Bad Salzbrunn von seiner kulinarischen Seite
Bad Salzbrunn – das traditionsreiche Heilbad liegt in unmittelbarer Nachbarschaft von Wałbrzych, das in diesem Jahr sein 600-jähriges Stadtjubiläum feiert. Lange Zeit war die Region vor allem mit dem Bergbau verbunden, doch die Frage stellt sich: Was war zuerst da – die Kohle oder die Quellen? Und welches dieser Geschenke der Natur nutzte der Mensch zuerst?
Die heilenden Eigenschaften der sprudelnden Quellen werden in Bad Salzbrunn seit Jahrhunderten geschätzt. Ebenso berühmt waren jedoch einst andere Naturprodukte – hergestellt in der von dem Apotheker und Chemiker Dr. Büttner geleiteten Milch- und Molkenanstalt. Wahrscheinlich war sie eines der größten Unternehmen dieser Art im damaligen Deutschland. Angeboten wurden Kuh-, Ziegen-, Schaf- und sogar Eselsmilch, Molke aus Kuh-, Ziegen- und Schafsmilch, Kefir, Joghurt sowie eisenhaltige Molke und eisenhaltiger Kefir, letzterer nach einer eigens entwickelten Methode hergestellt.

Bad Salzbrunn in Schlesien Quisana.
Quelle: SBC
Interessanterweise bestand eine der beliebten Kurmethoden darin, Milchprodukte mit dem örtlichen Quellwasser in unterschiedlichen Proportionen zu mischen – eine Art frühe „Wellnessküche“.
Berühmte Gäste und Kurleben
Auch berühmte Gäste suchten hier Heilung. Vom 22. Mai bis zum 3. Juli 1907 kurte in Bad Salzbrunn gemeinsam mit seiner Frau der Schriftsteller Karl May, einer der populärsten Autoren der deutschen Literaturgeschichte. Das Ehepaar wohnte in der Pension Belvedere der Familie Barchewitz. Eindrücke ihres Aufenthalts hinterließen sie nicht nur in Briefen und Erinnerungen, sondern auch in einem Gedicht mit dem Titel „An mein liebes Schlesien“. Der Text wurde zunächst in das Gästebuch der Pension eingetragen, später in der Salzbrunner Zeitung veröffentlicht und ein Jahr darauf auch in der Zeitschrift Schlesien. Illustrierte Zeitschrift für die Pflege heimatlicher Kultur abgedruckt.

Karl May und Bad Salzbrunn.
Quelle: SDB
Im Gästebuch schrieb Karl May: „Ich kam zu dir im Kampf mit dem Tod, der meine Zeit schon nach Tagen zählte. Und du reichtest mir in meiner Not den Wundertrank, der mich von Neuem stählte.“
Ob er damit das berühmte Quellwasser meinte – oder vielleicht an die legendären Milch- und Molkespezialitäten des Kurortes dachte –, bleibt eine charmante kulinarische Frage.
„Ich kam zu dir im Kampf mit dem Tod, der meine Zeit schon nach Tagen zählte. Und du reichtest mir in meiner Not den Wundertrank, der mich von Neuem stählte.“
Karl May, Eintrag im Gästebuch der Pension Belvedere
Die zahlreichen Hotels, Pensionen und Kurhäuser boten neben Unterkunft auch eine Küche für jeden Geldbeutel. Eine Hotelvollpension (Frühstück, Mittag- und Abendessen) kostete bei Aufenthalten von mehr als vier Tagen durchschnittlich sechs Mark, ohne Abendessen etwa vier Mark. In Häusern ohne Verpflegung erhielten die Gäste Essensbons zu Abonnementpreisen, die in anderen Kuranstalten akzeptiert wurden. Wurde eine besondere Diät vom Arzt verordnet, stand sie unter der Aufsicht des fürstlichen Badearztes. Neben der normalen Küche gab es spezielle Gerichte für Gäste mit verschiedenen Erkrankungen – etwa bei Stoffwechselproblemen, für Diabetiker oder auch für Vegetarier. Grundlage jedes Kuraufenthalts in Bad Salzbrunn war jedoch die Trinkkur – Teil der morgendlichen und nachmittäglichen Anwendungen.
Das heutige Angebot
Das am Kurpark gelegene Hotel Deutscher Adler warb in der Presse mit seiner Küche à la carte, deren Spezialitäten Bergforelle und Schleie waren. Die Restaurantterrasse mit Aussichtsturm Wilhelmshöh lockte mit anerkannt gutem Kaffee und Gebäck aus eigener Konditorei.
Im ehemaligen Grand Hotel – dem heutigen Sanatorium Nr. 1 – gibt es das Daisy Café, eine Kombination aus Café und Kräuterstube. Ein Besuch lohnt sich, um den Geist des historischen Kurortes zu spüren. Kräuter-Trinkkuren sind außerdem in der Trinkhalle erhältlich.

Das heutige gastronomische Angebot von Szczawno-Zdrój ist zwar bescheidener als einst, doch Genießer kommen weiterhin auf ihre Kosten.
Foto: privat
Das heutige gastronomische Angebot von Szczawno-Zdrój ist zwar bescheidener als einst, doch Genießer kommen weiterhin auf ihre Kosten. Forelle und Rindfleisch schmecken hervorragend im Restaurant Bohema, und auch im Restaurant Legenda findet man eine interessante Speisekarte – etwa mit Pökelzunge in scharfer Meerrettichsauce oder einer aromatischen Suppe.
Für Kaffee- und Teeliebhaber bieten die Teestube Teatralna und das Bohema Caffe – beide direkt an der Kurpromenade gelegen – eine große Auswahl in besonders stimmungsvollen Innenräumen.
Eine süße Pause bei duftendem Kaffee oder Tee wird so zu einer weiteren Gelegenheit, die kulinarische Vergangenheit des Kurortes zu entdecken und sie mit der Gegenwart zu vergleichen. Doch bevor es zum Dessert geht, gehört eine gute Fischspezialität einfach dazu.
Auf Grundlage eines historischen Rezepts aus einem schlesischen Kochbuch von 1900 schlage ich – als krönenden Abschluss dieser kulinarischen Reise – eine gebackene Forelle vor.
Forelle aus dem Backofen

Forelle aus dem Backofen.
Foto: privat
Zutaten
4 Forellen
1 Zitrone
1 Knoblauchzehe
15 g Petersilie
60 g Butter, zimmerwarm
Salz und Pfeffer aus der Mühle
Zubereitung
Verknete die Butter mit der gehackten Petersilie und den Knoblauchwürfeln.
Lasse kleine gereinigte Forellen mit Salz durchziehen, dann trockne sie sorgfältig ab und würze sie von innen und außen mit schwarzem Pfeffer aus der Mühle. Lege sie anschließend auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech. In jeden Bauch der Forellen gib je ein Viertel der Butter und je zwei halbe Zitronenscheiben.
Backe die Forellen 20 Minuten bei 200 °C im Backofen. Zwischendurch bestreiche sie einmal mit der Butter vom Blech.
Serviere sie mit Zitronenvierteln und Salat.
Małgorzata Janik