Die Frauen in meiner Familie waren misstrauisch gegenüber technischen Neuheiten. Während Mikrowelle, Spülmaschine und Co. schon in den 90ern in vielen schlesischen Haushalten für Begeisterung sorgten, wurde bei uns die Milch auf dem Herd – wie es sich gehört – aufgewärmt.
Viele Jahre dachte ich, es sei ein irrationaler Widerstand, der eher aus Gewohnheit als aus reinem Konservatismus resultierte. Doch letztlich bin ich zu einer anderen Schlussfolgerung gekommen: Die Frauen in meiner Familie waren einfach lange der Meinung, sie seien besser als Maschinen. Schneller, klüger, effizienter. Vor allem aber nicht so faul wie andere Frauen, die sich auf technische Beihilfe verlassen mussten. Ja, da kam wieder das gute alte Gefühl der Überlegenheit ins Spiel – ein Faktor, den man wohl nur genetisch erklären kann. Denn sonst gibt es wohl keine logische Erklärung dafür, warum jemand denkt, dass er keine Spülmaschine braucht.
Freizeit ist ein wilder Dschungel voller verrückter Ideen, Pläne, die nicht verwirklicht werden, ein gefährliches Durcheinander, in dem eine Oberschlesierin plötzlich den Boden unter den Füßen verliert.
Oder vielleicht dachten diese hochintelligenten Frauen tatsächlich, dass sie von Maschinen ersetzt werden könnten und dann nichts mehr zu tun hätten. Und seht ihr: Für eine echte Oberschlesierin ist Freizeit ein Riesenproblem – eine Bürde, eine Herausforderung, mit der sie sich nur ungern misst. Arbeit ist einfach, Arbeit macht Sinn von Anfang bis Ende, sie hat Struktur, man kann jeden Schritt planen. Freizeit ist ein wilder Dschungel voller verrückter Ideen, Pläne, die nicht verwirklicht werden, ein gefährliches Durcheinander, in dem eine Oberschlesierin plötzlich den Boden unter den Füßen verliert. Und das alles wegen einer verdammten Mikrowelle!

Waschmaschine Frania.
Foto: Wikimedia Commons
Bis sich meine Eltern vor ein paar Jahren endlich eine Spülmaschine zugelegt haben, meinte meine Mutter, sie könne den Gedanken nicht ertragen, dass sie darauf warten müsse, bis die Maschine voll ist. Sie stellte sich den dreckigen Innenraum der Spülmaschine vor, mit schmutzigen Tellern, die dort einfach so herumliegen, und die Arme war außer sich.
Denn, liebe normale Menschen: Eine Oberschlesierin lässt Arbeit nicht einfach liegen. Sie erledigt Dinge sofort. Ohne Wenn und Aber. Ohne Verschnaufpausen. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum die meisten Frauen über 60 mindestens eine chronische Krankheit haben: zu hoher Blutdruck, Diabetes, Atherosklerose, Schilddrüsenprobleme. Weil wir schneller, besser, effizienter sind. Als Maschinen – als Männer sowieso.
Nicht ich. Ich nehme jede Hilfe an, ich kaufe alle Maschinen. Ich lasse Männer alles falsch machen, bis sie es lernen. Ich genieße den wilden Dschungel, der Freizeit heißt.
Anna Durecka