Einzigartiges Album mit unbekannten Stadtansichten
In die Sammlung des Architekturmuseums in Breslau ist ein wahrer „weißer Rabe“ gelangt – ein handgefertigtes, weltweit einzigartiges Fotoalbum mit dem Titel
„Die Hauptstadt Breslau ihrem scheidenden Stadtbaurat Dr. Günther Trauer“.
Es enthält 137 originale Fotografien des Vorkriegs-Breslau, von denen viele bislang nie veröffentlicht wurden. Es handelt sich um ein außergewöhnliches Dokument der Stadtplanung und Stadtgeschichte.
Wie gelangte das Album nach Breslau?
Anfang des Jahres 2024 tauchte das Album in einem Antiquariat in Kiel auf. Mitarbeiter des Architekturmuseums hatten bereits zuvor versucht, es zu erwerben, wurden jedoch beim ersten Verkaufsversuch von einem anderen Käufer überboten. Als das Objekt erneut auf den Markt kam, gelang es dem Museum, es zu erwerben und in die Sammlung aufzunehmen.

Fotografie aus dem Album „Die Hauptstadt Breslau ihrem scheidenden Stadtbaurat Dr. Günther Trauer“. Radweg Tiergartenstrasse.
– Es war das zweite Mal, dass das Album auf dem Antiquariatsmarkt erschien. Beim ersten Mal waren wir zu spät – jemand kam uns zuvor. Es war genau dieser Antiquar aus Kiel – sagte Michał Duda, Direktor des Architekturmuseums in Breslau, gegenüber TVP 3.
Das Album existiert nur in einem einzigen Exemplar und wurde als Geschenk für den in den Ruhestand tretenden Stadtbaurat angefertigt. Auf diese Weise kehrte es nach mehr als 80 Jahren einer Art „Emigration“ nach Breslau zurück.
Die Stadt für den Urbanisten
Der vollständige Titel des Albums bedeutet:
„Die Hauptstadt Breslau ihrem scheidenden Stadtbaurat Dr. Günther Trauer“.
Es war ein Geschenk der Stadtbehörden an einen langjährigen Beamten und Stadtplaner, überreicht im August 1939 nach 31 Dienstjahren im Magistrat.
Das Album wird derzeit digitalisiert und einer detaillierten wissenschaftlichen Analyse unterzogen. Für Historiker und Stadtplaner ist es eine wahre Fundgrube – es enthält auch Entwürfe von Wohnsiedlungen, die niemals realisiert wurden.
Es ist ein außergewöhnliches Präsent, das die Stadt Günther Trauer überreichte. Es enthält 137 originale Fotografien von Orten in Breslau, mit denen er beruflich verbunden war – als Stadtbaurat, als Aufseher über den Wohnungsbau und als Konstrukteur. Günther Trauer, deutscher Bauingenieur und Stadtplaner, war ein hoher Beamter der Breslauer Stadtverwaltung. Er wurde 1878 in Dresden geboren, studierte Bauwesen in Dresden und Darmstadt und promovierte 1907.

Ausschnitt aus dem Album „Die Hauptstadt Breslau ihrem scheidenden Stadtbaurat Dr. Günther Trauer“.
Seit 1908 arbeitete er in der Bauverwaltung Breslaus und durchlief den Weg vom Bauinspektor bis zum Stadtbaurat für Städtebau. Am bekanntesten ist er als Mitgestalter der Konstruktion der Jahrhunderthalle, für deren ingenieurtechnische Lösungen er in Zusammenarbeit mit dem Architekten Max Berg verantwortlich war. Darüber hinaus beaufsichtigte er den Bau von Brücken, Wasserkraftwerken sowie den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.
Von 1925 bis 1939 war er Stadtbaurat für Stadtplanung. Genau diese Tätigkeit dokumentiert das Album – es zeigt Breslau als eine moderne, dynamisch wachsende Stadt. Das Album erhielt Trauer von der Stadt anlässlich seines Ruhestands nach 31 Jahren Tätigkeit.
Was zeigen die Fotografien?
Im Album finden sich unter anderem:
– Aufnahmen der Vorkriegsbebauung der heutigen Straßen Powstańców Śląskich und Curie-Skłodowska,
– Fotografien der Kaiserbrücke (heute Grunwaldzki-Brücke) und des Striegauer Platzes,
– Dokumentationen des Straßenbaus und der Modernisierung der Verkehrswege, darunter die sogenannte „Instruktionsstraße“, auf der Arbeitern Schritt für Schritt das richtige Pflastern beigebracht wurde,
– Bilder der neuen Feuerwache an der Borowska-Straße sowie des Umbaus des Rathauses,
– Fotografien zur Verbesserung der Akustik der Jahrhunderthalle,
– Aufnahmen des für den Besuch Adolf Hitlers angebauten Balkons am Hotel Monopol.
Eine besondere Kuriosität stellen die Materialien zur Fahrradinfrastruktur dar. Wie die Museumsmitarbeiter betonen, zeigt das Album, dass das Netz der Radwege in Breslau bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren entstand und beinahe so dicht war wie heute.

Verkehrsbeschilderung am Königsplatz bei Tag. Fotografie aus dem Album „Die Hauptstadt Breslau ihrem scheidenden Stadtbaurat Dr. Günther Trauer“.
Eine unschätzbare Wissensquelle
Das Album wird derzeit digitalisiert und einer detaillierten wissenschaftlichen Analyse unterzogen. Für Historiker und Stadtplaner ist es eine wahre Fundgrube – es enthält auch Entwürfe von Wohnsiedlungen, die niemals realisiert wurden.
– Es handelt sich um ein wertvolles Dokument der Stadtplanung und um einen außergewöhnlichen „weißen Raben“ – nicht nur wegen der Person, der es gewidmet wurde, sondern vor allem wegen seines Charakters und seines Inhalts – betonen die Mitarbeiter des Museums.
Die ersten Fotografien werden bereits öffentlich präsentiert, und das Architekturmuseum kündigt an, die Ergebnisse der Analysen und neuen Entdeckungen schrittweise zu veröffentlichen. Auf diese Weise spricht das Vorkriegs-Breslau – festgehalten durch das Auge eines seiner wichtigsten Stadtplaner – erneut zu den heutigen Bewohnern der Stadt.
Anna Durecka