Vorführung des Films „Für uns endete der Krieg nicht 1945“ in Oppeln
Die Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln veranstaltete eine Sondervorführung eines Dokumentarfilms über die Opfer kommunistischer Arbeitslager in Oberschlesien zwischen 1944 und 1950. Im Anschluss an die Vorführung fand eine Diskussion statt, die als lebendiges Zeugnis der Oberschlesischen Tragödie diente und historische Perspektiven mit dem persönlichen Schmerz der Überlebenden verband.
Bilder, wo die Fotografie fehlte
Der Film von Aleksandra Fudala-Barańska knüpft thematisch an „Die Rote Pest“ an. Diesmal konzentriert sich die Regisseurin auf die Nachkriegslager – Orte, von denen heute oft keine Spuren mehr zu finden sind.
Karolina Kruszewska, Grafikdesignerin und Enkelin der Zeitzeugin Joanna Kruszewska, spielt in dem Dokumentarfilm eine besondere Rolle. Ihre Arbeit ermöglichte es, sichtbar zu machen, was weder Kameras noch Fotografien jemals einfangen konnten: brennende Baracken, unmenschliche Lebensbedingungen und Lagermauern, die längst dem Erdboden gleichgemacht wurden.

Die Diskussion wurde von Dr. Michał Matheja, Leiter des Forschungszentrums der Deutschen Minderheit, geleitet.
Foto: Manuela Leibig
„Es gibt so etwas wie ein generationsübergreifendes Trauma. Dieser Krieg endete nicht 1945; er wirkt bis heute in uns fort – weitergegeben von meiner Großmutter an meinen Vater und von meinem Vater an mich“, sagte Karolina während des Treffens. Für sie sind das Malen und der Besuch von Gedenkstätten ein Weg, dieses Erbe zu verarbeiten. Dank ihrer Grafiken und ihrer Mitwirkung im Film an der Seite ihrer Großmutter hat die Geschichte dort eine visuelle Dimension erhalten, wo die Dokumentation schweigt.
Frauenstimmen: Elżbieta Duda und Joanna Kruszewska
Auch Zeitzeuginnen waren im Saal und teilten ihre Geschichten mit dem Publikum.
Elżbieta Duda aus Schiedlow, die die Hölle des Lagers Lamsdorf überlebt hat, gab zu, dass die Erinnerung daran unglaublich schmerzhaft ist.
„War es für mich schwer, in diesem Film meine eigene Geschichte zu erzählen? Ja, sehr schwer. Weinen und Lachen gehören für mich zusammen“, gestand die 91-jährige Elżbieta. Sie erinnerte sich daran, wie sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder im Lager ankam. Obwohl ihre Inhaftierung nur von kurzer Dauer war, da ihr Vater sie befreien konnte, blieben die traumatischen Bilder bestehen. Sie schrieb ihre Erinnerungen – von ihrer Geburt bis heute – in einem Buch nieder, das sie ihren Kindern schenkte, damit zukünftige Generationen wissen, was geschehen ist.

Der Veranstaltungssaal der Woiwodschaftsbibliothek in Opole war gut gefüllt – das Thema der Nachkriegslager weckt nach wie vor große Emotionen.
Foto: Manuela Leibig
Joanna Kruszewska aus Kattowitz erinnerte sich ihrerseits an die dramatischen Momente im Zusammenhang mit dem Lager am Bergwerk Kleofas.
„Lange Zeit versuchte ich, alles aus meinem Gedächtnis zu löschen. Ich hörte die Schreie der Geschlagenen“, erzählte Joanna. Sie erinnerte sich, wie die Russen ganze Straßenzüge räumten und die Menschen ins Lager trieben. Ihre Familie wurde von ihrem Onkel gerettet, einem angesehenen Elektriker im Bergwerk. Er stellte den Sowjets ein Ultimatum: Er würde das Bergwerk nur wieder in Betrieb setzen, wenn sie seine gesamte Familie freiließen.
„Er sagte: ,Wenn Sie meine Mutter, meine Schwester und meine Kinder nicht freilassen, werde ich es nicht tun – und dann können Sie mich erschießen.’“

In der ersten Reihe saßen die Protagonistinnen des Films. Von rechts: Joanna Kruszewska aus Katowice und ihre Enkelin, die Grafikerin Karolina Kruszewska.
Foto: Manuela Leibig
Trotz ihrer Rettung hatten sie nichts mehr, wohin sie zurückkehren konnten – ihre Wohnung in der ul. Gliwicka war bereits besetzt und vollständig geplündert worden. Sie fanden Unterschlupf bei Joannas Großmutter.
Heinz, der zu Henryk wurde: Die Erinnerungen von Henryk Juretko
Henryk Juretko, der im Film als Gästeführer durch das inzwischen aufgelöste NKWD-Lager in Blottnitz auftritt, teilte mit dem Publikum seine sehr persönliche Definition des Kriegsendes.
„Es fällt mir schwer zu sagen, wann genau der Krieg endete. Aus meiner Sicht als damals elfjähriger Junge endete er erst, als mein Vater aus der Internierung zurückkehrte“, erinnerte er sich. Er wird den Tag, an dem sein Vater ihm weggenommen wurde, nie vergessen – es war der 14. Februar, der Tag vor seinem Geburtstag.
Für viele Schlesier dauerte der Krieg noch lange nach den offiziellen Friedensfeiern an.
„Ich stand den ganzen nächsten Tag an der Pforte und wartete auf meinen Vater. Ich dachte, da es mein Geburtstag war, würde er bestimmt zurückkommen. Aber er kam erst fast ein Jahr später zurück. Meine Mutter trug ihn von Gleiwitz auf dem Rücken; er war völlig erschöpft.“
Die Entlassung aus dem Lager war dank der Bemühungen der Mutter und der Vorlage von Dokumenten über seine polnische Volkszugehörigkeit möglich.

Teilnehmer der Diskussion nach dem Film: Bürgermeister von Radzionków Dr. Gabriel Tobor (links) und Zeitzeuge Henryk Juretko aus Błotnica Strzelecka (mit Mikrofon), der in dem Dokumentarfilm die Geschichte des heute nicht mehr existierenden NKWD-Lagers näher brachte.
Foto: Manuela Leibig
„Es war eine tragisch-komische Geschichte. Mein Vater wurde als Deutscher inhaftiert und kam als Pole aus dem Lager zurück. Aber das hat ihm das Leben gerettet“, sagte Henryk Juretko.
Die Anwesenden hörten bewegt, aber auch mit einem Lächeln zu, wie das System versucht hatte, die Identität des Jungen zu verändern.

Konzentration und Ernsthaftigkeit auf den Gesichtern der Teilnehmer. Für viele von ihnen ist die im Film gezeigte Geschichte nicht nur ein Dokument, sondern Teil ihrer eigenen Identität.
Foto: Manuela Leibig
„Der Schulleiter änderte meinen Vornamen dreimal, weil er ihm nicht passte. Offiziell hieß ich dann Henryk. Ich finde das nicht schlimm, aber zu Hause war ich immer Heinz. Meine ganze Familie nennt mich Heinz, und manche scherzen, Henryk sei mein Partisanenname“, erzählte er und betonte, dass trotz der vergangenen Zeit gewisse Wunden und Erinnerungen an das „Lager“ – so wurde der Teil von Blottnitz genannt, wo das Lager einst stand – noch immer lebendig sind.
Die historische Landschaft der Repression – Kommentar von Dr. Bogusław Tracz
Dr. Bogusław Tracz vom Institut für Nationales Gedenken in Kattowitz, der als historischer Berater für den Film „Für uns endete der Krieg nicht 1945“ tätig war, fasste während des Treffens den Wissensstand über das Nachkriegslagersystem zusammen und betonte, dass dieses auf dem Prinzip der Kollektivverantwortung beruhte. Er unterschied mehrere Lagertypen:
- NKWD-Filterlager – zur Überprüfung der Bevölkerung (z. B. in Tost, wo über 3.000 Menschen an Typhus starben).
- Umsiedlungslager – von der polnischen Zivilverwaltung betrieben; dort warteten Menschen unter katastrophalen Bedingungen monatelang auf ihre Deportation nach Deutschland.
- Arbeitslager (UB) – die bekanntesten sind Schwientochlowitz-Eintrachthütte und Lamsdorf, die die Brutalität der Nachkriegsbehörden symbolisieren.
- Kriegsgefangenenlager – bei Bergwerken und Fabriken, in denen Wehrmachtssoldaten entgegen den Konventionen zur Zwangsarbeit gezwungen wurden.
Eine Viertelstunde Schweigen statt Worte
Die Diskussion wurde von Dr. Michał Matheja, Leiter des Forschungszentrums der Deutschen Minderheit, geleitet. Er eröffnete das Treffen mit der Überlegung, dass nach einem solchen Film „eine Viertelstunde Schweigen“ angemessener wäre als ein Gespräch.
Abschließend erzählte er eine Geschichte, die erklärt, warum der Krieg für viele Familien bis in die 1950er-Jahre andauerte.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion: links Dr. Bogusław Tracz vom Institut für Nationales Gedenken (IPN) in Katowice, rechts (mit Mikrofon) Dr. Michał Matheja vom Forschungszentrum für die deutsche Minderheit, der die Veranstaltung moderierte und die Diskussion über das schwierige Erbe der Region initiierte.
Foto: Manuela Leibig
Er erinnerte an die Tradition der Goldenen Kommunion – ein feierliches Treffen der Klasse 50 Jahre nach dem Empfang des Sakraments. Es ist ein Fest der Gemeinschaft, das ehemalige Klassenkameraden und Gemeindemitglieder zusammenbringt. Bei einem solchen Treffen im Jahr 2001 ereignete sich etwas, das alle verblüffte:
„Meine Tante kam aus Deutschland zu dieser Goldenen Kommunion und traf dort einen Bekannten, der zwei Jahre älter war als der gesamte Jahrgang, der sein Jubiläum feierte. Sie traf also jemanden, der seine Goldene Kommunion eigentlich schon zwei Jahre zuvor hätte feiern sollen. Überrascht fragte sie ihn: ,Was machst du denn hier?’ Und er antwortete: ,Weil Mama gesagt hat, wir würden erst dann zur Erstkommunion gehen, wenn Papa aus dem Krieg zurückkommt.’“

Dr. Bogusław Tracz vom Institut für Nationales Gedenken (IPN) in Katowice während seines Einführungsvortrags. Der Historiker ordnete das Wissen über das Nachkriegs-Lagersystem und betonte, dass dessen Grundlage das tragische Prinzip der Kollektivschuld war.
Foto: Manuela Leibig
Dieser Vater kehrte tatsächlich erst 1950 zurück, und erst 1951 konnte der damals elf- oder zwölfjährige Junge seine Erstkommunion empfangen.
Diese Erinnerung wurde am besten durch den Filmtitel zusammengefasst: Für viele Schlesier dauerte der Krieg noch lange nach den offiziellen Friedensfeiern an. Die Vorführung in Oppeln zeigte, dass die Stimmen der Zeitzeugen – dank Filmen und dem Mut der jüngeren Generation, wie etwa Karolina Kruszewska – noch immer stark nachhallen, auch wenn ihre Zahl immer kleiner wird.
Manuela Leibig
Bilder von Filmvorführung und Diskussion