Der Fluss meiner Kindheit

14 Februar 2026 Kolumne , Kultur/Bildung

Als Kind ging ich ganz selbstverständlich davon aus, dass jeder in der Nähe eines Flusses lebt. Der Fluss meiner Kindheit war Malapane. Er schlängelte sich gemächlich nicht nur durch mein Heimatdorf, sondern in gewisser Weise durch meine ganze Kindheit. Daran musste ich kürzlich denken, als ich Videos von Menschen sah, die in Danzig über das zugefrorene Eis der Mottlau Schlittschuh liefen.

Malapane war die stille Zeugin unserer dümmsten Spiele, der ersten heimlichen Treffen, Ziel der Nachmittagsspaziergänge der Erwachsenen, meteorologischer Orientierungspunkt, Heldin schauriger Geschichten über Wassergeister und Ertrunkene – und unsere allertreueste Nachbarin.

Heute hören meine Kinder meine Erinnerungen mit Neid: wie wir auf der zugefrorenen Malapane Schlittschuh liefen. Das Eis zog sich über Kilometer, und erst der plötzlich hereinbrechende Abend beendete das Spiel. Ich erinnere mich, wie wir unsere eiskalten Gesichter an das durchsichtige Eis drückten und in die geheimnisvolle Tiefe unseres Flusses blickten. Manchmal konnte man sogar einen Fisch entdecken! Oder war es ein Wassermann?

Die Malapane schlängelt sich als selbstverständliche Begleiterin durch die Kindheitserinnerungen unserer Autorin.
Foto: A. Durecka

Im Sommer badeten wir an der einzigen sandigen Stelle im seichten, sanften Strom – damals noch frei von Müll. Vor Jahrzehnten kontrollierten Eltern nicht jeden Schritt ihrer Kinder. Es gab keine Handys und kein GPS. Am Ende blieb ihnen nichts anderes übrig, als auf Gott und auf uns zu vertrauen.

Und irgendwie haben wir alle überlebt. Jemand dort oben muss seine Finger im Spiel gehabt haben, daran gibt es keinen Zweifel. Denn ein Fluss ist eine Naturgewalt, und auch wir haben das zu spüren bekommen. Davon wissen unsere Eltern bis heute nichts. So soll es auch bleiben. Und welche Flüsse begleiteten eure Kindheit?

Anna Durecka

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