Zu den 23. Deutschen Kulturtagen im Oppelner Schlesien zeigt die Österreich-Bibliothek Deutschland von weniger bekannten Seiten. Auf dem Programm stehen Workshops für Schulklassen, Vorträge und ein Symposium über die Schriftstellerin Elfriede Jelinek.
Wo wurde Wolfgang Amadeus Mozart geboren? Wer ist der aktuelle Bundespräsident Österreichs? Und welche Spezialitäten sind typisch für Wien? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Donnerstag, dem 1. Oktober, eine Schulklasse aus Breslau in der Österreich-Bibliothek in Oppeln.
Die Schüler füllten einen „Österreich-Pass“ aus, der Wissenswertes über das Alpenland zusammenfasst. Anschließend konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen. Dabei zeigte sich: Einige der Jugendlichen waren bereits in Österreich – vor allem zum Skifahren.
Der Workshop ist Teil des Programms, mit dem sich die Österreich-Bibliothek an den 23. Deutschen Kulturtagen im Oppelner Schlesien beteiligt. Die Veranstaltungen finden den gesamten Oktober über statt. Bier, Autos, Oktoberfest: Das sind Stichworte, die viele Menschen auch in Polen mit Deutschland verbinden. Monika Wójcik-Bednarz, Leiterin der Österreich-Bibliothek, möchte dieses Bild mit Angeboten für Schulklassen und Erwachsene erweitern.
Veranstalter der Kulturtage ist die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Kultur, Bildung und Wirtschaft. Gefördert werden die Kulturtage unter anderem vom Bundesministerium des Innern, der Regionalverwaltung und der Stadt Oppeln sowie vom Partnerland Rheinland-Pfalz.

Die Schüler lernten, wie Österreich aufgebaut ist und welche Sehenswürdigkeiten es gibt.
Foto: Mika Ballhausen
Deutschland jenseits der Stereotype
Dass die Österreich-Bibliothek auch Deutschland vorstellt, hat Tradition. Zum Auftakt der Kulturtage biete die Bibliothek stets eine Veranstaltung an, die an den Tag der Deutschen Einheit anknüpft, sagt Wójcik-Bednarz. In diesem Jahr ist es der Vortrag „Mehr als Oktoberfest – Deutschland entdecken“ am 2. Oktober, der auf Polnisch gehalten wird.
„Wir wollen Deutschland ein bisschen präsentieren, für junge Leute, aber auch für Erwachsene, damit sie sich ein Bild machen können, das über die üblichen Stereotype hinausgeht“, erklärt die Bibliotheksleiterin. „Deutschland ist ein Nachbarland, das viele nicht kennen, aber viele behaupten, viel davon zu wissen“, sagt sie lachend.
Bei einem Vortrag mit dem Titel „Typisch deutsch?“ im vergangenen Jahr habe sie festgestellt, dass sich die Vorstellungen von Deutschland bei Jugendlichen und Erwachsenen vielfach ähnelten. Auf die Frage, was sie mit Deutschland verbänden, kämen häufig dieselben Antworten: Bier, Oktoberfest und Autos. „Ich denke, das Bild revidiert sich, wenn man mal in das Land kommt“, sagt Wójcik-Bednarz.
Für Schulklassen bietet die Bibliothek den gesamten Oktober über zweisprachige Literatur- und Sprachworkshops an, die nach Vereinbarung stattfinden. Zur Auswahl stehen Märchen im Kamishibai-Erzähltheater, etwa „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Der Froschkönig“, sowie Workshops zu Michael Endes „Tranquilla Trampeltreu“, Marcus Pfisters „Der Regenbogenfisch in Gefahr“ und „Rumpelstilzchen“ der Gebrüder Grimm.
Dazu gibt es Aufgaben und Arbeitsblätter, Quizze und Memory-Spiele. „Die Schulen können das Thema und den Termin selbst wählen“, erläutert Wójcik-Bednarz. Bereits vor dem Start seien zahlreiche Anmeldungen eingegangen. Die Bibliothek bietet viele der Themen-Workshops außerdem als Online-Webinare an. Die Schulen können sich dabei direkt aus dem Klassenraum zuschalten.
Deutsch als Pluspunkt
Die Klasse aus Breslau kam mit ihren Deutschlehrerinnen Lucyna Seredyńska und Joanna Walcerz von der Szkoła Podstawowa „Parnas“ nach Oppeln. Seredyńska engagiert sich im Polnischen Deutschlehrerverband, kennt die Bibliotheksleiterin Wójcik-Bednarz aus Fortbildungen und war bereits mehrfach mit Schülern in der Oppelner Österreich-Bibliothek.
Der Besuch verbindet den Workshop mit einem Ausflug. Dabei steht das Mietshaus im Museum des Oppelner Schlesiens auf dem Programm, in dem Wohnungen aus verschiedenen Epochen eingerichtet sind. Für die Lehrkräfte sei der Tag „auch eine Abwechslung“, erzählt Seredyńska. Besonders die Wohnung aus der Zeit der Volksrepublik Polen begeistere junge Leute, sagt auch Wójcik-Bednarz. Das Möbeldesign jener Jahre sei bei Jugendlichen derzeit „ein Supertrend“.
„Auch in Breslau ist Deutsch schon wichtig, auch historisch und kulturell. In unserer Schule lernen die Schüler gerne Deutsch, obwohl Englisch natürlich immer noch die erste Fremdsprache ist. Bei uns haben die Schüler drei Stunden Deutschunterricht pro Woche“, erzählt Seredyńska.

Die Lehrerinnen aus Breslau mit der Bibliotheksleiterin (v. li.: Lucyna Seredyńska, Joanna Walcerz, Monika Wójcik-Bednarz) Foto: Mika Ballhausen
Den praktischen Nutzen versucht Joanna Walcerz auch ihren Schülern zu vermitteln. Viele Unternehmen der IT-Branche seien deutsche oder Schweizer Firmen. Gearbeitet werde dort meist auf Englisch, doch bei der Einstellung könne Deutsch ein zusätzlicher Vorteil sein: „Englisch ist ein Muss, und Deutsch ist ein Plus. Wenn ihr euch für Informatik interessiert, dann lernt bitte Deutsch, dann werdet ihr sofort angestellt“, sage sie ihren Schülern immer.
„Englisch ist ein Muss und Deutsch ist ein Plus“
Sprache durch Kultur erleben
Bibliotheksleiterin Wójcik-Bednarz sieht in der Kultur auch einen Zugang zur Sprache. „Wenn man die Sprache lernt, muss man auch die Kultur kennen“, sagt sie. Literatur und Traditionen könnten ein Land in seiner Vielfalt zeigen. „Das motiviert die Leute auch, vielleicht mal hinzufahren und sich das Land anzusehen.“
Dabei hätten sich die Voraussetzungen für das Deutschlernen verändert. „Vor 25 bis 30 Jahren war das Bedürfnis, die deutsche Sprache zu lernen, noch viel größer als jetzt“, sagt Wójcik-Bednarz. Früher habe man sich bereits über deutsches Fernsehen gefreut, heute gebe es Apps, Internet und günstige Reisemöglichkeiten. Apps seien zwar ein Hilfsmittel, beim Sprachenlernen komme es aber weiterhin auf den persönlichen Austausch an: „Da muss man produktiv mit jemandem sprechen“, meint die Bibliotheksleiterin. Genau darum geht es am 7. Oktober um 17 Uhr beim Vortrag „Von der App bis zum Gespräch – wie lassen sich neue Technologien und bewährte alte Methoden zum Deutschlernen nutzen?“.
Am 15. Oktober um 10 Uhr stehen Sprache und Musik im Mittelpunkt. Unter dem Titel „99 Luftballons – Musik made in Germany“ soll der Vortrag Wendepunkte der deutschen Musik nachzeichnen und zeigen, welchen Einfluss sie auf die Sprache hatten.
Über Lieder könne man nebenbei auch Vokabeln lernen. „Das ist super, wenn man in ein Land kommt und schon die Lieder mitsingen kann“, meint Wójcik-Bednarz. Bereits zu kommunistischer Zeit seien Songs aus dem Westen in Polen über verschiedene Schlagerlisten bekannt gewesen. „Nena ist bis heute in vielen Medien zu hören.“
Jelinek und die deutschsprachige Literatur
Den österreichischen Akzent setzt am 20. Oktober ein Symposium über die Schriftstellerin Elfriede Jelinek, die an diesem Tag 80 Jahre alt wird. „Jelinek heute – Aktualität einer unbequemen Stimme“ findet von 11 bis 14 Uhr im Veranstaltungssaal der Woiwodschaftsbibliothek (ul. Piastowska 18) statt.
Die Veranstaltung gehört zur internationalen Reihe „Welt.Autorin.Jelinek“ und wird von der Österreich-Bibliothek gemeinsam mit der Universität Oppeln organisiert. Vorgestellt werden ein Projekt und ein Film von Germanistikstudenten der Universität. Außerdem gibt es ein Gespräch mit Markus Schnabl vom POLENTE VERLAG über zeitgenössische polnische Literatur im deutschsprachigen Raum. Es sind außerdem Literaturwissenschaftler aus mehreren Städten eingeladen, um über die Rezeption von Jelineks Werken in Polen zu sprechen.
Hedwig als Bindeglied zwischen Polen und Deutschland
Die Heilige Hedwig von Schlesien steht am 27. Oktober um 16 Uhr im Mittelpunkt eines weiteren Vortrags. Seniorbischof Jan Kopiec spricht in der Woiwodschaftsbibliothek über „eine reife Christin und eine vollkommene Herrscherin“. In die Veranstaltung einführen und sie moderieren wird die Germanistikprofessorin Gabriela Jelitto-Piechulik von der Universität Oppeln.
„Hedwig ist eine Art Bindeglied zwischen Deutschland und Polen, in positivem Sinne“, sagt Wójcik-Bednarz. Hedwig stammte aus einem bayerischen Adelsgeschlecht und heiratete den schlesischen Piasten Heinrich I. den Bärtigen. „Der Einfluss auf Schlesien war nicht allein durch Konflikte, sondern auch durch den Austausch von Technologien und kulturellen Impulsen geprägt“, erklärt Wójcik-Bednarz.

Das Programm der Österreich-Bibliothek anlässlich der Deutschen Kulturtage.
Grafik: Mika Ballhausen
Alle Veranstaltungen der Bibliothek sind kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich: unter Tel. +48 77 40 66 404 oder per E-Mail an ba@wbp.opole.pl.