Ein Leben lang Hand in Hand: 68 Jahre Liebe unter Gottes Segen

14 Februar 2026 Kultur/Bildung

Während viele junge Paare heute am Valentinstag nach dem Geheimnis der ewigen Liebe suchen, haben Maria und Joachim Hallek, sie Jahrgang 1936, er 1933, die Antwort längst gefunden. Seit 68 Jahren gehen sie gemeinsam durch dick und dünn. Ihre Geschichte ist geprägt von schlesischer Tradition, tiefem Glauben und der Fähigkeit, auch nach einem Sturm immer wieder die Sonne zu finden.

Es ist eine Liebe, die nicht auf großen Gesten, sondern auf tiefem Verständnis und schlesischer Bodenständigkeit gewachsen ist. Maria und Joachim Hallek sind ein eingespieltes Team. Dass sie heute, mit 90 und 93 Jahren, noch so beieinander sitzen können, betrachten sie nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Geschenk. „Alles ist Gottes Gabe“, sagt Maria dankbar. „Auch, dass er uns so viele Jahre geschenkt hat.“

Ein Funke am Fenster

Alles begann mit einem neugierigen Blick. Joachim war beim Militär, Maria kam mit ihrer Freundin am Dienstagabend direkt von der Abendandacht (Nowenna) aus der Kirche. Es war Brauch, bei fremden Hochzeiten durch das Fenster zuzuschauen, das „Gucken“. „Da kam er auch zum Gucken. Ich stand am Zaun und hab ins Fenster geguckt, wie die Gäste tanzen“, erinnert sich Maria. Der erste Funke sprang sofort über. Joachim fasste sich ein Herz und fragte, ob er sie nach Hause führen dürfe.
Es folgten zwei Jahre der Besuche von Joachim bei Maria zu Hause: „Zwei Jahre, so wie es sich gehört“, schmunzelt das Paar. Man lernte sich kennen, man besuchte sich, und Joachim wurde schnell Teil von Marias großer Familie, die ohne Vater, dieser war 1945 von den Russen erschossen worden, fest zusammenhielt.

Seit 68 Jahren unzertrennlich: Maria (90) und Joachim Hallek (93) in ihrem gemeinsamen Zuhause in Oppeln-Bolko. Fast sieben Jahrzehnte Geschichte verbinden die beiden, von der ersten Begegnung beim Hochzeitstanz bis heute.
Foto: Manuela Leibig

Wenn aus dem „Gehen“ ein Leben wird

Am 1. Oktober 1958 war es schließlich so weit: Die kirchliche Hochzeit wurde gefeiert. Es war ein Fest im kleinen Rahmen, ganz traditionell im eigenen Heim. „30 Personen, wir haben in der Stube getanzt“, erzählt Maria. Für die Musik sorgte ein Akkordeonspieler aus Groschowitz.

„Man darf nicht alles auf die Goldwaage legen. Er kann mir verzeihen, und ich verzeihe ihm.“
Maria Hallek

Doch der Start in das Eheleben war von den politischen Realitäten der damaligen Zeit geprägt. Um eine eigene Wohnung im Elternhaus zu behalten und die Einquartierung fremder Leute durch die Stadtverwaltung zu verhindern, mussten sie schnell handeln. „Es waren schlechte Zeiten. Wir bekamen unten ein Zimmer und eine Küche zugeteilt, oben wohnten Fremde“, erinnert sich Joachim an den Kampf um das eigene Heim, der die Familie nur noch enger zusammenschweißte.

Gottvertrauen in stürmischen Zeiten

Das Leben der Halleks war nicht immer leicht. Spionierende Nachbarn und abgelehnte Ausreiseanträge nach Deutschland stellten das Paar vor Herausforderungen. 1959 wurden die Zwillinge Dietmar und Jürgen geboren.
Was sie in all den Jahren hielt? Die Erziehung und der Glaube. „Wir sind so erzogen worden, dass wir glücklich zusammenleben. Das liegt daran, wie man geformt wurde. Meine Geschwister pflegten immer guten Kontakt zu meinem Mann, wir hielten alle zusammen“, sagt Maria. Der tägliche Kontakt zur Familie, auch wenn er oft nur über das Telefon stattfindet, und das gemeinsame Gebet sind ihre Anker.


Ein Leben in Zahlen

• Maria Hallek: Jahrgang 1936 (gerade 90 Jahre alt geworden).
• Joachim Hallek: Jahrgang 1933 (93 Jahre alt).
• Kennenlernen: ca. 1956 bei einem Hochzeitstanz in Bolko.
• Hochzeit: 1. Oktober 1958 (kirchlich).
• Familie: zwei Söhne.
• Jubiläum: 2023 feierten sie die Eiserne Hochzeit (65 Jahre), aktuell befinden sie sich im 68. Ehejahr.
• Geheimnis: verzeihen können und festes Gottvertrauen.


Rezept für das gemeinsame Glück

Fragt man die beiden nach einem Tipp für junge Leute, lächeln sie. „Es ist in jeder Ehe mal Blitz und Donner“, gibt Joachim zu. Er spricht von der „stillen Sprache“, Ruhestunden, in denen man vielleicht einmal nicht redet. Aber das Wichtigste sei, das Gespräch immer wieder zu suchen.
Maria ergänzt: „Man muss verzeihen können. Er kann mir verzeihen, und ich verzeihe ihm. Das ist unser Leben.“ Dieses gegenseitige Verzeihen hat sie bis zur Eisernen Hochzeit im Jahr 2023 getragen, die sie groß mit Freunden und Familie feierten.

Kunstfertigkeit und späte Leidenschaft: Joachim Hallek präsentiert seine filigranen Holzschnitzereien. Mit 80 Jahren begann er, die „Hallek-Eulen“ und andere Figuren zu fertigen, Maria ist dabei stets seine größte Bewunderin.
Foto: Manuela Leibig

Zwischen Eulen und Erinnerungen

Joachim hat ein spätes Hobby gefunden: das Holzschnitzen. Mit 80 Jahren fing er an, Eulen, Kapellen, Rübezahl-Figuren und Edelweißkönige zu fertigen. Es ist ein Zeichen dafür, dass man auch mit 93 Jahren noch schöpferisch tätig sein kann, während Maria gerade erst ihren 90. Geburtstag beging.
Maria und Joachim Hallek sind ein Vorbild für Beständigkeit. Ihr Leben zeigt, dass eine Ehe kein Theaterstück ist, das nach dem ersten Akt endet, sondern ein gemeinsames Werk, an dem man täglich mit viel Liebe, Geduld und Gottvertrauen arbeitet.

Manuela Leibig

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