Ein Nachrichtenportal in Tarnowitz berichtete über einen Protest von Einwohnern (es waren nur einige). Neben dem Verlesen eines vorbereiteten Textes sammelten die Protestierenden Unterschriften für eine Petition an die Stadtverwaltung, um die Pläne zur Anbringung eines historischen Wappens am Gebäude des bekannten und in ganz Oberschlesien ältesten Gastronomielokals „Winiarnia u Sedlaczka“ in Tarnowitz zu verhindern.
Anlässlich des 500-jährigen Stadtjubiläums soll die Fassade des Gebäudes, in dem sich das Lokal befindet, aufgefrischt werden. Dabei sollen die historischen Originalelemente wiederhergestellt werden, insbesondere das ursprüngliche Portal mit einem Flachrelief eines Adlers und der Jahreszahl 1786 anstelle des aktuellen Stadtwappens und der Jahreszahl 1526. Letztere wurden nach 1945 angebracht. Die Stadt möchte das Gebäude nun in seinen ursprünglichen historischen Zustand zurückversetzen.
Dies stieß jedoch bei einigen „geschichtsfeindlichen Kriegern“ auf Unmut, was zu ihrem Protest führte.
Der Hauptslogan der Protestaktion – „Hier ist Polen“ – ist von rechtsgerichteten Versammlungen und Demonstrationen wohlbekannt. Die Teilnehmer vergessen dabei jedoch, dass sie in Schlesien demonstrieren, einer Region mit einer multikulturellen, auch preußischen Geschichte. Während der preußischen Zeit erlebte die Stadt eine industrielle Revolution und wurde zu einem technologischen Vorreiter in Europa.
Der Hauptslogan der Protestaktion – „Hier ist Polen“ – ist von rechtsgerichteten Versammlungen und Demonstrationen wohlbekannt. Die Teilnehmer vergessen dabei jedoch, dass sie in Schlesien demonstrieren, einer Region mit einer multikulturellen, auch preußischen Geschichte.
Und wie steht es mit historischen Symbolen im öffentlichen Raum?
Im unweit gelegenen Sachsen, in Kamenz, ist ein mit dem polnischen Adler und der litauischen Pahonia, dem Monogramm von König August II. von Polen, der polnischen Königskrone und der Jahreszahl 1725 verzierter Postdistanzpfahl eine Touristenattraktion. In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden ist der von August II. Wettin erbaute Zwinger mit der Königskrone und dem polnischen Adler geschmückt. Die Fassade der Hofkirche ziert das polnische Wappen aus der Wettinerzeit.

Das aktuelle Portal des Gebäudes, in dem sich das Lokal „Winiarnia u Sedlaczka“ befindet.
Foto: Wikimedia Commons
Es gibt sicherlich noch viele weitere solcher historischer Relikte. Diese Symbole haben die turbulenten Jahre des 20. Jahrhunderts überstanden, sind gut erhalten und stellen touristische Attraktionen sowie interessante historische Erinnerungsstücke dar.
Niemand versucht, sie für kurzfristige politische Zwecke zu instrumentalisieren oder sich als „Nationalpatriot“ zu profilieren.
Denn Geschichte zu verleugnen führt in eine Sackgasse.
Eugeniusz Nagel