Künstliche Intelligenz: Deutschsprachige Länder wollen bei KI verstärkt zusammenarbeiten

16 März 2026 Politik

Die Kulturministerinnen und Kulturminister der deutschsprachigen Länder wollen die Zusammenarbeit im Bereich Künstliche Intelligenz intensivieren. Ihr Ziel: sicherzustellen, dass die deutsche Sprache und Kultur auch in KI-Systemen sichtbar bleiben. Damit setzen sie ein Zeichen gegen die Dominanz englischsprachiger Daten und für die Vielfalt kleinerer Sprachen.

Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein praktischer Helfer im Alltag. aDenn gemäß dem IWF wird KI weltweit 40 % der Arbeitsplätze beeinflussen.

Doch „Künstliche Intelligenz“ ist ein weit gefasster Begriff. Er umfasst Systeme, die industrielle Prozesse optimieren, medizinische Diagnosen unterstützen oder logistische Abläufe effizienter gestalten. Gleichzeitig kann KI auch in existenziellen Zusammenhängen zum Einsatz kommen – etwa in militärischen Anwendungen, bei denen KI-gestützte Waffensysteme über Leben und Tod entscheiden könnten.

Im Alltag denken viele Menschen bei KI vor allem an chatbasierte Programme, die scheinbar jede Frage beantworten können und damit auch klassische Suchmaschinen wie Google herausfordern. Hinter diesen Anwendungen steht eine spezielle Form der KI: sogenannte Large Language Models (LLM).

Genau hier setzt eine neue politische Initiative im deutschsprachigen Raum an.

Treffen der Kulturminister: Sprache im Zeitalter der KI

Bei einem informellen Treffen am Dienstag, dem 10. März, haben sich die Kulturministerinnen und Kulturminister der deutschsprachigen Länder mit der Rolle der Sprache in der KI-Entwicklung beschäftigt. Teilnehmer waren Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg sowie Südtirol.

Künstliche Intelligenz darf nicht zu einer globalen Monokultur führen.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

Laut einer Mitteilung der deutschen Beauftragten des Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) Wolfram Weimer stand die „Förderung und Weiterentwicklung der deutschen Sprache als zentralem Bestandteil europäischer Kultur und Identität“ im Mittelpunkt des Treffens.

Die Kulturministerinnen und Kulturminister Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Liechtensteins, Luxemburgs und Südtirols einigten sich darauf, im Bereich der Künstlichen Intelligenz enger zusammenzuarbeiten. Ziel der Zusammenarbeit ist es, zu gewährleisten, dass die Vielfalt der deutschen Sprache und Kultur auch im Bereich der KI abgebildet wird und so auch für die Zukunft erhalten bleibt. Kulturstaatsminister Weimer sagte dazu: „Künstliche Intelligenz darf nicht zu einer globalen Monokultur führen. Unser Treffen hat gezeigt, wie groß die Bereitschaft ist, die kulturelle und technologische Zusammenarbeit der deutschsprachigen Länder weiter zu vertiefen.“

Die Gefahr der sprachlichen Schieflage

Die Sorge der Kulturminister richtet sich besonders auf kleinere Sprachen und Dialekte. Sie könnten durch die rasante Verbreitung von KI-Systemen zusätzlich unter Druck geraten.

Denn viele der derzeit verfügbaren Sprachmodelle liefern deutlich bessere Ergebnisse auf Englisch als auf anderen Sprachen. Diese Ungleichheit wird in der Forschung als sprachliche Verzerrung (linguistic bias) bezeichnet. Darüber hinaus können KI-Systeme auch eine kulturelle Voreingenommenheit (cultural bias) zeigen – etwa indem sie Perspektiven und Denkweisen bevorzugen, die in den Trainingsdaten dominieren.

Staatsminister Wolfram Weimer.
Foto: BKM/Kay Herschelmann

Der Grund dafür liegt vor allem in der Art, wie Sprachmodelle trainiert werden. Ein großer Teil der Trainingsdaten stammt aus frei verfügbaren Texten im Internet. Dort sind die Sprachen jedoch sehr ungleich verteilt. Laut einer aktuellen Statistik sind knapp die Hälfte aller Website-Inhalte auf Englisch verfasst (49,5 %). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Spanisch und Deutsch – mit jeweils rund 6 % der Inhalte jedoch deutlich abgeschlagen.

Für kleinere Sprachen existiert oft deutlich weniger Material. Zudem ist das vorhandene Material häufig wenig vielfältig. Forschende der Stanford University schreiben in einer Studie aus dem Jahr 2025: „Daten in sogenannten Low-Resource-Sprachen sind aufgrund fehlender vielfältiger Quellen häufig von geringer Qualität. Sie beschränken sich meist auf die Bibel und andere religiöse Texte, juristische Dokumente sowie Wikipedia-Artikel – von denen viele die Alltagssprache kaum widerspiegeln und/oder selbst maschinell übersetzt wurden.“

Mit anderen Worten: Die wenigen verfügbaren Texte spiegeln den tatsächlichen Sprachgebrauch nur begrenzt wider.

Internationale Initiativen für mehr sprachliche Vielfalt

Gleichzeitig entstehen weltweit Projekte, die versuchen, diese Lücke zu schließen. In China wurde mit DeepSeek ein leistungsfähiges Sprachmodell entwickelt, das auf chinesische Anwendungen zugeschnitten ist. Auch Indien arbeitet an einer eigenen Lösung: Die Regierung entwickelt ein KI-gestütztes Übersetzungssystem, das alle 22 offiziellen Sprachen des Landes unterstützen soll. Darüber hinaus existieren spezialisierte Sprachmodelle für andere Sprachräume. Mit Jais gibt es etwa ein arabischsprachiges LLM. Eine Übersicht des Weltwirtschaftsforums zeigt zudem Initiativen, die kleinere Sprachen in Afrika, Neuseeland oder Brasilien für KI-Anwendungen erschließen.

Sprache als digitale Zukunftsfrage

Die Initiative der deutschsprachigen Kulturminister reiht sich damit in eine wachsende internationale Bewegung ein. Ihr gemeinsames Ziel: sicherzustellen, dass die digitale Zukunft nicht nur von wenigen dominierenden Sprachen geprägt wird. Denn wenn KI-Systeme künftig immer stärker als Wissensquelle, Kommunikationsmittel und wirtschaftliches Werkzeug dienen, entscheidet ihre sprachliche Vielfalt auch darüber, wessen Perspektiven und kulturelle Erfahrungen in der digitalen Welt sichtbar bleiben.

Mauro Oliveira

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