Selbstbewusstsein im Koffer: Wie Erasmus+ die Schüler der Staszic-Schule in Oppeln verändert

25 März 2026, 13:00 Bildung 14

Am Tag der offenen Tür am Staszic-Berufsschulzentrum (Zespół Szkół Zawodowych im. Staszica) in Oppeln herrscht reges Treiben. Zwischen Infoständen und neugierigen Achtklässlern sticht ein Thema besonders hervor: die weite Welt. Hier geht es nicht nur um Theorie im Klassenzimmer, sondern um echte Lebenserfahrung in Schweden, Italien oder Lettland. Das Erasmus-Plus-Programm ist an dieser technischen Schule längst mehr als nur ein Förderprojekt – es ist eine „Reifeprüfung“ der besonderen Art.

„Man kann sich das gar nicht vorstellen, wenn man es nicht persönlich miterlebt hat“, sagt Sylwia Sawulska, Deutschlehrerin an der Staszic-Schule, die gemeinsam mit der Englischlehrerin die Projektanträge für Erasmus+ erarbeitet. Sie beobachtet seit Jahren, wie ihre Schüler durch die Auslandspraktika über sich hinauswachsen. „Viele von ihnen reifen innerhalb von nur zwei Wochen enorm. Sie kommen mit einer völlig anderen Einstellung zurück.“

Der „Ohne-Mama-Effekt“

Es sind oft die banalen Dinge des Alltags, die den größten Lerneffekt erzielen. Für viele Schüler der dritten oder vierten Klasse ist das Erasmus-Praktikum die erste lange Reise ohne Eltern. „Interessant ist es zu beobachten, wie sie das erste Mal ohne Mama verreisen“, erklärt Sawulska. „Plötzlich muss man sich Gedanken machen: Wo wasche ich meine Wäsche? Wie verpflege ich mich selbst? Das sind keine Kleinkinder mehr, aber hier lernen sie wirklich, auf eigenen Beinen zu stehen. Und das klappt meistens hervorragend.“

Fachwissen im europäischen Vergleich

Die Schüler der Staszic-Schule – angehende Friseure, Grafiker, Logistiker oder Agrarwissenschaftler – gehen nicht unvorbereitet ins Ausland. Sie bringen bereits fundiertes Fachwissen aus ihrem fünfjährigen Technikum mit. Im Ausland werden sie direkt an die an Erasmus+ teilnehmenden Firmen vermittelt.

Projektkoordinatorin der Staszic-Schule begeistern künftige Absolventen für Erasmus+. Auslandspraktika in Schweden und Italien zum Greifen nah!
Foto: privat

Dabei machen sie Entdeckungen, die ihr berufliches Selbstbild nachhaltig prägen. Sylwia Sawulska berichtet von einer Gruppe angehender Friseure in Schweden: „Früher dachten unsere Schüler oft, unsere polnischen Regelungen seien zu streng. Aber nach dem Praktikum sagten sie: ‚Wissen Sie was? Mit der Sauberkeit in unseren Salons in Polen können sich manche dort gar nicht messen.‘ Es ist gut, dass sie fahren, vergleichen und für sich diese Schlüsse ziehen. Es stärkt ihren Stolz auf das, was sie hier lernen.“

Eliza in Schweden: „Sie haben Zeit“

Eine, die diesen Vergleich direkt gezogen hat, ist Eliza Kaluza. Die Schülerin der dritten Klasse verbrachte zwei Wochen im schwedischen Lund. Ihr Weg dorthin war bereits ein Abenteuer: acht Stunden mit dem Bus nach Świnoujście, dann neun Stunden mit der Fähre über die Ostsee.

In Schweden arbeitete sie in einem Friseursalon. „In Polen möchte man immer alles schnell und sofort machen“, erinnert sich Eliza. „In Schweden ist das anders. Die Leute dort haben Zeit, sie machen alles langsam und in Ruhe. Und sie sind unglaublich nett.“ Neben dem klassischen „Reinschnuppern“ – Kaffeekochen für Kunden und Sauberhalten des Salons – blieb auch Raum für die eigene Kreativität: „Ich war mit einer Freundin dort. Wir konnten uns auch gegenseitig die Haare schneiden oder stylen.“ Elizas Fazit ist eindeutig: „Wenn ich könnte, würde ich sofort wieder an einem Erasmus-Projekt teilnehmen. Es war toll!“

Sprache als Brücke, nicht als Barriere

Ein zentraler Punkt des Programms ist die Kommunikation. Ob in Italien oder Schweden – die Arbeitssprache ist meist Englisch. Sylwia Sawulska sieht darin eine riesige Chance: „Die Schüler werden dort hart vor die Wand gestellt. Egal, ob man einen Grammatikfehler macht – man muss das, was man will, ausdrücken können, notfalls mit einer Übersetzungs-App. Sie merken erst in diesen Situationen, was sie eigentlich schon alles können. Das macht sie nicht nur selbstständiger, sondern auch viel selbstbewusster.“

Koordinatorinnen des Projekts erzählen Achtklässlern von den Möglichkeiten der Praktika im Ausland. Das Erasmus+-Programm am Staszic öffnet den Schülern die Welt.
Foto: privat

Mission: Toleranz

Für Sawulska geht es bei Erasmus+ jedoch um das „große Ganze“. Neben dem bis Jahresende an der Oberschule laufenden internationalen Bildungsprojekt „How is the weather tomorrow?“, das sich mit dem Klimawandel befasst, steht der Abbau von Vorurteilen im Mittelpunkt.
„Wir sind umgeben von Vorurteilen. Je mehr die Welt zusammenrückt, desto stärker scheinen sie bei manchen zu werden“, gibt die Lehrerin zu bedenken. „Deshalb sollen die Schüler reisen und sehen, dass man nichts generalisieren kann. Andersartigkeit ist nicht zwangsweise schlechter. Das ist der Hauptgedanke: Toleranz lernen durch Erleben.“

Die Welt zu Gast in Oppeln

Die Reise geht weiter. Während aktuell eine Gruppe aus Italien zurückkehrt, bereitet sich Sylwia Sawulska darauf vor, im April eine Gruppe nach Lettland zu begleiten. Doch die Schule ist nicht nur Gast, sondern auch Gastgeber. Im September werden Schüler aus Lettland, Ungarn und der Türkei in Oppeln erwartet. Dann liegt es an den Schülern, ihren Gästen die eigene Kultur und Arbeitswelt zu zeigen – und sie zu Hause zu beherbergen.

Das Motto der Schule „Unterrichten und Reisen“ wird hier jeden Tag gelebt. Denn wie Sylwia Sawulska treffend sagt: „Man soll fahren, arbeiten und sich beruflich entwickeln – aber vor allem etwas Neues kulturell kennenlernen.“

Manuela Leibig

Unsere Selbstverwaltung: Gemeinde Reinschdorf
Poprzedni artykuł

Unsere Selbstverwaltung: Gemeinde Reinschdorf

Woche im DFK
Następny artykuł

Woche im DFK