Der politische Aschermittwoch ist eine feste Größe im politischen Kalender Deutschlands. Die Parteien nutzen ihn traditionell für zugespitzte Reden und einen oft derben rhetorischen Schlagabtausch. Der Aschermittwoch der bayerischen CSU gilt dabei als besonders prominent. Die der CSU nahestehende Hanns-Seidel-Stiftung lud bereits zum vierten Mal einen Vertreter der Deutschen Minderheit nach Passau ein. Diesmal war es Karolina Trela, Krapitzer Kreisrätin, seitens der Schlesischen Selbstverwaltungspolitiker.
Am 17. und 18. Februar organisierte das Prager Büro der Hanns-Seidel-Stiftung in Passau und Deggendorf das Mitteleuropäische Dialogprogramm. Junge Vertreter aus Kommunalpolitik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus Polen, Tschechien, Ungarn, Kroatien und der Slowakei waren dabei. Die polnische Seite repräsentierten Karolina Trela von den Schlesischen Selbstverwaltungspolitikern und Patryk Białas, Stadtrat von Kattowitz. Im Programm standen unter anderem ein Gespräch mit Bundestagsabgeordnetem Thomas Erndl über die deutsche Außenpolitik sowie der politische Aschermittwoch der CSU.
Der politische Aschermittwoch ist eine traditionelle Veranstaltung, bei der Spitzenpolitiker der Parteien in oft zugespitzten Reden verbal aufeinandertreffen. Charakteristisch sind derbe, pointierte Wortwahl und polemische Angriffe auf politische Gegner, meist vor großem Publikum. Historisch hat diese Form der politischen Versammlung in Bayern begonnen und geht auf frühe Treffen bayerischer Bauern sowie auf Veranstaltungen des Bayerischen Bauernbundes zurück. Bis heute dient der politische Aschermittwoch vor allem der Mobilisierung der eigenen Anhänger und der medialen Inszenierung politischer Botschaften.

Trela trat in Austausch mit anderen jungen Vertretern aus Kommunalpolitik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus Polen, Tschechien, Ungarn, Kroatien und der Slowakei.
„Die Teilnahme am Politischen Aschermittwoch war für mich ein unglaubliches Erlebnis“, betont Karolina Trela. „Besonders beeindruckt hat mich das starke politische Identitätsgefühl der Teilnehmer sowie die klare Identifikation mit den Grundsätzen der CSU. Man konnte eine echte Überzeugung und ein großes Engagement spüren, die die gesamte Veranstaltung prägten. Einen starken Eindruck hinterließ bei mir auch die Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, die selbstbewusst und zugleich von der für diesen Tag typischen Ironie geprägt war. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig in der Politik der Glaube an die eigenen Werte und die Fähigkeit sind, sie überzeugend zu kommunizieren.“
Trela betonte zudem, dass die Veranstaltung keineswegs nur vom „älteren Publikum“ geprägt war. Sie hob hervor, dass viele junge Menschen, darunter auch Jugendliche, an dem Treffen teilnahmen. Ihrer Ansicht nach zeigt dies eindrucksvoll, wie stark die regionale Identität in Bayern geblieben ist, auch unter den jüngeren Generationen.
Besuch in Deggendorf und Stadtentwicklung
Nach dem Politischen Aschermittwoch ging es zu einem Besuch in Deggendorf. Dort tauschte sich die Delegation mit dem Oberbürgermeister Christian Moser, Vertretern der Wirtschaft und Experten über die Stadtentwicklung, die wirtschaftliche Lage und die Förderung von innovativen Start-ups im ländlichen Raum aus.
„Die Teilnahme am Politischen Aschermittwoch war für mich ein unglaubliches Erlebnis. Besonders beeindruckt hat mich das starke politische Identitätsgefühl der Teilnehmer sowie die klare Identifikation mit den Grundsätzen der CSU.“
Karolina Trela
In Deggendorf hat eine städtische Initiative bei Trela besonderen Eindruck hinterlassen: „Die Stadt bezuschusst investive Maßnahmen zur Herrichtung von Räumlichkeiten mit bis zu 25.000 Euro. Dabei geht es vor allem um die Anfangsphase, also darum, die Räume vorzubereiten, Wände zu streichen oder notwendige Anpassungen vorzunehmen. Nicht die eigentliche Firmengründung ist häufig der kostspieligste Schritt, sondern die bauliche und funktionale Anpassung des Standorts. Diese Lösung erschien mir zugleich einfach und sehr vernünftig, weil die Förderung dazu beitragen kann, Leerstände zu reduzieren und Räume wieder wirtschaftlich zu beleben.“

Einen starken Eindruck hinterließ bei Karolina Trela die Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.
Foto: Hanns-Seidel-Stiftung Polen
Im weiteren Verlauf der Diskussion stellte Karolina die Frage nach der Finanzierung dieser Programme. Sie verwies auf die Situation im Landkreis Krappitz, wo kommunale Maßnahmen häufig kreditfinanziert würden und dies als strukturelle Herausforderung wahrgenommen werde. Trela hob im Gegensatz dazu hervor, dass die Förderung in Deggendorf an haushaltsrechtliche Rahmenbedingungen gebunden sei. Wenn das Geld im Budget vorhanden ist, wird der Zuschuss im Jahr der Antragstellung bezahlt. Wenn jedoch alles eingeplante ausgegeben ist, wird ein Vertrag unterschrieben, Antragsteller muss die Maßnahmen zunächst eigenständig umsetzen, während die Bezuschussung dann im nächsten Budgetjahr bezahlt wird. Dieses Vorgehen könne als Ausdruck eines planungsorientierten Umgangs mit öffentlichen Mitteln verstanden werden.
Nachhaltige Unterstützung und langfristige Perspektiven
Neben dem eigentlichen Mechanismus der Förderung von Leerständen gefiel Karolina Trela besonders, dass die Unterstützung in Deggendorf durchdacht und langfristig angelegt ist. Sie betonte, dass die Stadt nicht nur Geld bereitstellt, sondern auch die Bedingungen schafft, damit neue Initiativen tatsächlich erfolgreich sein können – sodass die gegründeten Unternehmen die Chance haben, am Standort zu bestehen und zur Belebung des lokalen Raums beizutragen. Sie schätzte zudem, dass das Konzept die realen Bedürfnisse der Menschen und des lokalen Marktes berücksichtigt und nicht nur auf schnellen Gewinn, sondern auf nachhaltige Effekte für die gesamte Gemeinschaft abzielt. Wichtig war ihr auch, dass in diesem Ansatz verantwortungsbewusster und durchdachter Umgang mit öffentlichen Mitteln sichtbar wird – es wird nur ausgegeben, was tatsächlich Nutzen stiften kann, und keine Ressourcen für kurzfristige Maßnahmen verschwendet.

Das Prager Büro der Hanns-Seidel-Stiftung lud Karolina Trela, Kreisrätin aus Krappitz zum Mitteleuropäischen Dialogprogramm in Passau und Deggendorf ein.
Foto: Hanns-Seidel-Stiftung Polen
„Aus dieser Reise nehme ich vor allem die Überzeugung mit, dass die Bedürfnisse der Menschen für die Verantwortlichen wirklich wichtig sind“, sagt Karolina. „Es hat sich für mich bestätigt, dass man eine eigene Meinung haben und sie laut äußern muss, egal, was andere denken. Das ist ein Teil unserer Identität und etwas, das in der kommunalen Arbeit von enormer Bedeutung ist.“
Andrea Polanski