Das großartige Garnier-Schloss in Turawa braucht Unterstützung
Viele Bewohner der Woiwodschaften Schlesien und Oppeln kennen Turawa als beliebten Erholungsort am Wasser. Nur wenige wissen jedoch, dass die Geschichte dieses Ortes ebenso bewegt wie malerisch ist. In den Jahren 1933–1939 entstand hier ein Komplex von Stauseen, der der Regulierung der in die Oder mündenden Zuflüsse dienen sollte. Damals wurde das Projekt als Turawa-Stausee bezeichnet. Neben der wirtschaftlichen Funktion war auch die Schaffung eines Erholungs- und Freizeitzentrums geplant. Dafür mussten mehrere umliegende Dörfer weichen, die sich auf dem Gebiet des zukünftigen Stausees befanden.
Eine Perle des Oppelner Landes
Bevor jedoch das Wasser die Täler überflutete, erhob sich in Turawa ein Schloss der Adelsfamilie von Garnier. Im Jahr 1847 ließ Graf Karl von Garnier die letzte Erweiterung des Schlosses vornehmen und passte es an die Bedürfnisse seiner Familie an. Das Gebäude, harmonisch in die Landschaft des ehemaligen Parks eingebettet, gehört zu den reizvollsten aristokratischen Anlagen in dieser Region des heutigen Oppelner Landes. Die reich verzierte Fassade erinnert fast an eine verzuckerte Torte, während die beiden Pferdeskulpturen an den Front-Risaliten an Figuren aus einem Kinderzimmer denken lassen – verspielt und doch symbolisch.
Im Jahr 1937 übergab die Familie von Garnier das Schloss zu sozialen Zwecken – es entstand dort das Kinderheim Turawa. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude weiterhin öffentlichen Aufgaben; zeitweise war hier sogar das Gemeindeamt Turawa untergebracht. In den Jahren 1964–1965 wurde das Schloss umgebaut und an die Bedürfnisse der Kinderheimbewohner angepasst. Über Jahrzehnte hinweg bot es vielen jungen Menschen Schutz und einen neuen Anfang.

Schloss Turawa heute. Foto: Catz/ Wikipedia
Niedergang nach 1989
Nach den revolutionären Veränderungen von 1989 verlor das Schloss – wie viele ähnliche Objekte – seinen Fürsorger. Die folgenden Eigentümer, oft zufällig oder nur vom Traum des schnellen Gewinns getrieben, waren nicht in der Lage, die hohen Kosten für Erhalt und Sanierung zu tragen. Schulden, Vernachlässigung und fehlende Vision führten dazu, dass das Gebäude zunehmend verfiel.
Das Schloss in Turawa ist nicht nur ein wertvolles Baudenkmal – es ist ein Ort mit Seele, mit einer faszinierenden, teils noch unentdeckten Geschichte.
Trotzdem hatte das Schloss in Turawa Glück – seine Lage bewahrte es vor völliger Zerstörung und Plünderung. In den letzten Jahren lenkte der Oppelner „YouTuber“ Roman Stark die öffentliche Aufmerksamkeit auf das tragische Schicksal des Schlosses, machte den Fall bekannt und sorgte für die Sicherung des Gebäudes. Dank seines Engagements gelangte das Schloss nicht in die Hände sogenannter „Kunstliebhaber“, die oftmals mehr zerstören als retten.
Erste Zwangsversteigerung im September
Im September letzten Jahres fand die erste Zwangsversteigerung des Schlosses in Turawa statt. Leider fand sich kein Käufer für dieses außergewöhnliche Baudenkmal. Schade – denn das Anwesen umfasst über 7,3 Hektar Land mit Schloss-, Park- und Nebengebäuden. Der Ausrufpreis betrug weniger als anderthalb Millionen Złoty – eine mehr als symbolische Summe, wenn man Geschichte, Größe und Potenzial des Ortes bedenkt.
Unterstützung für neuen Eigentümer
Ich möchte von Herzen dazu ermutigen, sich für dieses außergewöhnliche Anwesen zu interessieren. Das Schloss in Turawa ist nicht nur ein wertvolles Baudenkmal – es ist ein Ort mit Seele, mit einer faszinierenden, teils noch unentdeckten Geschichte. Ich glaube fest daran, dass, wenn sich ein neuer Eigentümer mit Leidenschaft und Herz findet, die kommunalen Behörden und die lokale Gemeinschaft ihn unterstützen und gemeinsam die Rettung dieses Denkmals ermöglichen werden.
Interessenten können sich auch an mich wenden, etwa zur Kontaktaufnahme mit Institutionen, die sich für den Denkmalschutz einsetzen, oder bei der Beschaffung von Fördermitteln für die Restaurierung. Es kommt jetzt darauf an, dass möglichst viele Menschen von der prekären Situation von Schloss Turawa erfahren. Dieser Ort hat enormes Potenzial und wartet auf jemanden, der ihm neues Leben einhaucht. Was heute als „ungeliebtes Kind“ gilt, kann zum „Goldkind“ des Oppelner Schlesiens werden – ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, an das zweite Leben der Denkmäler zu glauben.
Kontakt zum Autor und ehrenamtlichen Denkmalpfleger:
Maciej Mischok – maciej.mischok@gmail.com
Link zur Internetseite: https://www.schlesien-heute.de/
Maciej Mischok