verbessern.

Quelle: daz.asia

Deutsch von klein auf

Ähnlich wie andere deutsche Volksgruppen wollen die Deutschen in der Slowakei die Sprache nun so früh wie möglich vermitteln. Dazu bot ein kürzlich veranstaltetes Sprachlager Gelegenheit. Dieses wird seit über drei Jahrzehnten organisiert. Der Karpatendeutsche Verein in Metzenseifen organisiert es als Sommerlager für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren. Das Besondere: Viele Familien sind dem Camp in der Unterzips seit Generationen treu – manche Eltern waren früher selbst als Teilnehmer dabei. Betreut werden die Jungen und Mädchen von einem jungen Team aus Einheimischen sowie Schülern und Studenten aus Deutschland, die gemeinsam Hand in Hand arbeiten. Das Ziel der einwöchigen Ferienfreizeit ist es, Deutsch ganz ohne Druck und auf spielerische Weise zu üben. Ob beim Fußballspielen, Basteln, Singen oder Theaterspielen – die Kinder waren mit großem Eifer bei der Sache. Zum großen Abschlussabend am Freitag kamen Freunde und Familien sowie der Bürgermeister des Ortes zusammen. Die Kinder führten das Märchen der Bremer Stadtmusikanten auf und tanzten traditionelle Polkas. Finanziell getragen wird das Projekt maßgeblich durch die langjährige Unterstützung der Österreichischen Landsmannschaft. Nach einer gelungenen Woche freuen sich alle schon auf die Fortsetzung im Jahr 2027.

Quelle: karpatenblatt.sk

Dänische Parlamentarier wollen Deutsche in Nordschleswig regelmäßig besuchen

Dass die Deutschen in Dänemark in engem Austausch mit der Politik stehen, ist längst üblich. Nun soll diese Zusammenarbeit weiter intensiviert werden. Dazu ist auch ein Besuch hochrangiger Politiker geplant. Eine Delegation des dänischen Parlaments wird im Juni 2027 zu einer dreitägigen Informationsreise nach Nord- und Südschleswig aufbrechen. Das kündigte die dänische Generalkonsulin Annette Lind an. Bei dem Besuch vom 7. bis 9. Juni sollen die Abgeordneten den Alltag der Minderheiten sowie deren Schulen, Vereine und Kirchen hautnah miterleben. So können sie direkt sehen, wie die staatlichen Fördergelder vor Ort eingesetzt werden. Laut Stephan Kleinschmidt, dem Chef des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), ist dieses Treffen ein wichtiges Zeichen der Anerkennung. Nur wer die Menschen und ihre Geschichte verstehe, könne sie auch politisch richtig unterstützen. Der Besuch ist keine einmalige Sache: Nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Sommer und der anstehenden Tour 2027 hat Parlamentspräsident Søren Gade beschlossen, diese Reisen künftig regelmäßig zu veranstalten. Zukünftig wollen die Politiker alle zwei Jahre ins Grenzland kommen, um den Dialog mit der Minderheit lebendig zu halten.

Quelle: nordschleswiger.dk

Søren Gade
Foto: Christian Ursilva / Wikimedia Commons

Prominenter Abgeordneter bei den Deutschen in Usbekistan

Vertreter der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland haben bereits viele Länder bereist, um sich ein Bild von den dortigen deutschen Minderheiten zu machen. Jetzt war Usbekistan das Ziel. Dort besuchte der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer das deutsche Kulturzentrum „Wiedergeburt“, um sich mit den Menschen vor Ort auszutauschen. Im Zentrum der Gespräche standen das Leben in der Gemeinschaft, die Pflege alter Bräuche und der Erhalt der deutschen Sprache in der Region. Mayer bekam einen genauen Einblick in die vielen verschiedenen Projekte, mit denen die Minderheit ihr historisches und kulturelles Erbe für die Zukunft bewahren möchte. Als Dank für den Besuch versprach der Politiker, neue Bücher für die Bibliothek des Vereins zu besorgen. Die Stiftung Verbundenheit unterstützt die Deutschen in Usbekistan als wichtige Mittlerorganisation aus Deutschland. Sie hilft den Mitgliedern und Mitarbeitern der dortigen Organisationen ganz praktisch bei der Planung, Umsetzung und Abrechnung von Kultur-, Jugend-, Sprach- und Medienprojekten. Stephan Mayer, der selbst im Rat dieser Stiftung sitzt, setzt sich schon seit langer Zeit aktiv für die Belange deutscher Minderheiten im Ausland ein.

Quelle: daz.asia

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer
Foto: Wikipedia

Rumäniendeutscher mit Literaturpreis

Nach etablierten Künstlern hat auch die junge Generation der Deutschen aus Rumänien viel zu bieten. Einer von ihnen ist Alexandru Bulucz, der unlängst den Eichendorff-Literaturpreis erhalten hat. Der 1987 in Karlsburg geborene Lyriker, Übersetzer und Literaturkritiker wurde im Rahmen der „Wangener Gespräche“ im Allgäu mit der literarischen Auszeichnung geehrt. Der Preis ist mit einer Summe von 5.000 Euro dotiert. Bulucz, der seit dem Jahr 2000 in Deutschland zu Hause ist, verbindet in seinen Werken auf besondere Weise seine alte mit seiner neuen Heimat. Die Jury lobte vor allem, dass seine Gedichte und Texte einen Raum zwischen den Welten schaffen – geprägt vom Wechselspiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit sowie Vertrautheit und Fremde. Sein intelligenter und poetischer Blick richte sich, verbunden mit einem hohen moralischen Anspruch, besonders auf das kulturelle Schaffen im östlichen Europa, in dem sich wunderbare Orte und menschliche Abgründe gleichermaßen widerspiegeln. Bei der feierlichen Preisverleihung am 27. September hielt die bekannte Literaturkritikerin Insa Wilke die Laudatio auf den Autor.

Quelle: siebenbuerger.de

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