An der niederschlesischen Tafel im Schloss Kamnitz

28 März 2026, 12:40 Geschichte 70

Zwischen sanften Hügeln und weiten Feldern des Glatzer Kessels liegt das kleine, stille Dorf Kamnitz – ein Ort, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt und doch eine bemerkenswerte Geschichte erzählt. Im Zentrum steht das Schloss, das im Jahr 1780 vom damaligen Gutsherrn, Graf von Hartig, errichtet wurde. Heute präsentieren sich sowohl das Gebäude als auch die umliegenden Anlagen sorgfältig restauriert und laden nicht nur zur Erholung inmitten der Natur ein, sondern auch zu einer genussvollen Reise in die Vergangenheit.

Der weitläufige Landschaftsgarten, ein Teehaus, Wirtschaftsgebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, stilvolle Gästezimmer und ein Schlossrestaurant – all das wurde von den heutigen Eigentümern, Katarzyna und Wojciech Hutny, mit großem Feingefühl vor dem Verfall gerettet. Ihr Engagement hat diesen Ort zu einem lebendigen Teil des kulinarischen und kulturellen Erbes Niederschlesiens gemacht.

Kulinarische Reise in die Vergangenheit

An einem Sonntagmorgen machten wir uns auf den Weg – über kurvenreiche, malerische Landstraßen – nach Kamnitz, angelockt von einem besonderen kulinarischen Ereignis. Die Ankündigung, die ich zwischen unzähligen Bildern auf Instagram entdeckte, traf sofort ins Herz. Unter dem Motto „Am niederschlesischen Tisch“ versammelten sich die Gastgeber des Schlosses gemeinsam mit zahlreichen Gästen zu einem Tag voller Geschichten und Geschmackserlebnisse.

Den ganzen Tag über servierte die Schlossküche Gerichte, die von alten Rezepturen inspiriert waren. Besonders in Erinnerung bleibt „Stolzer Heinrich“ – ein Gericht aus gebratener Weißwurst, die vor dem Servieren in einer mit Lebkuchen, Nelken, Pfeffer und Kümmel gewürzten Biersauce gekocht wird.

In inspirierenden Vorträgen führte Dr. Karolina Rybicka (@archiwalnydolnyslask) durch die Geschichte des Ortes und anderer niederschlesischer Residenzen. Im Mittelpunkt standen die Küche vergangener Jahrhunderte, höfische Gepflogenheiten sowie historische Desserts und Backwaren der Region. Schlosskoch Mateusz Skibiński präsentierte nicht nur das traditionelle Gericht „Schlesischer Himmel“, sondern leitete auch Workshops, bei denen die Teilnehmer selbst aktiv wurden: Heringtatar nach historischem Rezept und ein kunstvoll geflochtener Hefestrudel wurden unter fachkundiger Anleitung zubereitet. Ganz nebenbei lernten die Teilnehmer professionelle Schneidetechniken und die Kunst, Teig zu dekorativen Zöpfen zu flechten. Sowohl der Hering als auch der Strudel – nach einem Rezept aus einem alten Kochbuch der Grafschaft Glatz – gelangen hervorragend. Zum Abschluss erhielt jeder Teilnehmer ein Zertifikat, das die erworbenen Fertigkeiten bestätigte.

Markt, Traditionen und regionale Spezialitäten

Rund um das Schloss fand zudem ein Ostermarkt statt, auf dem regionale Handwerker und Produzenten ihre Erzeugnisse präsentierten: Lebkuchen, Käse und Milchprodukte, frisch gemahlenes Mehl, lokale Honige und Sirupe sowie traditionelle Wurstwaren – ein wahres Fest für Liebhaber regionaler Spezialitäten.

Schloss Kamnitz einst und heute Collage

Ein weiterer Höhepunkt des Tages war die Bekanntgabe der Gewinner eines Backwettbewerbs für selbstgefertigtes Warmbrunner Gebäck nach historischem Rezept – eine charmante Verbindung zur kulinarischen Tradition der Region.

Den ganzen Tag über servierte die Schlossküche Gerichte, die von alten Rezepturen inspiriert waren. Besonders in Erinnerung bleibt „Stolzer Heinrich“ – ein Gericht aus gebratener Weißwurst, die vor dem Servieren in einer mit Lebkuchen, Nelken, Pfeffer und Kümmel gewürzten Biersauce gekocht wird. Ebenso überzeugte ein Wildgulasch mit Hefekloß und hausgemachtem Sauergemüse. Den süßen Abschluss bildete ein saftiger Pflaumenkuchen – ein Dessert, das nach Spätsommer und Garten schmeckte. Die Kreationen von Mateusz Skibiński waren durchweg raffiniert und zugleich tief in der regionalen Tradition verwurzelt – und werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Eindrücke, die bleiben

Bemerkenswert ist, dass im Schloss Kamnitz regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, die Geschichte und Traditionen der Region lebendig halten: Konzerte im Rahmen des Niederschlesischen Musikfestivals, saisonale Märkte, der Tag der historischen Gärten, das Fest des Windes oder Treffen der Lebküchner.

Małgorzata Janik (links) im Gespräch mit Dr. Karolina Rybicka
Foto: Michał Janik

Für uns wurden die kulinarischen Workshops zur Inspiration weit über diesen Tag hinaus. Den Heringtatar genossen wir auf noch warmem Hefestrudel, später auch auf ausgezeichnetem dunklem Brot – im Garten sitzend, begleitet von der charmanten Schlosskatze Lucek. Vom Markt brachten wir köstliche Käsesorten mit nach Hause: Am Abend landete ein überbackener Strudel mit Quickendorfer Käse auf unserem Tisch, und am nächsten Morgen probierten wir eine weitere Spezialität – Frischkäse mit Holunderblüten, serviert auf süßem „Zwiebak“-Strudel. Ein wahrhaft poetisches Geschmackserlebnis.

Das Ensemble des Schlosses, seine Atmosphäre und die Begegnungen mit Menschen, die ihre Leidenschaft für Geschichte und Kulinarik teilen, hinterließen einen bleibenden Eindruck – und weckten die Sehnsucht nach weiteren solchen Erlebnissen. Vieles bleibt noch zu entdecken: Am Ende des Tages verlor ich mich in einem zauberhaften Garten, der von der Schlossnachbarin Maryla gepflegt wird. Die durchdachte Gestaltung, architektonische Details und ein beeindruckendes Gewächshaus fügen sich hier zu einem harmonischen Ganzen. Ein Ort, an den ich unbedingt zurückkehren möchte – vielleicht im Frühling, wenn die Natur erwacht und Gemüse sowie Früchte gedeihen, die später ihren Weg in die Schlossküche finden.

Foto: Małgorzata Janik

Der im Restaurant servierte Pflaumenkuchen hallt geschmacklich noch lange nach – er schmeckte nach Sonne, nach reifen Früchten und nach Garten. Obstkuchen sind zeitlos, und alte Kochbücher bieten eine Fülle an Rezepten. Ich habe eines aus dem „Universal-Lexikon der Kochkunst“ von 1896 gewählt – bewusst in seiner ursprünglichen sprachlichen Form belassen, als Teil des kulinarischen Erbes Schlesiens.

Hefekuchen mit Pflaumen
Foto: Michał Janik

Hefekuchen mit Pflaumen

Aus ½ Kilogramm erwärmtem Mehl und 40–50 g guter, in 1/8 Liter Milch aufgelöster Preßhefe setzt man ein Hefenstück an, lässt dasselbe in der Wärme aufgehen, fügt 70 g Zucker, eine Prise Salz, etwas abgeriebene Zitronenschale, zwei Eier und 125 g etwas erweichte Butter hinzu, auch noch ein wenig laue Milch, falls dies nötig erscheint, und vermischt alles zu einem ziemlich festen Teig, den man gut durcharbeitet und mit dem Rührlöffel schlägt, bis er Blasen wirft. Man lässt den Teig zugedeckt im Warmen aufgehen, wirkt ihn nochmals durch, treibt ihn auf einem mit Mehl bestäubten Blech ziemlich dünn aus, kneift den Rand ein wenig in die Höhe, stellt den Teig noch eine Zeit lang zum Aufgehen vor den Ofen, bestreicht ihn mit zerlassener Butter und belegt ihn recht dicht mit halbierten oder in Viertel geschnittenen, zuvor etwas erwärmten Pflaumen, streut Zucker und Zimt, nach Belieben auch etwas geriebenes Mundbrot darüber und legt kleine Butterstückchen darauf, wonach man den Kuchen bei mäßiger Hitze eine halbe Stunde bäckt.

Den Kuchen auf einem warmen Teller servieren und mit Puderzucker bestäuben. Er schmeckt hervorragend zum Nachmittagskaffee.

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