Friedrich Merz genießt ein Privileg
Am 2. März 2026 traf Bundeskanzler Friedrich Merz in Washington mit US-Präsident Donald Trump zusammen. Ziel des Besuchs im Weißen Haus waren Gespräche über Wirtschaftsfragen, die Handelsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und den USA sowie über die Unterstützung der Ukraine und den Iran-Krieg. Wie sich herausstellte, dominierte der Iran-Krieg die Gespräche im Weißen Haus – wenig überraschend.
Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung reiste der Bundeskanzler nach Washington, um sich über die Pläne des US-Präsidenten in Bezug auf den Iran, den Krieg in der Ukraine und die Zölle zu informieren. Vor Merz’ Abreise in die USA diskutierten FAZ-Journalisten darüber, wie er Donald Trump und dessen Politik im Weißen Haus im Interesse Deutschlands und Europas beeinflussen wolle. Sie betonten, dies sei keine einfache Aufgabe, und nur diejenigen hätten eine Chance, dies zu erreichen, denen Donald Trump zuhöre. Laut FAZ-Journalisten habe sich der Bundeskanzler dieses Privileg durch seine Entschlossenheit im Grönland-Konflikt und bei den Zöllen verdient.
Die bayerischen Nürnberger Nachrichten äußerten sich ebenfalls positiv über Friedrich Merz’ Besuch in den USA. Der Bundeskanzler habe einzig vernünftig gehandelt. Er habe zwischen einer öffentlichen, im Fernsehen übertragenen Diskussion, in der er sehr diplomatisch agierte, und einem privaten Gespräch unterschieden, in dem er – wie er selbst zugab – deutlich direkter gewesen sei. Dadurch habe er den US-Präsidenten nicht vor den Kopf gestoßen. Dies sei, so die Nürnberger Nachrichten, genau das, was Deutsche tun sollten: zu ihrer Meinung stehen, sie artikulieren, aber nicht annehmen, die ganze Welt warte auf deutsche Vorträge.
Die Erwartung, dass der deutsche Bundeskanzler bei einem Treffen mit dem US-Präsidenten in Washington als Madrids Sprecher auftreten sollte, erscheint übertrieben.
Auch die Ludwigsburger Kreiszeitung aus Baden-Württemberg lobte Friedrich Merz’ Auftreten in Washington und ging dabei vor allem auf die Kritik der spanischen Regierung am deutschen Bundeskanzler ein. Zur Erinnerung: Die Spanier sind empört darüber, dass Friedrich Merz beim Treffen im Weißen Haus nicht auf Donald Trumps Kritik an Spanien reagiert habe. Die Ludwigsburger Kreiszeitung schrieb dazu: Wer vom Kanzler im Kabinett des US-Präsidenten, der leicht beleidigt ist, erwartet, vor laufenden Kameras die Rolle eines großen Morallehrers zu spielen, verwechselt in einer ohnehin schon instabilen Situation die Politik der Gesten mit Verantwortung. Natürlich müsse der Bundeskanzler zeigen, dass er an der Seite seiner europäischen Partner stehe, doch das müsse nicht unbedingt auf der großen Bühne des Oval Office im Weißen Haus geschehen. Zumal sich Spanien seit geraumer Zeit nicht gerade als Inbegriff der Solidarität präsentiert, auch nicht in Fragen der gemeinsamen Sicherheit: „Die Erwartung, dass der deutsche Bundeskanzler bei einem Treffen mit dem US-Präsidenten in Washington als Madrids Sprecher auftreten sollte, erscheint daher übertrieben.“
„Zumal, da er, wie er selbst sagte, Donald Trump hinter verschlossenen Türen darauf hingewiesen hat, dass Spanien Teil der Europäischen Union ist und die USA nicht separat Zölle oder Embargos gegen ein einzelnes Mitglied verhängen können“, resümiert die Ludwigsburger Kreiszeitung den Besuch von Friedrich Merz in Washington.
Krzysztof Świerc