{"id":88962,"date":"2026-11-02T11:50:46","date_gmt":"2026-11-02T10:50:46","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=88962"},"modified":"2026-11-04T15:55:05","modified_gmt":"2026-11-04T14:55:05","slug":"31-schlesienseminar-der-nachbarschaftsvertrag-im-jahr-2026-populismus-zeitenwende-und-historische-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/31-schlesienseminar-der-nachbarschaftsvertrag-im-jahr-2026-populismus-zeitenwende-und-historische-verantwortung\/","title":{"rendered":"Der Nachbarschaftsvertrag im Jahr 2026: Populismus, Zeitenwende und historische Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p><strong>35 Jahre nach der Unterzeichnung diskutierten beim Schlesienseminar Fachleute aus Diplomatie und Wissenschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Minderheit \u00fcber Minderheitenschutz, Sicherheitspolitik und historische Verantwortung.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag schuf einen Rahmen f\u00fcr die Normalisierung der Beziehungen und sicherte die Rechte der deutschen Minderheit in Polen vertraglich ab. Zum 35. Jahrestag seiner Unterzeichnung stand er im Mittelpunkt des Schlesienseminars, das im Oktober 2026 stattfand: am 27. Oktober in Gro\u00df Stein und vom 28. bis 29. Oktober in Oppeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_88967\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88967\" class=\"size-full wp-image-88967\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-1-Gruppe-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-1-Gruppe-2-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-1-Gruppe-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-1-Gruppe-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-1-Gruppe-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-1-Gruppe-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-1-Gruppe-2-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-88967\" class=\"wp-caption-text\">Beim Schlesienseminar diskutierten Fachleute aus Diplomatie und Wissenschaft 35 Jahre nach dem Nachbarschaftsvertrag \u00fcber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen.<br \/>Foto: Mika Ballhausen<\/p><\/div>\n<p>\u201eDer [Vertrag] war f\u00fcr uns nat\u00fcrlich revolution\u00e4r. Im Zusammenhang mit den Jahrzehnten, wo die deutsche Minderheit gar nicht anerkannt war. Das war die ganz offizielle Anerkennung des polnischen Staates der deutschen Minderheit in Polen\u201c, sagte Bernard Gaida, fr\u00fcherer Vorsitzender des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) und heutiger Beauftragter des VdG f\u00fcr internationale Zusammenarbeit, im Gespr\u00e4ch mit neueswochenblatt.pl.<\/p>\n<blockquote><p>\u201ePopulismus hat die Eigenschaft, dass er immer einen Feind braucht. Wenn es keinen gibt, muss man einen erschaffen.\u201c<br \/>\n<em>Rafa\u0142 Bartek, Vorsitzender des VdG<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Veranstaltet wurde das Seminar vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, die inhaltliche Gestaltung lag bei Prof. Krzysztof Ruchniewicz. Neu war das Format: k\u00fcrzere Eingangsreferate und daf\u00fcr mehr Diskussion. Zu den Teilnehmenden z\u00e4hlten Prof. Jerzy Su\u0142ek und Prof. Jan Barcz, die an den Verhandlungen \u00fcber den Vertrag beteiligt waren, sowie ehemalige Botschafter und Fachleute aus Geschichts- und Politikwissenschaft. Die Minderheit vertraten der VdG-Vorsitzende Rafa\u0142 Bartek und Bernard Gaida.<\/p>\n<h2>Populismus und Minderheitenschutz<\/h2>\n<p>Wie wirken sich Populismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit auf Minderheiten in Polen, Deutschland und Europa aus? Dar\u00fcber diskutierten der VdG-Vorsitzende Rafa\u0142 Bartek, Bernard Gaida, der Deutschlandkorrespondent der \u201eGazeta Wyborcza\u201c Micha\u0142 Kokot und der Politikwissenschaftler Dr. Marek Mazurkiewicz von der Universit\u00e4t Oppeln.<\/p>\n<p>Rafa\u0142 Bartek erinnerte an die Zeit seit 2015, als die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) die Minderheit zunehmend zum politischen S\u00fcndenbock gemacht habe. Dies f\u00fchrte schlie\u00dflich zu der systematischen Diskriminierung deutscher Kinder in der Sprachbildung. \u201ePopulismus hat die Eigenschaft, dass er immer einen Feind braucht. Wenn es keinen gibt, muss man einen erschaffen\u201c, sagte er. Dr. Marek Mazurkiewicz ordnete das Ph\u00e4nomen grunds\u00e4tzlicher ein: Aus seiner Sicht k\u00f6nne Populismus in jeder Demokratie auftreten und sei keine neue Erscheinung. Er nannte ihn \u201eden ewigen Schatten der Demokratie\u201c.<\/p>\n<p>Micha\u0142 Kokot warnte vor wachsender Polarisierung in Deutschland. \u201eDie Gesellschaften sind gespalten, und ich glaube, das wird sich auch nicht \u00e4ndern. Das macht nat\u00fcrlich die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden L\u00e4ndern nicht leichter\u201c, sagte er gegen\u00fcber neueswochenblatt.pl.<\/p>\n<div id=\"attachment_88965\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88965\" class=\"size-full wp-image-88965\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Speaker-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Speaker-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Speaker-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Speaker-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Speaker-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Speaker-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Speaker-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-88965\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcr Bernard Gaida liegt der Schl\u00fcssel zu einem besseren Minderheitenschutz auf der europ\u00e4ischen Ebene.<br \/>Foto: Mika Ballhausen<\/p><\/div>\n<p>Auch die polnische Politik sieht Micha\u0142 Kokot davon beeinflusst. Radikale Stimmungen h\u00e4tten Einfluss auf die Politik der Regierung von Ministerpr\u00e4sident Donald Tusk, die \u201eimmer weiter nach rechts\u201c r\u00fccke, sagte er auf dem Podium. In eine \u00e4hnliche Richtung weist die <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/europa\/polen-analysen\/nr-357\/574767\/analyse-deutsche-und-polen-eine-beziehung-in-bewegung-ergebnisse-des-deutsch-polnischen-barometers-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Auswertung des Deutsch-Polnischen Barometers 2025<\/a> in den Polen-Analysen der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. Laut der dortigen Analyse von Dr. Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142 meide Ministerpr\u00e4sident Donald Tusk \u201edeutsche\u201c Themen und vermeide Schritte, die die Opposition als \u201eUnterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber Deutschland\u201c deuten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Micha\u0142 Kokot sprach sich daf\u00fcr aus, sowohl die deutsche Minderheit in Polen als auch die polnische Minderheit in Deutschland besser zu sch\u00fctzen. Er warnte vor den Folgen, sollte dies unterbleiben: \u201eWenn man das jetzt nicht macht, dann l\u00e4sst man wahrscheinlich die Populisten dar\u00fcber entscheiden. Das w\u00e4re aber der falsche Weg, denn Populisten treffen selten gute Entscheidungen.\u201c<\/p>\n<p>Bernard Gaida sieht die europ\u00e4ische Ebene als entscheidend. Nur wenige Regierungen seien von sich aus bereit, Schutzma\u00dfnahmen zu ergreifen. Als Beispiele nannte er Griechenland und Frankreich, wo Minderheiten nur wenig Schutz gen\u00f6ssen. \u201eDie einzelnen L\u00e4nder sind so abh\u00e4ngig von Innenpolitik \u2013 und das betrifft nicht nur Polen \u2013, dass nur, wenn sie von oben, das hei\u00dft von internationalen Institutionen, Vorgaben, Erwartungen bekommen, dann kann sich etwas ver\u00e4ndern\u201c, sagte er. Verbindliche Standards, etwa f\u00fcr das Schulwesen nationaler Minderheiten, w\u00fcrden Politiker nach seiner Ansicht auch innenpolitisch entlasten: \u201eDann sind die Politiker in dem jeweiligen Land ein bisschen gesch\u00fctzt in der Innenpolitik, weil die Vorgaben von au\u00dfen [\u2026] von der gro\u00dfen europ\u00e4ischen Gemeinschaft bekommen werden.\u201c<\/p>\n<h2>Sicherheitspolitik und gemeinsame Interessen<\/h2>\n<p>Neben dem Minderheitenschutz pr\u00e4gte die ver\u00e4nderte Sicherheitslage die Gespr\u00e4che. Im Panel \u201ePerspektiven\u201c diskutierten der ehemalige Botschafter Piotr Ogrodzi\u0144ski, der Diplomat Prof. Jerzy Kranz und der Historiker Prof. Jan C. Behrends, moderiert von Prof. Jan Barcz. Wiederholt spielte der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine eine Rolle.<\/p>\n<p>Piotr Ogrodzi\u0144ski zufolge habe sich die Lage seit 2022 nochmals versch\u00e4rft. W\u00e4hrend der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz die Zeitenwende noch mit der Gewissheit ausgerufen habe, dass Europa unter dem Schutz der USA stehe, m\u00fcsse sich die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz auf eine unsicherere transatlantische Partnerschaft unter US-Pr\u00e4sident Donald Trump einstellen. Sie sei zudem stark mit dem eigenen sicherheitspolitischen Umbau besch\u00e4ftigt, was die Unterst\u00fctzung der Ukraine erschweren k\u00f6nne. \u201eJetzt ist die Situation eine andere. Die Zeitenwende ist wirklich tiefgreifend \u2013 wegen Trump\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Prof. Jan C. Behrends betonte die Bedeutung enger deutsch-polnischer Zusammenarbeit. Der russische Angriff habe gezeigt, wie wichtig Abschreckung sei und dass Deutschland und der Westen dabei versagt h\u00e4tten. Auf h\u00f6chster Ebene, er nannte Gerhard Schr\u00f6der, Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, sei man trotz vieler Warnungen vor Putin \u201esehr verliebt in diese Politik\u201c gewesen und habe \u201efast um jeden Preis\u201c daran festhalten wollen. Inzwischen h\u00e4tten beide L\u00e4nder erkannt, dass die Unterst\u00fctzung der Ukraine in ihrem eigenen Interesse liege: \u201eAus guten Gr\u00fcnden wollen weder Deutschland noch Polen, dass russische Truppen demn\u00e4chst in Lemberg (Lwiw) stehen. Das w\u00e4re f\u00fcr unsere beiden L\u00e4nder eine Katastrophe. Genauso eine Katastrophe w\u00e4re es, wenn noch einmal zehn Millionen ukrainische Fl\u00fcchtlinge k\u00e4men.\u201c<\/p>\n<p>Prof. Jan C. Behrends verwies darauf, dass die Verteidigungszusammenarbeit schon wegen der notwendigen logistischen Koordination f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Ukraine gut funktioniere. Perspektivisch k\u00f6nnten aus den deutsch-polnischen Beziehungen so etwas wie deutsch-polnisch-ukrainische Beziehungen werden. \u201eEigentlich ist es schon ein Dreieck, Deutschland, Polen, Ukraine\u201c, sagte er. Als Historiker erinnerte er aber auch daran, dass die schwierige Vergangenheit zwischen Deutschland und Polen, aber auch zwischen Polen und der Ukraine immer wieder f\u00fcr Spannungen sorge. Diese Spannungen wurden in den Paneldiskussionen und in den Diskussionen mit dem Publikum wiederholt thematisiert.<\/p>\n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ein-politischer-kompass\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Premier-Jan-Krzysztof-Bielecki-i-kanclerz-Niemiec-Foto-East-News-150x150.jpg\" alt=\"Ein politischer Kompass\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">35. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags Vertrags<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Ein politischer Kompass<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n    <section class=\"newsy-widget\">\n        \n                                \n        <a class=\"newsy-card\" href=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/zwei-vertraege-eine-entscheidung-die-ratifizierung-von-grenz-und-nachbarschaftsvertrag-im-oktober-1991\/\">\n            <div class=\"newsy-card-thumb\">\n                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Oberschlesische-Zeitung-Nr-7-1991_S-1-e1792245049249-150x150.png\" alt=\"Zwei Vertr\u00e4ge, eine Entscheidung: Die Ratifizierung von Grenz- und Nachbarschaftsvertrag im Oktober 1991\">\n                            <\/div>\n            <div class=\"newsy-card-text\">\n            \t\n                            <span class=\"slider-subtitle\" style=\"font-size: 0.7rem !important; text-transform: uppercase !important;\">Weg zur Auss\u00f6hnung?<\/span>\n                                      \t\n            \t\n                <h3 class=\"newsy-card-title\">Zwei Vertr\u00e4ge, eine Entscheidung: Die Ratifizierung von Grenz- und Nachbarschaftsvertrag im Oktober 1991<\/h3>\n                <span class=\"newsy-card-more\">Mehr lesen &rarr;<\/span>\n            <\/div>\n        <\/a>\n            <\/section>\n    \n<p>Ein Teilnehmer aus dem Publikum wollte wissen, wann endlich ein deutsch-polnischer Friedensvertrag unterzeichnet werde. Prof. Jerzy Kranz erinnerte daran, dass das Potsdamer Abkommen von 1945 einen Friedensvertrag in Aussicht gestellt habe, es wegen der Teilung der Welt im Kalten Krieg aber nie dazu gekommen sei. Die Siegerm\u00e4chte h\u00e4tten die Frage mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag allerdings als abgeschlossen betrachtet. Prof. Jan Barcz erg\u00e4nzte, der damalige polnische Au\u00dfenminister Krzysztof Skubiszewski sei bei den Verhandlungen in Paris dabei gewesen und dort habe man sich verst\u00e4ndigt, dass nach dem Zwei-plus-Vier-Vertrag keine weiteren Forderungen gegen\u00fcber Deutschland erhoben w\u00fcrden.<\/p>\n<h2>Geschichte und Verantwortung<\/h2>\n<p>Prof. Jerzy Kranz setzte sich auch in seinem Er\u00f6ffnungsstatement mit der Frage nach einer historischen Verantwortung Deutschlands auseinander. Er unterschied zwischen Schuld und Verantwortung: Schuld sei an konkrete Taten gebunden, die moralische Verantwortung verj\u00e4hre dagegen nicht. Daraus leitete er eine fortbestehende Verantwortung Deutschlands ab, die sich etwa in einer \u201ehumanit\u00e4ren Geste\u201c zeigen k\u00f6nne. Zu m\u00f6glichen rechtlichen Verpflichtungen zur Wiedergutmachung der Kriegssch\u00e4den verwiesen Prof. Jerzy Kranz und Prof. Jan Barcz erneut darauf, dass die Nachkriegsordnung durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 abschlie\u00dfend geregelt worden sei.<\/p>\n<div id=\"attachment_88969\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88969\" class=\"size-full wp-image-88969\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Gespraeche-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Gespraeche-2-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Gespraeche-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Gespraeche-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Gespraeche-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Gespraeche-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/Panel-2-Gespraeche-2-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-88969\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Krzysztof Ruchniewicz, der das Seminar inhaltlich gestaltete, und Lucjan Dzumla, Generaldirektor des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, zogen nach den ersten drei Seminartagen eine positive Bilanz.<br \/>Foto: Mika Ballhausen<\/p><\/div>\n<p>Prof. Jan C. Behrends beobachte bei der j\u00fcngeren Generation eine Normalisierung der gegenseitigen Wahrnehmung, in der Politik spielten historische Fragen aber weiterhin eine gro\u00dfe Rolle. Er pl\u00e4dierte daf\u00fcr, die Vergangenheit st\u00e4rker den Historikern zu \u00fcberlassen. Die Normalisierung bedeute aber nicht, dass Geschichte und historische Bildung keine Rolle mehr spielen sollten. Im Gegenteil gelte es, gro\u00dfe Herausforderungen in der historischen Bildung zu bew\u00e4ltigen. Angesichts immer weniger Zeitzeugen und vieler Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Migrationshintergrund in Deutschland stehe die Geschichtsvermittlung vor neuen Aufgaben: \u201eIch glaube, das ist die Herausforderung, diese Balance in Zukunft hinzukriegen, auch die Geschichte trotzdem interessant zu machen f\u00fcr die Kinder und f\u00fcr die j\u00fcngere Generation, aber ich glaube, man kann ihnen diese Normalit\u00e4t auch nicht wieder wegnehmen\u201c, sagte er.<\/p>\n<h2>Bilanz der Organisatoren<\/h2>\n<p>Prof. Krzysztof Ruchniewicz und Lucjan Dzumla, Generaldirektor des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, zogen nach den ersten drei Veranstaltungstagen eine positive Bilanz. Die k\u00fcrzeren Referate und die anschlie\u00dfenden Diskussionen h\u00e4tten das Seminar lebendiger und auch f\u00fcr ein Publikum ohne akademischen Hintergrund zug\u00e4nglicher gemacht, sagte Lucjan Dzumla. Der zus\u00e4tzliche Seminartag in Gleiwitz am 4. November soll die Rolle von Kulturinstitutionen in den deutsch-polnischen Beziehungen und den Umgang mit schwieriger Geschichte behandeln.<\/p>\n<p>Prof. Krzysztof Ruchniewicz kam zum Abschluss des Oppelner Teils des Seminars im Gespr\u00e4ch mit neueswochenblatt.pl noch einmal auf das Gebot \u201eNicht gegeneinander, sondern miteinander\u201c zur\u00fcck. Es sei eine Herausforderung, diesem Gebot im Bereich der deutsch-polnischen Beziehungen immer wieder gerecht zu werden: \u201eMein Eindruck ist, dass wir zu wenig Wert legen auf das, was uns in der Vergangenheit, aber auch heute verbindet\u201c, sagte er. Die deutsch-polnischen Beziehungen von 1989\/90 seien mit den heutigen nicht zu vergleichen. Aber \u201enicht gegeneinander, sondern miteinander\u201c bleibt auch eine Aufgabe f\u00fcr die Zukunft, wie Prof. Krzysztof Ruchniewicz erkl\u00e4rt: \u201eWenn man sich diesen Satz vergegenw\u00e4rtigt und ihn mit Inhalt f\u00fcllt, dann ist das nach wie vor eine Herausforderung und auch eine sch\u00f6ne Aufgabe f\u00fcr die Zukunft.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>35 Jahre nach der Unterzeichnung diskutierten beim Schlesienseminar Fachleute aus Diplomatie und Wissenschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Minderheit \u00fcber Minderheitenschutz, Sicherheitspolitik und historische Verantwortung.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":89295,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[10798,7242,6879,10455,11071,6853,11070,6942,6403,11069,6474,6324,6834],"redaktor":[6098],"class_list":["post-88962","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-31-schlesienseminar","tag-35-jahre-deutsch-polnischer-nachbarschaftsvertrag","tag-bernard-gaida-de","tag-deutsch-polnische-beziehungen","tag-gross-stein-de","tag-haus-der-deutsch-polnischen-zusammenarbeit-de-2","tag-jan-c-behrends","tag-krzysztof-ruchniewicz-de","tag-lucjan-dzumla-de","tag-michal-kokot","tag-oppeln-de","tag-rafal-bartek-de","tag-schlesienseminar-de","redaktor-mauro-oliveira-de"],"acf":[],"nwb_translations":{"current":"de","available":["de","pl"],"translations":{"pl":{"id":88980,"available":true,"link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/xxi-seminarium-slaskie-traktat-o-dobrym-sasiedztwie-w-2026-roku-populizm-przelom-dziejowy-i-odpowiedzialnosc-historyczna\/","title":"Traktat o dobrym s\u0105siedztwie w 2026 roku: populizm, prze\u0142om dziejowy i odpowiedzialno\u015b\u0107 historyczna"}}},"nwb_fields":{"acf":{"post_podtytul":"Schlesienseminar 2026"},"featured_image":{"id":89295,"caption":"An den Diskussionen des Schlesienseminars nahmen f\u00fcr die deutsche Minderheit der VdG-Vorsitzende Rafa\u0142 Bartek und der fr\u00fchere VdG-Vorsitzende Bernard Gaida, heute Beauftragter des Verbands f\u00fcr internationale Zusammenarbeit, teil.\nFoto: Mika Ballhausen","alt":"","source":"Mika Ballhausen","sizes":{"thumbnail":{"url":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/BB_Schlesienseminar-2026-R.-Bartek-B.-Gaida-M.-Kokot-150x150.png","width":150,"height":150},"medium":{"url":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/BB_Schlesienseminar-2026-R.-Bartek-B.-Gaida-M.-Kokot-300x169.png","width":300,"height":169},"large":{"url":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/BB_Schlesienseminar-2026-R.-Bartek-B.-Gaida-M.-Kokot-1024x576.png","width":1024,"height":576},"full":{"url":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/BB_Schlesienseminar-2026-R.-Bartek-B.-Gaida-M.-Kokot.png","width":1920,"height":1080}},"caption_text":"An den Diskussionen des Schlesienseminars nahmen f\u00fcr die deutsche Minderheit der VdG-Vorsitzende Rafa\u0142 Bartek und der fr\u00fchere VdG-Vorsitzende Bernard Gaida, heute Beauftragter des Verbands f\u00fcr internationale Zusammenarbeit, teil."}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88962","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88962"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88962\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89089,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88962\/revisions\/89089"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/89295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88962"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=88962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}