Während in Deutschland das letzte Steinkohlebergwerk im Dezember 2018 schloss, nähert sich der Kohleausstieg in Polen nur langsam. Hierbei spielt die Gesellschaft für Bergwerksrestrukturierung SRK eine wichtige Rolle. Das Beuthener Unternehmen ist für den komplizierten Prozess des Bergwerksrückbaus verantwortlich.
Der Steinkohlenbergbau in Polen
Die Zahlen sind eindeutig. Die Bedeutung der Kohle für die polnische Stromproduktion nimmt kontinuierlich ab. Stammte im Jahr 2000 noch 93 % des Stroms aus Kohle, so waren es 2024 nur noch 57,1 % (davon 35,5 % Steinkohle). Das wirkt sich auch auf den Bergbausektor aus. Nach Zahlen der Denkfabrik Instrat sank die polnische Steinkohleförderung zwischen 2017 und 2024 um knapp 30 % von 61,7 Millionen Tonnen auf 43,4 Millionen Tonnen. Hintergrund ist der Verlust der Konkurrenzfähigkeit, der u. a. mit den hohen Kosten der Untertageförderung verbunden ist. Mit dem Rückgang der Produktion geht auch eine Verringerung der Beschäftigten von knapp 120.000 im Jahr 2007 auf knapp 72.000 Ende 2025 einher.

Sitz der SRK.
Foto: Martin Wycisk
Der aktuelle Gesellschaftsvertrag, den die Regierung im Mai 2021 mit den mächtigen Bergbaugewerkschaften unterzeichnete, sieht die Schließung der letzten Kohlegrube für 2049 vor. Die Schließung von Bergwerken soll demnach schrittweise erfolgen, was besonders die traditionelle Bergbauregion Oberschlesien treffen wird.
Herausforderungen Unter- und Übertage
Für den Prozess des Bergwerkrückbaus ist in Polen die staatliche Gesellschaft für Grubenrestrukturierung SRK (Spółka Restrukturyzacji Kopalń) zuständig. Nach der feierlichen Einstellung der Kohleförderung übernimmt die SRK das Bergwerk samt Belegschaft und Vermögen. Während ein Teil der Bergmänner mit Abfindung entlassen oder frühpensioniert wird, arbeitet ein Teil im Prozess der Demontage weiter. Denn es bleibt viel zu tun. Dazu gehören u. a. der Abbau und die Entsorgung zahlreicher Maschinen unter Tage, aber auch die Sicherung der unterirdischen Tunnel und Kammern. Besonders letzteres ist von strategischer Bedeutung, um Bergbauschäden an der Oberfläche zu verhindern. Hierfür werden die Stollen mit Versatz gefüllt, um Einstürze zu vermeiden. Aus dem gleichen Grund ist Wassermanagement wichtig. Je nach Lage können Teile des Tunnelsystems kontrolliert geflutet werden, und die Pumpenleistungen müssen angepasst werden. Dies bleibt eine langfristige Aufgabe der SRK, die dafür 17 Pumpstationen betreibt und jährlich über 100 Millionen m³ Wasser aus ehemaligen Gruben pumpt. Zu den wichtigsten Aufgaben der SRK über Tage gehört die Dekontaminierung des Grundstückes.

Schlesisches Museum in Kattowitz.
Foto: Martin Wycisk
Die Suche nach neuen Investoren
Wenn der Rückbau des Bergwerks abgeschlossen ist, steht die SRK vor der nächsten Herausforderung: der Suche nach einem neuen Verwendungszweck für das Grundstück. Viele Investoren präferieren freie Flächen in unbebauten Industriegebieten, die ihnen mehr Freiheit bei der Größe und Funktion ihrer Werksbauten lassen. Denn neben den Gruben sind oft Wohngebiete entstanden, die eine lärmintensive Produktion ausschließen. Hinzukommen noch die Altlasten, die zusätzliche Kosten verursachen können.
Erfolgreiche Beispiele, was auf ehemaligen Zechengeländen möglich ist, sind u. a. in Kattowitz zu finden. Das Bergwerk Katowice wurde erfolgreich in die Kulturzone mit Sitz eines Symphonieorchesters, des Schlesischen Museums und des Internationalen Kongresszentrums umgebaut.

Schlesisches Museum in Kattowitz.
Foto: Martin Wycisk
Ehemalige Zechengelände können auch einen Beitrag zur Energiewende leisten. So investiert die SRK schon jetzt in Solaranlagen, um eigene Pumpstationen mit Strom zu versorgen. In Kattowitz soll darüber hinaus abgepumptes Grubenwasser als Quelle von Erdwärme für das ökologische Heizen und Kühlen des Schlesischen Museums genutzt werden. Alte Gruben könnten in Zukunft auch als Stromspeicher dienen. Bei hoher Stromproduktion würden sie Wasser hochpumpen, welches bei hoher Stromnachfrage wieder abgelassen werden kann, um Stromgeneratoren zu betreiben.
Neue Strategie und EU-Fonds
Die SRK geht seit dem Personalwechsel im Vorstand im März 2024 neue Wege im Umgang mit den ehemaligen Zechengeländen. Die Gesellschaft besitzt Grundstücke in 71 Gemeinden, vor allem in Schlesien, Kleinpolen und Niederschlesien, von denen sie letztes Jahr insgesamt 110 Hektar im Wert von 60 Millionen PLN kostenfrei an Kommunen übergab. Damit übernehmen die Kommunen vor Ort die Verantwortung für die Investorensuche. Diese wird in den nächsten Jahren Fahrt aufnehmen, denn dank des „Just Transition Funds“ stehen Polen für den Strukturwandel in Bergbauregionen 4 Milliarden € zur Verfügung. Die Hälfte davon ist allein für die Woiwodschaft Schlesien vorgesehen. Von den Grundstücken profitieren u. a. Kattowitz und Myslowitz, wo u. a. ein IT-Hub sowie ein Kultur- und Dienstleistungszentrum geplant sind. Im letzten Jahr gelang es der SRK, auch 120 ha für 90 Millionen PLN an private Investoren zu veräußern; weitere 400 ha stehen weiterhin zum Verkauf. Nachfrage besteht also, weshalb wir in den nächsten Jahren einiges an Bautätigkeit erwarten können.
Martin Wycisk