Niederschlesien: Schloss in Eckersdorf stürzt ein

3 April 2026, 05:00 Geschichte 18

Ist dies bereits der letzte Akt der Schlossgeschichte?

Der Lärm eines einstürzenden Daches, Staubwolken, schließlich das Eingreifen der Polizei und der Denkmalpflege – so sah in den letzten Tagen die Realität in Eckersdorf aus. Eines der eindrucksvollsten Schlösser Niederschlesiens wurde erneut beschädigt. Diesmal stürzte ein Teil des Daches samt Gaube ein, und die Trümmer blockierten Teile des Innenraums, sodass einige Räume nicht mehr zugänglich sind.

Am 24. März 2026 betraten Vertreter des Woiwodschaftlichen Denkmalamtes in Begleitung der Polizei das Gelände des Objekts. Die Kontrolle bestätigte die schlimmsten Befürchtungen: Der Verfall schreitet voran, und der bauliche Zustand des Schlosses ist kritisch.
– „Die heutigen Besichtigungen haben gezeigt, dass ein Teil des Daches samt Gaube auf der Rückseite der Fassade eingestürzt ist. Elemente der Dachkonstruktion sowie Teile der Gaube liegen in einem Raum und teilweise im Korridor. Es gibt keine Zugangsmöglichkeit, um zu überprüfen, ob weitere Bauteile eingestürzt sind“, sagte Anna Nowakowska von der Außenstelle Wałbrzych des Denkmalamtes dem Sender Radio Breslau.

Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art. In den letzten Jahren sind bereits drei Decken sowie Teile des Daches eingestürzt. Auch Stuck, Holzvertäfelungen und andere Elemente der Innenausstattung verfallen zusehends. Das Schloss wird seit langem weder gesichert noch saniert.

Die Bitterkeit bei lokalen Aktivisten ist groß.
– „Diesem Schloss bleiben nur noch wenige Jahre. Es schreit zum Himmel um Rache. Jemand hat hier auf vielen Ebenen versagt, und jetzt sollte jemand dafür Verantwortung übernehmen. Wenn heute der Denkmalpfleger hier ist und in Begleitung der Polizei das Objekt betreten hat, dann ist das aus meiner Sicht der richtige Weg. Vielleicht wird dieses Kulturgut von unschätzbarem Wert für die Geschichte Europas endlich renoviert und unter die Aufsicht gestellt, die ihm zusteht“, sagt Hubert Gruszczyński von der Historischen Gesellschaft des Eckersdorfer Landes.

Foto: Jacek Halicki/ Wikipedia

Eine Residenz mit jahrhundertealter Geschichte

Das heutige Drama steht im starken Kontrast zur beeindruckenden Vergangenheit des Schlosses. Seine Anfänge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als in Eckersdorf ein Renaissancegut der Familie von Raueck entstand. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte der Besitz mehrfach – unter anderem an den kaiserlichen Leibarzt Caspar Jäschke von Eisenhut, die Jesuiten sowie die Familie von Götzen.

Im 18. Jahrhundert gelangte das Anwesen in den Besitz der Familie von Magnis. Auf ihre Initiative hin entstand in den Jahren 1787–1791 die heutige, großzügige Schlossanlage. Sie wurde von einem weitläufigen Landschaftspark umgeben, der unter anderem mit künstlichen Ruinen und sepulkralen Elementen gestaltet wurde. Im 19. Jahrhundert wurde das Schloss nach einem großen Brand wieder aufgebaut und weiter umgestaltet.

Zu den Gästen des Schlosses gehörten unter anderem der spätere US-Präsident John Quincy Adams sowie preußische Monarchen. Nach 1945 ging das Objekt in Staatseigentum über und diente jahrzehntelang Bildungszwecken – unter anderem als landwirtschaftliche Schule.

Obwohl in den 1970er Jahren Renovierungsarbeiten durchgeführt wurden, verfiel das Schloss gegen Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend. Im Jahr 2005 wurde es an einen privaten Investor verkauft, doch auch spätere Eigentümerwechsel brachten keine Verbesserung.

Foto: Marian Naworski/ Wikipedia

Zwischen Recht und Ohnmacht – wie geht es weiter?

Die rechtliche Situation ist derzeit kompliziert. Das Schloss befindet sich in privater Hand, und – wie die Behörden betonen – hat die Denkmalpflege keine Möglichkeit, das Objekt zu übernehmen. Trotz jahrelanger Verwaltungsverfahren, Geldstrafen und sogar eines Gerichtsurteils gegen den früheren Eigentümer wurden die erforderlichen Maßnahmen nicht umgesetzt.

Heute ist das Schloss in Eckersdorf zu einem Symbol für ein größeres Problem geworden: die Ohnmacht des Staates gegenüber der Zerstörung von Kulturerbe in privater Hand.

Seit März 2025 hat das Objekt eine neue Eigentümerin, doch es wurden bislang keine konservatorischen Maßnahmen eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob eine Straftat in Form der Zerstörung eines Denkmals vorliegt.

Welche Szenarien sind möglich?

Das optimistischste Szenario sieht ein rechtliches Eingreifen und die Durchsetzung von Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten vor. Realistischer erscheint eine Fortsetzung langwieriger Verfahren, während das Gebäude weiter verfällt. Das schlimmste Szenario wäre der vollständige Verlust des Denkmals durch weiteren Einsturz.

Heute ist das Schloss in Eckersdorf zu einem Symbol für ein größeres Problem geworden: die Ohnmacht des Staates gegenüber der Zerstörung von Kulturerbe in privater Hand.

Anna Durecka

Verwendete Quellen:

  • Radio Wrocław
  • Historische Gesellschaft des Eckersdorfer Landes (Facebook)
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