Mit einer Beemka (BMW) kann man beispielsweise nach Wien fahren. Bei einem Spaziergang durch die Stadt lohnt sich sicher ein Abstecher zum Josefplatz. Die Hauptattraktion des Platzes ist allerdings nicht die Statue von Maria Theresias Sohn, der – wie der römische Kaiser Marcus Aurelius – zu Pferd sitzt. Viel zu erzählen gäbe es auch über die 16 Medaillons, die das Denkmal umgeben und die wichtigsten Errungenschaften des aufgeklärten Herrschers darstellen. Eines davon erinnert übrigens an die Gründung des Parlaments des Königreichs Galizien und Lodomerien im Jahr 1782, das Gebiete des heutigen Kleinpolens und der Westukraine umfasste und dessen Hauptstadt Lemberg war.
Die größte Attraktion am Josefplatz ist das Gebäude der heutigen Österreichischen Nationalbibliothek, genauer gesagt der formidable Prunksaal mit seiner Sammlung von 200.000 wunderschön gebundenen Büchern aus der Zeit von 1501 bis 1850. Diese sind in Regalen mit reich verziertem Golddekor angeordnet. Die barocke Gewölbedecke ist mit Fresken geschmückt, die die Apotheose Karls VI., des Vaters Maria Theresias, darstellen. Erwähnenswert ist, dass Karls VI. Vater Kaiser Leopold I. war, der Stifter der Universität Breslau. Ihm zu Ehren wurde der schönste Saal Breslaus – die Aula Leopoldina – benannt. Kehren wir nun von der Breslauer Aula Leopoldina zum Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek zurück.
Man könnte sagen, die Hofbibliothek in Wien habe das gesamte Wissen ihrer Zeit in sich vereint. Sie ließe sich mit dem heutigen Internet vergleichen. Im 18. Jahrhundert gab es jedoch noch keine Internetsuchmaschinen, und die Frage war: Wie findet man das benötigte Buch? Natürlich mit einem Bibliotheksausweis! Der älteste Bibliothekskatalog der Welt wurde 1780 in Wien von Gottfried van Swieten entwickelt, dem Präfekten der Wiener Hofbibliothek von 1777 bis 1803.
Apropos Präfekten: Per kaiserlichem Dekret wurde Józef Maksymilian Ossoliński, der in Lemberg lebte, zum Präfekten der Kaiserlichen Hofbibliothek in Wien ernannt. Er besaß eine umfangreiche Bibliothek und war für sein umfassendes Wissen bekannt, was zu seiner Ernennung zum Direktor der Kaiserlichen Bibliothek führte – ein Amt von großem Prestige. Der Gründer des Ossolineums übernahm das Amt des Präfekten in einer äußerst schwierigen Zeit, drei Monate vor Napoleons Eroberung Wiens. Es gelang ihm, viele wertvolle Objekte vor der Plünderung zu retten. Siebzehn Jahre lang widmete er sich dem Aufbau des Bibliotheksbestandes und konnte fast alle von den Franzosen geraubten Objekte zurückerlangen. Er genoss hohes Ansehen am Wiener Hof.

Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Prunksaal. Foto: H. Frank/ Wikipedia
1817 gründete er eine der bedeutendsten Bibliotheken Polens, in der unter anderem das Manuskript von Pan Tadeusz aufbewahrt wurde und der er seine Büchersammlung stiftete. Józef Maksymilian Ossoliński, Graf von Tenczyn, starb am 17. März 1826 und wurde auf dem katholischen Friedhof Matzleinsdorf beigesetzt. Wie viele andere Friedhöfe wurde auch dieser in den 1920er Jahren geschlossen und in den Waldmüllerpark umgewandelt. Das Grab von Józef Ossoliński hat sich nicht erhalten. Das Andenken an den Gründer des Ossolineums in Lemberg wird jedoch in Breslau bewahrt.
Heute möchte ich allen, die an deutscher Literatur interessiert sind, einen Besuch der Nationalbibliothek (Biblioteka Narodowa, BN) ans Herz legen.
Einst sprachen polnische Eliten fließend Deutsch. Heute möchte ich allen, die kein Deutsch sprechen, aber an deutscher Literatur interessiert sind, einen Besuch der Nationalbibliothek (Biblioteka Narodowa, BN) ans Herz legen. Beenka ist die Abkürzung der Verlagsreihe „Biblioteka Narodowa“ des Ossolineum-Verlags. Die in dieser Reihe veröffentlichten Bücher enthalten ausführliche Kommentare und ermöglichen so eine umfassendere Auseinandersetzung mit der Literatur.
Die BN-Reihe umfasst unter anderem Werke von Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther und Hermann und Dorothea sowie eine Auswahl seiner Gedichte. Außerdem hat die BN unter anderem Friedrich Schillers Dramen Die Räuber und Die Jungfrau von Orléans veröffentlicht. Auch Thomas Manns Doktor Faustus ist bei Ossolineum erschienen. Ich empfehle Ihnen, mit der BN zu reisen!