Musik, feierliche Reden, eine historische Ausstellung und ein Treffen der Generationen – mit diesem Programm begeht die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM) ihr 35-jähriges Bestehen. Die Feierlichkeiten finden am 17. Oktober in der Kuźnia Społeczna in der ul. Marka Kotańskiego 1 in Allenstein statt. Sie bieten Gelegenheit, auf die langjährige Arbeit einer Organisation zurückzublicken, die seit dreieinhalb Jahrzehnten Polen und Deutsche in Ermland und Masuren miteinander verbindet.
Das 35-jährige Jubiläum bietet Anlass, auf den Weg zurückzublicken, den die Gesellschaft seit ihrer Gründung im Jahre 1991 zurückgelegt hat. Wie der Vorsitzende der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM), Piotr Dukat, betont, lässt sich die Geschichte der Organisation in zwei wesentliche Etappen unterteilen.
Der Norden mit seiner reichen Geschichte
„Die erste Phase umfasst die Jahre 1991 bis 2000. Anfangs trafen wir uns in der Privatwohnung unseres ersten Gründers, Herrn Walter Angrik. Später befand sich unser Sitz in der ul. Knosały“, erinnert sich Piotr Dukat.

Offizielle Eröffnung des ersten Sitzes in der Knosały-Straße/Gartenstraße in Allenstein durch Gerhard Prengel; anwesend: Walter Angrik, Jan Biernatowski und Dietmar Dombrowski, 1991.
Quelle: Archiv der AGDM
„Die zweite Etappe unserer Geschichte reicht vom Jahr 2000 bis heute. Seitdem hat die Gesellschaft ihren Sitz im repräsentativen Haus Kopernikus an der ul. Partyzantów 3.“
Die Jubiläumsfeier in der Kuźnia Społeczna wird ein abwechslungsreiches Kulturprogramm bieten. Dazu gehören Auftritte des erst vor zwei Jahren gegründeten Chors „Ermland Klang“ sowie des Streichquartetts Con Brio.
„Dieses Jubiläum ist ein Rückblick auf die gesamte 35-jährige Geschichte unserer Gesellschaft“, fügt der Vorsitzende der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit hinzu. „Die Entwicklung einer Organisation lässt sich mit dem Leben eines Menschen vergleichen. 35 Jahre sind eine lange Zeit. Für unsere Gemeinschaft ist dies ein Beweis dafür, dass der Verein stark war und weiterhin stark ist und auch schwierigere Zeiten überstehen kann.“
Die Wurzeln in Ermland und tägliches Engagement
Für viele Mitglieder entspringt ihr Engagement in der Arbeit der AGDM unmittelbar ihrer Identität und den in ihren Familien gepflegten Traditionen. Renata Rucińska, langjährige Aktivistin, ehemalige Büroleiterin und Schatzmeisterin des Vereins, erinnert sich an ihre Anfänge in der Organisation, der sie 1992 beitrat.
„Ich bin in einer ermländischen Familie aufgewachsen, in der mehrere Generationen zusammenlebten. Bis zu meinem siebten Lebensjahr war Deutsch meine erste Sprache. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, mich in die Arbeit des Vereins einbringen zu können“, erzählt Renata Rucińska. „Ich kannte die Mentalität der Menschen vor Ort und konnte konkrete Hilfe leisten, insbesondere für ältere Menschen.“

Treffen der AGDM-Mitglieder im Vereinssitz in der Knosały-Straße.
Quelle: Archiv der AGDM
Eine besondere Rolle bei der Integration der Gemeinschaft spielten und spielen bis heute kulturelle und religiöse Initiativen wie die deutschsprachigen Sonntagsmessen in der Herz-Jesu-Kirche in Allenstein sowie das alljährlich stattfindende Kartoffelfest.
„Unser diesjähriges Treffen fand am zweiten Sonntag des Monats statt und wurde mit einer deutschsprachigen Messe verbunden. Alle brachten selbst zubereitete Speisen mit, von denen die besten ausgezeichnet wurden. Nach dem Gottesdienst gingen wir gemeinsam ins Haus Kopernikus, wo wir bei Kaffee und Kuchen zusammensaßen. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung“, berichtet Renata Rucińska.
Beitrag zur Kultur der Region
Die Bedeutung der Allensteiner Gesellschaft für das multikulturelle Erbe Ermlands und Masurens schätzt Joanna Wańkowska-Sobiesiak sehr hoch ein. Sie war 16 Jahre lang Beauftragte des Woiwoden für nationale und ethnische Minderheiten.
„Der Verein hat einen äußerst bedeutenden Beitrag zum Leben der Region geleistet. Er gab eine Zeitung heraus, gründete eine Tanzgruppe und veröffentlichte zahlreiche wertvolle Bücher, die auf großes Interesse stießen“, betont Joanna Wańkowska-Sobiesiak.
„Ich sage oft, dass wir eine Organisation sind, die Brücken zwischen zwei Nationen baut – der polnischen und der deutschen. Das ist von Anfang an das wichtigste Ziel unserer Arbeit.“
Piotr Dukat, Vorsitzender der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM)
„Ermland und Masuren sind eine multikulturelle Region, und die deutsche Minderheit ist hier seit jeher verwurzelt. Die nachfolgenden Generationen, die in dieser Region geboren wurden, profitierten vom Sprachunterricht und den kulturellen Veranstaltungen.“ – sagte Wańkowska-Sobiesiak. „Mit der Zeit begannen sie selbst, für ihre Gemeinschaft zu schreiben und sich kreativ zu engagieren.“
Auf die Frage nach dem Generationenwechsel und der zunehmenden Auseinandersetzung mit der eigenen Identität verweist die ehemalige Beauftragte auf einen universellen Mechanismus.

Tag der nationalen Trauer auf dem Feldfriedhof an der Wojska-Polskiego-Straße, Anfang der 1990er Jahre.
Quelle: Archiv der AGDM
„Erst wenn man vierzig wird, beginnt man sich wirklich für die eigenen Wurzeln zu interessieren. Man fängt an, über die eigene Identität und die Familiengeschichte nachzudenken. Das ist ein ganz natürlicher Impuls, der uns alle betrifft – vorher fehlt uns dafür schlichtweg die Zeit“, stellt Joanna Wańkowska-Sobiesiak fest.
Immer in die Zukunft blicken
Die wichtigste Aufgabe, vor der die Gesellschaft in den kommenden Jahren steht, bleibt der Bau von Brücken zwischen den Generationen sowie die Bewahrung der Erinnerungen und Erfahrungen der ältesten Bewohner der Region.
„Es leben noch Zeitzeugen, deren Wissen unbedingt genutzt werden sollte, um vergangene Ereignisse für die Nachwelt festzuhalten“, appelliert Joanna Wańkowska-Sobiesiak. „Es ist die letzte Gelegenheit, solange es noch nicht um Archivdokumente, sondern um lebendige Erzählungen von Menschen geht. Ich wünsche dem Verein, dass er weiterhin Bücher veröffentlicht, denn sie bleiben für immer als kulturelles Erbe des ganzen Landes erhalten.“
Diesen Worten schließt sich der Wunsch von Renata Rucińska an, den sie an den neuen Vorstand des Vereins richtet: „Ich wünsche der Gesellschaft, dass sie noch möglichst lange besteht und viele neue Projekte verwirklicht, die auch die jüngere Generation ansprechen. Der Vorstand ist inzwischen jünger geworden, und es gibt neue, frische Ideen – so soll es weitergehen“, fasst die ehemalige Büroleiterin der AGDM zusammen.