Die Serie, in der wir Fußballgeschichten von Vereinen aus Oberschlesien vorstellen, haben wir mit dem GKS Szombierki Beuthen begonnen, dem sensationellen polnischen Meister von 1980. Anschließend stellten wir den SV 03 Ratibor vor – den ältesten Fußballverein in Oberschlesien, der von Deutschen gegründet wurde, ebenso wie Vorwärts-Rasensport Gleiwitz – den vor dem Zweiten Weltkrieg stärksten Verein aus Gleiwitz, 1.FC Kattowitz und Preußen Hindenburg, den Stolz des heute polnischen Hindenburg (Zabrze).
Heute nehmen wir unsere Leser erneut mit nach Beuthen. Diese Stadt wird seit vielen Jahren mit dem 1948 gegründeten Verein Polonia Bytom und dem bereits erwähnten Szombierki in Verbindung gebracht. Doch der älteste vorwiegend deutsche Verein dieser Stadt ist der Beuthener Spiel- und Sport-Verein 1909 e.V. (ursprünglich Britannia Beuthen, auch bekannt als Beuthener SuSV 09, SuSV 09, Beuthen 09), der dort von 1909 bis 1945 aktiv war. Er wurde genau am 15. Juni 1909 gegründet und zwei Jahre später (1911) in SuSV 09 Beuthen umbenannt, der nur fünf Jahre nach seiner Gründung (1914) die Meisterschaft von Oberschlesien gewann. Später wurde der Spielbetrieb aufgrund des Ersten Weltkriegs ausgesetzt.
Erfolge trotz Konkurrenz
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gewann der SuSV 09 Beuthen in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten – 1919/1920 und 1920/1921 – erneut die Meisterschaft von Oberschlesien. Nach dem Plebiszit im Jahr 1922 wurde ein Teil Oberschlesiens an Polen angegliedert, aber Beuthen blieb bei Deutschland. Und der SuSV 09 war weiterhin sehr erfolgreich. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass der Verein in der Saison 1922/1923 die Meisterschaft des deutschen Teils von Oberschlesien gewann und sich für den nächsten Wettbewerb qualifizierte, wo er Vizemeister von Südostdeutschland wurde.
Im Achtelfinale der Deutschen Meisterschafts-Playoffs gewann SuSV 09 Beuthen gegen Prussia Samland Königsberg mit 7:1 und zog damit zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte ins Viertelfinale ein.
An dieser Stelle sei daran erinnert, dass in den damaligen deutschen Wettbewerben zunächst um die Meisterschaft des eigenen Bezirks – in diesem Fall Oberschlesien oder Schlesien – und später um die Meisterschaft des eigenen Teils des Landes – in diesem Fall Südostdeutschland – gekämpft wurde. Wenn eine Mannschaft die Meisterschaft Südostdeutschlands gewann, qualifizierte sie sich für die Playoffs um die Meisterschaft ganz Deutschlands. Die Playoffs wurden im K.o.-System ausgetragen – der Verlierer schied aus, der Sieger kam weiter. An dieser Stelle sei hinzugefügt, dass der SuSV 09 Beuthen in der Saison 1924/1925 seinen zweiten Meistertitel im deutschen Teil Oberschlesiens errang und belegte außerdem den 4. Platz in der Meisterschaft Südostdeutschlands, was angesichts der starken Konkurrenz damals als großer Erfolg gewertet wurde. Der Erfolg des Vereins in der Saison 1924/1925 motivierte die Vereinsführung und die Spieler zu noch härterer Arbeit.
Gelegenheit beim Schopf gepackt
Das Ergebnis: Die Fußballer des SuSV 09 Beuthen gewannen in der Saison 1928/1929 erneut die Meisterschaft des deutschen Teils von Oberschlesien – bereits zum dritten Mal. Und anschließend belegte die Mannschaft aus Beuthen in der Meisterschaft Südostdeutschlands erneut den vierten Platz. In der Saison 1929/1930 wurde der SuSV 09 Beuthen in der Meisterschaft Oberschlesiens Zweiter hinter Preußen Hindenburg. Dennoch kam das Team weiter und gewann die Meisterschaft Südostdeutschlands! Im ersten Spiel der Playoffs (1/8) um die deutsche Meisterschaft verlor die Mannschaft aus Beuthen jedoch mit 2:3 gegen Hertha Berlin. Wie sich später herausstellte, hatten die Oberschlesier nicht gegen irgendjemanden verloren – Hertha Berlin wurde in dieser Saison deutscher Meister. In der Saison 1930/1931 wurde der SuSV 09 Beuthen erneut Zweiter im deutschen Teil Oberschlesiens, wieder hinter Preußen Hindenburg, und gewann erneut die Meisterschaft Südostdeutschlands. Im ersten Spiel der Playoffs um die deutsche Meisterschaft verlor er jedoch mit 0:2 gegen den Hamburger SV. In der folgenden Saison (1931/1932) wurde die Mannschaft aus Beuthen erneut Zweiter in der Meisterschaft des deutschen Teils von Oberschlesien, diesmal jedoch nicht hinter Preußen Hindenburg, sondern hinter Vorwärts-Rasensport Gleiwitz. Danach gewann Beuthen zum dritten Mal die Meisterschaft Südostdeutschlands – und wieder einmal stellte sich heraus, dass dies das Maximum war, das diese Mannschaft leisten konnte. Denn im ersten Spiel um die deutsche Meisterschaft zeigte sich die Auswahl von Polizei Chemnitz mit einem 5:1-Sieg den Oberschlesiern überlegen.

Das Vereinslogo des SuSV 09 Beuthen.
Bild: Schläsinger/Wikimedia Commons
Der größte Erfolg kam 1933
Die erneute Niederlage in der Playoff-Phase hat der Mannschaft aus Oberschlesien jedoch nicht die Flügel gestutzt. Der Beweis dafür ist die Saison 1932/1933, in der der SuSV 09 Beuthen erneut die Meisterschaft des deutschen Teils von Oberschlesien und seine vierte Meisterschaft in Südostdeutschland gewann! Diesmal gewann SuSV 09 Beuthen im Achtelfinale der deutschen Meisterschafts-Playoffs gegen Prussia Samland Königsberg mit 7:1 und zog damit zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte ins Viertelfinale ein, wo er jedoch gegen den legendären TSV 1860 München mit 0:3 unterlag. Trotzdem wurde der Aufstieg in diese Spielklasse der deutschen Meisterschaft als der größte Erfolg dieses äußerst stolzen Vereins gefeiert. Im selben Jahr (1933) wurde die Gauliga Schlesien gegründet, in der bereits Mannschaften aus ganz Schlesien gegeneinander antraten und in der man direkt um die deutsche Meisterschaft spielte, ohne die Runde Südostdeutschlands zu durchlaufen. Die Änderungen in den Regeln hatten keine negativen Auswirkungen auf die Spieler aus Beuthen, die ein solides Niveau hielten. Dies zeigte sich daran, dass der SuSV 09 in der Saison 1933/1934 den Meistertitel des deutschen Teils Schlesiens gewann und in die erste Gruppe (von vier Gruppen mit jeweils vier Vereinen) der Play-offs um die deutsche Meisterschaft aufstieg. In seiner Gruppe bestritt er zwei Spiele gegen Viktoria 1889 Berlin – mit einer 1:4- und einer 2:5-Niederlage –, gegen Viktoria Stolp mit einem 2:1-Sieg und einem 1:1-Unentschieden sowie gegen Preußen Danzig, das Beuthen mit 2:1 und 4:1 besiegte. Letztendlich belegte er den 2. Platz in seiner Gruppe, was als Erfolg dieses für damalige Verhältnisse großartigen Vereins zu verbuchen ist.
1945 – Ende des Vereins
In den folgenden Spielzeiten 1934/1935 und 1935/1936 belegte der SuSV 09 Beuthen den dritten Platz in der Gauliga Schlesien. In der Saison 1936/1937 gewann er dennoch seinen zweiten Meistertitel im deutschen Teil Schlesiens und stieg in die erste Gruppe der deutschen Meisterschaft auf. In seiner Gruppe bestritt er Hin- und Rückspiele gegen den Hamburger SV, den BC Hartha Chemnitz und Hindenburg. Letztendlich belegte er den letzten Platz in seiner Gruppe. Dies war ein Zeichen dafür, dass die besten Zeite des SuSV 09 Beuthen vorbei waren, was sich in den folgenden Spielzeiten 1937/1938, 1938/1939, 1939/1940, 1940/1941, 1941/1942, 1942/1943, 1943/1944 bestätigte. 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Angliederung Beuthens an Polen, wurde der SuSV 09 aufgelöst.
Die größten Erfolge des SuSV 09 Beuthen:
1933: Viertelfinalist der deutschen Meisterschaft
1930, 1931, 1932, 1933: Meister Südostdeutschlands
1923: Vizemeister Südostdeutschlands
1914, 1920, 1921: Meister von Oberschlesien
1934, 1937: Meister des deutschen Teils von Schlesien – Gauliga Schlesien
1923, 1925, 1929, 1933: Meister des deutschen Teils von Oberschlesien
Krzysztof Świerc
Unvergessliche deutsche Vereine Oberschlesiens: Preußen Hindenburg