Vergessenes Erbe: Alois Alzheimer in Breslau

22 Februar 2026 Geschichte

Spuren des Gelehrten in Niederschlesien

Als Alois Alzheimer 1912 nach Breslau kam, war er bereits ein weltweit anerkannter Professor für Psychiatrie und Neurologie. Alzheimer verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in der niederschlesischen Hauptstadt. In Breslau gibt es noch heute zahlreiche Spuren seiner Anwesenheit. Die Ende letzten Jahres enthüllte Büste Alzheimers im Alten Rathaus begrüßt den herausragenden Arzt symbolisch im Herzen der Stadt.

Wie Alzheimer an die Oder kam

Alzheimer verließ München, um die Leitung des Lehrstuhls für Psychiatrie an der Universität Breslau sowie die Direktion der Königlichen Klinik für Psychiatrie und Nervenkrankheiten zu übernehmen. Die moderne Einrichtung befand sich in der Auenstraße – dem heutigen Bujwida. Es war ein nach den neuesten Standards konzipierter Komplex: ohne Gitter vor den Fenstern, mit versteckten sanitären Installationen und separaten Flügeln für Männer und Frauen. Neben den optimalen Bedingungen für die klinische Arbeit erhielt Alzheimer volle Freiheit für seine Forschung und exzellente personelle Unterstützung.

Alois Alzheimer.
Foto: Wikipedia

In Breslau behandelte Alzheimer nicht nur Patienten, sondern arbeitete auch intensiv wissenschaftlich und lehrend. Er unterrichtete Studenten in Psychiatrie, Anatomie und Histologie des Nervensystems. Er führte Gehirnuntersuchungen durch und analysierte krankhafte Veränderungen in der Großhirnrinde – und setzte damit die Forschungen fort, die er zuvor in Frankfurt und München begonnen hatte.

Bereits Jahre zuvor hatte er den Fall von Auguste Deter beschrieben – einer Patientin mit Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, bei der nach ihrem Tod charakteristische Veränderungen im Gehirn festgestellt wurden. Darauf basierend zeigte Alzheimer, dass die Demenz nicht nur eine „Alterskrankheit“ ist, sondern konkrete, greifbare biologische Ursachen hat. Diese Entdeckung führte später dazu, dass die Krankheit seinen Namen erhielt.

Breslau sollte für Alzheimer ein Ort weiterer Forschung und Ausbildung von Schülern sein. Das Schicksal entschied anders. Er starb drei Jahre nach seiner Ankunft in Niederschlesien.

Während seines Aufenthalts in Breslau organisierte der Gelehrte auch das wissenschaftliche Leben der Stadt. Trotz seiner gesundheitlichen Verschlechterung bereitete er einen Kongress für Psychiater und Neurologen vor und hielt während des Ersten Weltkriegs Vorlesungen über Kriegmedizin. In seinem Buch „Krieg und Nerven“ beschrieb er die psychischen Folgen von Verletzungen bei Soldaten – eine der ersten wissenschaftlichen Beschreibungen dessen, was wir heute als posttraumatische Belastungsstörung kennen.

Die letzten Jahre und der Tod

Breslau sollte für Alzheimer ein Ort weiterer Forschung und Ausbildung von Schülern sein. Das Schicksal entschied anders. Während des Umzugs aus München zog er sich eine schwere bakterielle Infektion zu, die Herz und Nieren schwächte. Trotz Krankheit arbeitete er bis kurz vor seinem Tod, behandelte Patienten in der Klinik und in seiner Privatpraxis.

Er starb am 19. Dezember 1915 in Breslau im Alter von nur 51 Jahren. Er wurde neben seiner Frau auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main beigesetzt. Es ist anzunehmen, dass er, wäre er nicht vorzeitig gestorben, hier – in der modernen Klinik in der heutigen Bujwida-Straße – ein starkes Zentrum für Gehirnforschung und neurologische Krankheiten aufgebaut hätte.

Letztes Jahr wurde die Büste Alzheimers im Breslauer Alten Rathaus enthüllt.
Foto: Tomasz Hołod/wroclaw.pl

Spuren Alzheimers in der heutigen Stadt

Die wichtigste materielle Spur seiner Anwesenheit ist die ehemalige Klinik in der Bujwida-Straße sowie die Direktorenvilla Nr. 42, in der die Familie Alzheimer lebte. Heute befindet sich dort das Kinderhospiz „Haus der Hoffnung“, und an der Fassade des Gebäudes ist eine Gedenktafel zu Ehren des Professors angebracht.

Zu diesem symbolischen Stadtbild gehört seit kurzem auch die Büste in der Galerie der Großen von Breslau im Alten Rathaus. So kehrt Alzheimer, der die letzten drei Jahre seines Lebens an der Oder verbrachte, in den öffentlichen Raum der Stadt zurück – als einer, der nicht durch Politik oder Kunst, sondern durch Wissenschaft in ihrer Geschichte Spuren hinterließ.

Anna Durecka

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