Der VdG-Vorsitzende Rafał Bartek lud am Montag Kommunalpolitiker in den Weißen Adlersaal zu einem Treffen mit dem Titel „Pädagogisches Experiment im Minderheitensprachenunterricht – Chancen und Möglichkeiten“ ein. Ein Vertreter des Bildungsministeriums berichtete dabei von der Idee des Lyzeums Nr. 2 in Hajnówka.
„In Hajnówka geht es um die belarussische Minderheit“, sagte Dr. Edyta Opyd, Bildungsberaterin beim VdG, „aber wir als deutsche Minderheit möchten von ihren Erfahrungen profitieren. Denn die pädagogischen Prinzipien sind dieselben. Leider genießen an unseren Oberschulen nur wenige Schüler den Minderheitensprachenunterricht. Der Grund dafür ist, dass sie drei Sprachen im Lehrplan haben – Englisch, eine weitere moderne Fremdsprache und eine Minderheitensprache. In den Klassen 7 und 8 können Schüler vom Erlernen einer zweiten modernen Fremdsprache befreit werden. Diese Lösung wäre vermutlich auch an Oberschulen wünschenswert.“

Foto: Krzysztof Ogiolda
Tomasz Głowacki, stellvertretender Direktor der Abteilung für Allgemeinbildung im Ministerium für Nationale Bildung, stellte die rechtlichen Grundsätze vor, die bei der Durchführung pädagogischer Experimente zu beachten sind. Er erläuterte auch das in Hajnówka umgesetzte Konzept. Um die belarussische Sprache und Kultur zu fördern, wurde allen Schülern der Schule Belarussisch als Minderheitensprache sowie Unterricht in belarussischer Geschichte und Kultur angeboten.

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„Die Schule plant außerdem die Organisation verschiedener Veranstaltungen, die sowohl die traditionelle als auch die zeitgenössische belarussische Kultur präsentieren“, sagte Głowacki. „Dazu gehört auch die Erweiterung der Sprachkenntnisse und die Vertiefung des Wissens über die belarussische Geschichte und Kultur. Zudem sollen Offenheit und kulturelle Toleranz gefördert werden. Die Schüler können zwischen drei zusätzlichen Stunden Belarussischunterricht pro Woche oder vier Fächern wählen, die zweisprachig – auf Polnisch und Belarussisch – unterrichtet werden.“
„Das Modell von Hajnówka ließe sich auch auf Kindergärten und Grundschulen übertragen“, betonte VdG-Chef Rafał Bartek. „Das ist sehr interessant für unsere Region. Es würde ermöglichen, dass die Minderheitensprache nicht nur Minderheitenschüler erreicht. Natürlich nicht überall. An ausgewählten Schulen, sogar in ausgewählten Klassen.“
Dies könnte attraktiv sein, da es diejenigen ansprechen würde, die die Sprache wirklich lernen wollen. Eine solche Schule – anders als die anderen – könnte eine interessante Bereicherung für eine Gemeinde sein. Sie entspricht auch der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen. Ihr Ziel ist nicht der Schutz von Minderheiten in Europa, sondern ihrer Sprachen.

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Norbert Koston, der Bürgermeister von Kolonnowska, nahm an dem Treffen teil, obwohl er für keine Oberschule zuständig ist. „Wie die meisten Gemeinden sind auch wir von demografischen Problemen betroffen. In den letzten Jahren ist die Geburtenrate drastisch gesunken – um die Hälfte. Wir müssen überlegen, wie wir das Bildungssystem tragfähig gestalten können, auch finanziell. Wir suchen nach Lösungen, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass das Hajnówka-Modell nicht direkt auf unsere Kindergärten und Grundschulen übertragbar ist. Wir handeln vorausschauend. Die jüngsten Kinder sind erst ein oder zwei Jahre alt, aber sie werden bald ins Vorschul- oder Schulalter kommen. Angesichts der aktuellen Lage wird es im Vergleich zu den vorhandenen Bildungseinrichtungen zu wenige von ihnen geben. Das Problem ist sehr ernst.“

