Neues aus dem Norden

9 April 2026, 05:00 Radio 9

Was war los in Ermland und Masuren?

Tradition, Begegnungen und die Rückkehr zur Normalität

Von Lyck bis Graudenz – die Organisationen der deutschen Minderheit im Norden Polens pflegen nicht nur Traditionen, sondern integrieren sich auch und nehmen trotz aller Schwierigkeiten ihre Aktivitäten wieder auf. Hier ein Überblick über die Ereignisse der letzten Wochen.

Rastenburg. Bowling und Torte – es kann ernst und gemütlich zugleich sein

Selbst Treffen mit einem ernsten Programm können gemütlich und sympathisch sein. Es gibt nur eine Bedingung: Man muss dabei sein. Den Tag der Frauen und Männer feierten die Mitglieder der Rastenburger Gesellschaft der deutschen Minderheit am 9. März beim Bowling. Warum gerade dort? „Weil immer weniger Menschen zu unseren Treffen kommen, also denken wir uns verschiedene Attraktionen aus, um sie aus ihren Häusern zu locken. Und Bowling ist eine coole Möglichkeit. Unsere Leute mögen es und haben viel Spaß dabei, und das Wichtigste ist, dass sie sich integrieren“, versichert Zofia Lachowska, Vorsitzende des Vereins.

Auch am 27. März verbrachten die Rastenburger eine schöne Zeit. Zunächst fanden die Nachwahlen für den Vorsitzenden der Revisionskommission statt. Beata Stryka wurde mit 100 Prozent der Stimmen gewählt. Anschließend wurde mit einer Schweigeminute Zygfryd Kirchner gedacht – einem großartigen Mitglied und Freund, der kürzlich verstorben ist. Am Ende des Tages wurden die Geburtstage von vier Vereinsmitgliedern gefeiert: Artur Lachowski, Anna Manista, Irena Dudzińska und Krystyna Mucha. Es gab Glückwünsche, Torte und Kerzen. Und dieser Teil – wie man sich leicht vorstellen kann – dauerte am längsten. „Es war sehr schön und gemütlich, und die Beteiligung war ebenfalls gut“, erinnert sich die Vorsitzende.

Foto: Archiv der Gesellschaft

Lauenburg. Osterworkshop – Styropor macht Mut

Styropor-Eier sind eine geniale Erfindung. Selbst wer zwei linke Hände hat, kann sie ohne Bedenken verzieren. Und es geht nicht unbedingt darum, dass sie perfekt aussehen. Als Irena Hirsch – Vorsitzende des Bundes der deutschen Minderheit in Lauenburg – im Büro Frühjahrsputz machte, stellte sie fest, dass noch jede Menge Bastelmaterial von früheren Workshops übrig war. Sofort kam ihr die Idee, vor Ostern einen weiteren Workshop zu organisieren. Geleitet wurde dieser von Marzena Maszota – Lehrerin für kaschubische Sprache an der Grundschule in Lischnitz, Mitglied des Bundes und zudem künstlerisch begabt. Zu dem Workshop, der am 19. März stattfand, kamen 15 Personen, darunter zwei Männer und ein Enkelkind. Die Teilnehmer verzierten Styropor-Eier mit der Decoupage-Technik und bemalten Gips-Lämmer und -Hasen, die die Kursleiterin selbst angefertigt hatte.

Nach einer kurzen Einführung konnte jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen. Es entstanden wunderschöne, einzigartige Werke, die die Teilnehmer mit nach Hause nahmen. Doch – wie die Organisatorin betont – war das nicht das Wichtigste. „Denn es geht ja nicht nur darum, dass die Dekorationen am schönsten sind. Wichtig ist auch die gemeinsam verbrachte Zeit“, sagt Irena Hirsch. Der Workshop verlief mit Gesprächen, Erinnerungen und in einer sehr guten Atmosphäre.

Foto: Archiv der Gesellschaft

Lyck. Osterdekorationsworkshop – „Masuren“ gibt nicht auf

„Masuren“ gibt nicht auf. Nach der Überschwemmung des Büros und des Turms kommt man langsam wieder auf die Beine und versucht, den normalen Betrieb der Organisation wiederherzustellen. Die Katastrophe im Februar hat das Büro des Vereins der deutschen Minderheit in Lyck zwar schwer beschädigt, aber nicht vollständig zerstört. Die Mitglieder machten sich schnell an die Aufräumarbeiten nach der Überschwemmung. Dank dessen konnte der bereits für den 28. März geplante Workshop für Osterdekorationen stattfinden.

Geleitet wurde er von der Kunsthandwerkerin Ewa Aleksandrowicz, die zuvor bereits Kurse zur Herstellung von Grabschmuck und Ostergestecke gegeben hatte. Diesmal zeigte sie, wie man aus bunten Styropor-Eiern, Körbchen, Buchsbaumzweigen, künstlichen Narzissen und Kätzchen Osterdekorationen für den Tisch basteln kann. Zu dem Kurs kamen 15 Personen, darunter fünf Teenager, unter denen sich auch eine Ukrainerin befand. Jede der Teilnehmerinnen fertigte ihren eigenen Korb an und nahm ihn mit nach Hause. „Es ging auch darum, sich zu treffen und miteinander zu reden. Und das ist uns sehr gut gelungen“, betont Brygida Denert. Eine zusätzliche Attraktion war das Essen – die Organisatorin hatte unter anderem gebratene Hähnchenbrust zubereitet, und eine der Teilnehmerinnen spendierte allen hausgemachte Wurst. Die Jugendlichen erhielten zudem süße Geschenke.

Foto: Archiv der Gesellschaft

Graudenz. Ostertreffen – drei Tage vor den Feiertagen

Am Nachmittag des Gründonnerstags veranstalteten die Mitglieder des Vereins der deutschen Minderheit in Graudenz ein Osterfrühstück für sich. Warum gerade dann?

„Wir wollten uns treffen und gemeinsam die festliche Atmosphäre genießen. An Ostern wäre das schwierig gewesen, da jeder diese Zeit mit der Familie verbringt“, erklärt Andreas Gehrke, Vorsitzender der Organisation. Das Treffen begann mit dem gemeinsamen Bemalen von Eiern und der Zubereitung eines Gemüsesalats. Der Vorsitzende brachte selbstgekochte Sauerkrautsuppe mit Weißwurst und Pilzen mit, deren Zubereitung er von seiner Mutter gelernt hatte. Die Kuchen, darunter auch eine Ostertorte, stammten aus der Konditorei. „Es war keine große Sache. Ich habe allen meine Wünsche übermittelt, wir haben ein Ei geteilt und dann gegessen und uns unterhalten“, sagt der Vorsitzende. Die Gespräche drehten sich oft um Erinnerungen an die Feiertage aus der Kindheit. Das Treffen dauerte fast 4,5 Stunden – was am besten für die Atmosphäre spricht.

Foto: Archiv der Gesellschaft

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