Seit einigen Monaten verfolge ich vermehrt Berichte über polnische Unternehmen, die Anteile an mittelständischen deutschen Firmen erwerben. Interessanterweise tauchen solche Meldungen auch in Deutschland auf. Ein Beispiel ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die den Fall des Schienenfahrzeugherstellers Pesa anführt, der das Straßenbahnwerk Heiterblick übernommen hat.
Laut FAZ-Journalisten ist dies kein Einzelfall. Sie erinnern auch an Beteiligungserwerbe anderer polnischer Investoren an mittelständischen deutschen Unternehmen, darunter der Möbelhersteller MDD, der Ende 2025 von der Ceka-Gruppe übernommen wurde, sowie die Recykl-Gruppe, die im September 2025 Harzer Reifenhandel in Wernigerode kaufte. Angeblich gibt es weitere Beispiele dieser Art, und laut der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer in Warschau erleben polnische Familienunternehmen derzeit einen kleinen Boom bei der Übernahme etablierter Marken in Westeuropa, darunter auch in Deutschland.
Handelt es sich also – wie immer lauter und zunehmend behauptet wird – um einen Expansionsschub polnischer Unternehmen nach Deutschland, oder nur um eine weitere Propagandakampagne für den Erfolg Polens, sei es in der Politik oder, wie in diesem Fall, in der Wirtschaft? Die Frage ist berechtigt, auch wenn Polen derzeit „wirtschaftlich gesund“ ist. Allerdings ist das Land eher als Produktionsstätte für bekannte Weltkonzerne bekannt als für besonders starke, etablierte Muttergesellschaften, die sich im Inland so gut entwickeln, dass sie nach neuen Herausforderungen streben und starke Auslandsmärkte erobern. Und dennoch ist der deutsche Markt einer der größten und wettbewerbsintensivsten der Welt.
Was sagen nun die harten Statistiken zu polnischen Direktinvestitionen in Deutschland? Sie spiegeln diesen Optimismus nicht wider. Die FAZ erklärt dies mit der Verzögerung bei der Datenerhebung der Bundesbank aus den Unternehmensbilanzen oder mit den vergleichsweise geringen polnischen Investitionssummen.
Polen belegt Platz 31 im Ranking der Länder, die in Deutschland investieren.
Der Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), zitiert von der FAZ, argumentiert jedoch, dass polnische Unternehmen trotz der gestiegenen Attraktivität Deutschlands für ausländische Investoren kaum eine Rolle spielen. Seiner Meinung nach ist sogar das Gegenteil der Fall: Polnische Investitionen fließen aus Deutschland in andere Länder.
Spezifische Statistiken zeigen, dass in Deutschland etwa 3.200 polnische Firmen registriert sind, die fast 25.000 Mitarbeiter beschäftigen. Experten gehen jedoch davon aus, dass viele dieser Betriebe Einzelunternehmen im Handwerksbereich sind.
Ein weiterer Beweis dafür, dass derzeit von einer wirtschaftlichen Expansion auf den deutschen Markt keine Rede sein kann, ist die Tatsache, dass polnische Investitionen in Deutschland weniger als zwei Promille der gesamten Direktinvestitionen ausmachen. Damit belegt Polen Platz 31 im Ranking der in Deutschland investierenden Länder. Für einen der neun direkten Nachbarn Deutschlands ist dies kein beeindruckendes Ergebnis – insbesondere da Polen von diesen neun Nachbarländern nach Frankreich das zweitgrößte hinsichtlich Fläche und Bevölkerung ist und deutlich größer als Tschechien, Österreich, die Schweiz, Luxemburg, Belgien, die Niederlande und Dänemark.
Trotz meines etwas spöttischen Tons angesichts des erneuten Versuchs, „aus einer Mücke einen Elefanten zu machen“, muss man zugeben, dass Polen aufholt. Vielleicht haben polnische Unternehmen im Jahr 2025 mehr deutsche Firmen übernommen als je zuvor, und vielleicht setzt sich dieser Trend 2026 fort.
Von einer echten Expansion polnischer Unternehmen auf den deutschen Markt kann derzeit jedoch keine Rede sein. Selbst wenn wir Beispiele wie Orlens fulminanten Markteintritt 2003 oder den IT-Dienstleister Comarch, der seit 27 Jahren in Deutschland präsent ist, betrachten – eine großflächige Expansion ist bisher nicht erkennbar. Vielleicht eines Tages…
Krzysztof Świerc