Neue Unruhe bei der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung?

24 März 2026, 05:00 Politik 90

Hinter den Kulissen der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung rumort es erneut. Ein Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deutet auf Machtkämpfe um die künftige Ausrichtung hin – insbesondere bei der Dauerausstellung. Die Entscheidung über die Leitung könnte weitreichende Folgen haben.

Das Projekt eines Dokumentations- und Erinnerungsortes für Vertriebene in Deutschland war von den ersten Ideen über die jahrelange Planung hinweg von intensiven Diskussionen und Kontroversen begleitet. Insbesondere aus Polen kam wiederholt Kritik. Seit der Eröffnung der Ausstellung im Deutschlandhaus im Jahr 2021 war es ruhiger um die Stiftung geworden. Nun jedoch deutet ein Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darauf hin, dass es hinter den Kulissen des Dokumentationszentrums erneut zu Auseinandersetzungen über die künftige Ausrichtung kommt – insbesondere über die Gestaltung der Dauerausstellung.

Direktorenstelle neu ausgeschrieben

Sichtbarstes Zeichen der Unstimmigkeiten ist die Entscheidung, den Vertrag der bisherigen Direktorin Gundula Bavendamm nicht zu verlängern, sondern die Stelle neu auszuschreiben. Laut FAZ „schickt sich der BdV an, die Kontrolle über eines der wichtigsten geschichtspolitischen Projekte der Bundesrepublik zu übernehmen.“

Der Bund der Vertriebenen stellt sechs Mitglieder des 20-köpfigen Stiftungsrats. Die übrigen Sitze des Gremiums entfallen auf Vertreter des Bundestags (3), der Bundesregierung (3), der evangelischen Kirche (2), der katholischen Kirche (2) und des Zentralrats der Juden (2). Außerdem sind im Stiftungsrat der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sowie der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum kraft ihres Amtes vertreten.

Im Deutschlandhaus im Berliner Stadtteil Kreuzberg befindet sich seit 2021 das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Foto: Jörg Zägel/ Wikimedia Commons

Laut dem Autor des FAZ-Artikels, Andreas Kilb, hat auch die Verschiebung der Zuständigkeit für Aussiedlerfragen und deutsche Minderheiten ins Innenministerium dazu geführt, dass der Bund der Vertriebenen über die „Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten“ in der Bundestagsfraktion von CDU und CSU seinen Einfluss vergrößern konnte. Deren Geschäftsführer, Sven Oole, ist einer der beiden Kandidaten, die es neben der aktuellen Leiterin der Stiftung in die engere Auswahl für die Direktorenposition geschafft haben.

Der FAZ-Artikel legt nahe, dass der BdV zusammen mit Vertretern der CDU/CSU im Stiftungsrat die amtierende Leiterin durch einen Mann aus den eigenen Reihen ersetzen will.

Die angestrebte Neugestaltung der Dauerausstellung

Im Zentrum des Streits stehen laut FAZ unterschiedliche Auffassungen über die Dauerausstellung. Als Beleg wird ein Schreiben des damaligen BdV-Präsidenten Bernd Fabritius aus dem Jahr 2024 angeführt, in dem dieser Kritik an der bestehenden Konzeption äußert. Konkret geht es um die Darstellung des Zusammenhangs zwischen nationalsozialistischer Expansionspolitik und den Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg. In dem Brief heißt es, hier werde „Kontext mit Kausalität vermengt“.

Im Zentrum des Streits stehen laut FAZ unterschiedliche Auffassungen über die Dauerausstellung.

Die Neugestaltung der Dauerausstellung wird nicht nur vom BdV angestrebt, sondern auch von der CDU/CSU. In ihrem Wahlprogramm aus dem Jahr 2025 heißt es, die Dauerausstellung solle neu gestaltet werden. In der Antwort auf eine entsprechende Anfrage aus der Bundestagsfraktion der Grünen betont die Bundesregierung, die Weiterentwicklung von Ausstellungen sei ein kontinuierlicher Prozess; auch die bestehende Dauerausstellung sei seit 2021 mehrfach angepasst worden.

Folgen für die deutsch-polnischen Beziehungen?

Wenn Kilb andeutet, dass durch die Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb der Stiftung die alten Diskussionen zwischen Polen und Deutschland wieder aufflammen könnten, bezieht er sich unter anderem auf einen Kommentar des Historikers Piotr Madajczyk, der auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung ist. In der Zeitung „Rzeczpospolita“ warf dieser Friedrich Merz vor, er setze die Beziehungen zu Polen aufs Spiel, um eine Wahlkampfschuld gegenüber den Vertriebenenorganisationen zu begleichen.

Die Entscheidung über die künftige Leitung fällt am 26. März. Der Wissenschaftliche Beirat der Stiftung hat laut FAZ einstimmig gegen die Neuausschreibung protestiert und für den Fall der Wahl Ooles seinen geschlossenen Rücktritt angekündigt.

Schlesien im Schatten des Umbruchs: Krieg bedeutet immer Blut, Schweiß und Tränen
Poprzedni artykuł

Schlesien im Schatten des Umbruchs: Krieg bedeutet immer Blut, Schweiß und Tränen

Regierungswechsel in der Oppelner Partnerregion Rheinland-Pfalz
Następny artykuł

Regierungswechsel in der Oppelner Partnerregion Rheinland-Pfalz