{"id":88802,"date":"2026-10-31T05:00:11","date_gmt":"2026-10-31T04:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=88802"},"modified":"2026-10-31T09:06:14","modified_gmt":"2026-10-31T08:06:14","slug":"echte-schlesische-happen-das-suesse-erbe-der-familie-janke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/echte-schlesische-happen-das-suesse-erbe-der-familie-janke\/","title":{"rendered":"Von Glogau nach L\u00fcbbecke \u2013 Das s\u00fc\u00dfe Erbe der Familie Janke"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die niederschlesische Stadt Glogau an der Oder blickt auf eine au\u00dferordentlich reiche Vergangenheit zur\u00fcck. Einst war sie eine multikulturelle Stadt, deren Entwicklung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Festungsarchitektur gebremst wurde. Der Rabe im Stadtwappen erinnert an die ungarische und sp\u00e4ter die b\u00f6hmische Herrschaft. Im 16. Jahrhundert gewannen die \u00f6sterreichischen Einfl\u00fcsse zunehmend an Bedeutung, sp\u00e4ter eroberten die Schweden die Stadt, auf sie folgten die Franzosen. Auch Napoleon nahm Glogau als Pfand in Besitz. Den gr\u00f6\u00dften Einfluss auf die Entwicklung der Stadt hatten jedoch die Deutschen, die bereits seit dem 13. Jahrhundert nach Schlesien kamen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor nicht allzu langer Zeit weckte eine alte Fotografie meine Neugier. Sie zeigt eine Gruppe von Menschen vor dem Eingang des Restaurants \u201eZum Reichsadler\u201c, das im damaligen Glogau in der Langen Stra\u00dfe 83 seinen Sitz hatte. Betrieben wurde es von dem gesch\u00e4ftst\u00fcchtigen Paul H\u00e4nchen. Unter derselben Adresse hatte sich zuvor die B\u00e4ckerei von Julius Feilchenfeld befunden. Auf der Fotografie sind auch dessen Erben sowie seine Witwe Martha Feilchenfeld festgehalten. Paul H\u00e4nchen beschr\u00e4nkte sich \u00fcbrigens nicht auf ein einziges Lokal. Er f\u00fchrte au\u00dferdem das Restaurant \u201eAlte Schule\u201c in der Kupferschmiedstra\u00dfe 5, der heutigen Kotlarska-Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Bei meiner Spurensuche in der Glogauer Gastronomie stie\u00df ich auf einen Hinweis zu einem eleganten Restaurant, das Alfred Michalsky im Haus am Ring Nr. 47 betrieb. Seine G\u00e4ste konnten auch im Garten Platz nehmen. Zu den Spezialit\u00e4ten geh\u00f6rten verschiedene Biere: M\u00fcnchener Augustinerbr\u00e4u, Dresdner Felsenkeller, Culmbacher und Gr\u00e4tzer. Dar\u00fcber hinaus bot das Lokal die M\u00f6glichkeit, gesellige Zusammenk\u00fcnfte und sogar kleinere Hochzeitsfeiern auszurichten.<\/p>\n<p>An der S\u00fcdseite des Rings befand sich das Kaffeehaus \u201eMetropol\u201c, das in der Zwischenkriegszeit Gustav Zobel geh\u00f6rte. Die Umgebung war ein lebendiges Handels- und Gesellschaftszentrum. Dienstags und freitags stellten sich direkt vor dem Caf\u00e9 am Stra\u00dfenrand regelm\u00e4\u00dfig einheimische H\u00e4ndler auf. Bei ihnen konnte man unter anderem frisches Obst kaufen, w\u00e4hrend auf dem nahe gelegenen Fischmarkt Fisch angeboten wurde.<\/p>\n<blockquote><p>Die Idee zur \u201eBismarckeiche\u201c entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sie war eine preisg\u00fcnstigere, h\u00e4ufig auch in der eigenen Konditorei hergestellte Variante des traditionellen Baumkuchens.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gleich nebenan, unter der Hausnummer 53, lag das ebenfalls bekannte Caf\u00e9 Janke. Sein Besitzer Otto Janke betrieb nicht nur ein Caf\u00e9, sondern auch eine B\u00e4ckerei und Konditorei. Zu seinen bei den Kunden beliebten Spezialit\u00e4ten geh\u00f6rte die ber\u00fchmte \u201eBismarckeiche\u201c, die \u201eBismarckeiche-Torte\u201c. Diesen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kuchen konnte man nicht nur in Glogau kaufen, sondern beispielsweise auch in Breslau bei Heinrich Heilmann, in Schweidnitz bei Max Pannwitz und in Beuthen bei Ewald Riedel. Obwohl die s\u00fc\u00dfe Spezialit\u00e4t in den Konditoreien verschiedener St\u00e4dte angeboten wurde, trug sie den Namen ihres Glogauer Urhebers Otto Janke.<\/p>\n<div id=\"attachment_88810\" style=\"width: 1261px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88810\" class=\"size-full wp-image-88810\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/polska-org-Kamienica_nr_53_dawna_Glogow_270975-Cafe-Otto-Janke-liftapp.png\" alt=\"\" width=\"1251\" height=\"848\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/polska-org-Kamienica_nr_53_dawna_Glogow_270975-Cafe-Otto-Janke-liftapp.png 1251w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/polska-org-Kamienica_nr_53_dawna_Glogow_270975-Cafe-Otto-Janke-liftapp-300x203.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/polska-org-Kamienica_nr_53_dawna_Glogow_270975-Cafe-Otto-Janke-liftapp-1024x694.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/polska-org-Kamienica_nr_53_dawna_Glogow_270975-Cafe-Otto-Janke-liftapp-768x521.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1251px) 100vw, 1251px\" \/><p id=\"caption-attachment-88810\" class=\"wp-caption-text\">Historische Postkarte mit einer Ansicht des Glogauer Caf\u00e9s Otto Janke aus dem Jahr 1909. Kolorierung mit der App Lift.<br \/>Quelle: polska-org.pl<\/p><\/div>\n<p>Die Idee zur \u201eBismarckeiche\u201c entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sie war eine preisg\u00fcnstigere, h\u00e4ufig auch in der eigenen Konditorei hergestellte Variante des traditionellen Baumkuchens. Der Kuchen wurde in Form eines Baumes gestaltet und mit einer Schokoladenmasse \u00fcberzogen, die an Baumrinde erinnerte. Durch die charakteristische Verzierung sah das Geb\u00e4ck tats\u00e4chlich wie ein Baumstamm mit Astans\u00e4tzen aus. Kein Wunder also, dass diese ungew\u00f6hnliche Idee auch das Konditorhandwerk inspirierte.<\/p>\n<h2>Mary Hahn und das Rezept f\u00fcr die \u201eBismarckeiche\u201c<\/h2>\n<p>Das Rezept f\u00fcr dieses originelle Geb\u00e4ck tauchte in den im 19. Jahrhundert erschienenen Kochb\u00fcchern immer wieder auf, verschwand jedoch sp\u00e4ter aus manchen von ihnen. Erhalten geblieben ist es in Das Illustrierte Kochbuch f\u00fcr die einfache und feine K\u00fcche von Mary Hahn.<\/p>\n<p>Die Autorin selbst verdient eine eigene Geschichte. Sie wurde 1867 als Magdalena Martha Maria Rilke im niederschlesischen Zobten am Berge (heute Sob\u00f3tka) geboren und f\u00fchrte ein ausgesprochen bewegtes Leben. 1885 heiratete sie in Berlin den Schlosser Ernst Marode. Die Ehe wurde 1900 geschieden. In dieser Zeit gr\u00fcndete Mary Hahn eine Buchhandlung und ver\u00f6ffentlichte 1906 im Selbstverlag ihr erstes Kochbuch.<\/p>\n<div id=\"attachment_88812\" style=\"width: 815px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88812\" class=\"wp-image-88812 size-full\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/SDB-Der-Gemittliche-Schlaesinger-Rubezahlkalender-1931-Mary-Hahn-Werbung.png\" alt=\"\" width=\"805\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/SDB-Der-Gemittliche-Schlaesinger-Rubezahlkalender-1931-Mary-Hahn-Werbung.png 805w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/SDB-Der-Gemittliche-Schlaesinger-Rubezahlkalender-1931-Mary-Hahn-Werbung-300x110.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/SDB-Der-Gemittliche-Schlaesinger-Rubezahlkalender-1931-Mary-Hahn-Werbung-768x281.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 805px) 100vw, 805px\" \/><p id=\"caption-attachment-88812\" class=\"wp-caption-text\">Anzeige im Kalender Der Gem\u00fctliche Schl\u00e4singer (R\u00fcbezahlkalender) von 1931, herausgegeben vom Schlesierverlag L. Heege in Schweidnitz, mit Werbung f\u00fcr die Kochb\u00fccher von Mary Hahn. Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<p>Drei Jahre sp\u00e4ter heiratete sie erneut, diesmal Gustav Gotthilf Ernst Hahn. Gemeinsam gr\u00fcndeten sie in Frankfurt am Main einen Verlag. Von da an ver\u00f6ffentlichte sie ihre B\u00fccher unter dem Namen Mary Hahn. 1912 erschien ihr Illustriertes Kochbuch f\u00fcr die einfache und feine K\u00fcche. Das Werk erfreute sich schon bald gro\u00dfer Beliebtheit und erlebte zahlreiche Neuauflagen. Heute z\u00e4hlt es zu den bedeutenden Ver\u00f6ffentlichungen der deutschen Kochbuchliteratur des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Mary Hahn verfasste au\u00dferdem mehr als 60 weitere kulinarische Publikationen. Ob sich einige ihrer Rezepte von der K\u00fcche ihres Elternhauses oder vielleicht auch von der M\u00e4dchenschule in Schweidnitz inspirieren lie\u00dfen, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass ihre verlegerische T\u00e4tigkeit einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der deutschen Kochbuchliteratur geleistet hat.<\/p>\n<p>Doch wie l\u00e4sst sich eine eigene \u201eBismarckeiche\u201c zubereiten? Die historische Idee kann man heute in einer etwas vereinfachten Variante wieder aufgreifen. Aus Biskuit, Kastaniencreme und einer Schokoladendekoration entsteht eine Roulade, deren Oberfl\u00e4che an die Rinde eines Baumes erinnert. Anstelle des traditionellen Baumkuchens erh\u00e4lt man so eine moderne Interpretation des alten Geb\u00e4cks.<\/p>\n<div id=\"attachment_88815\" style=\"width: 1322px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88815\" class=\"size-full wp-image-88815\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Slub-Dresden-Illustriertes-Kochbuch-Mary-Hahn-1912.png\" alt=\"\" width=\"1312\" height=\"812\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Slub-Dresden-Illustriertes-Kochbuch-Mary-Hahn-1912.png 1312w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Slub-Dresden-Illustriertes-Kochbuch-Mary-Hahn-1912-300x186.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Slub-Dresden-Illustriertes-Kochbuch-Mary-Hahn-1912-1024x634.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Slub-Dresden-Illustriertes-Kochbuch-Mary-Hahn-1912-768x475.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1312px) 100vw, 1312px\" \/><p id=\"caption-attachment-88815\" class=\"wp-caption-text\">Die Originaldarstellung der Bismarckeiche im Kochbuch von Mary Hahn aus dem Jahr 1912.<br \/>Quelle: Digitale Sammlung der SLUB Dresden<\/p><\/div>\n<h2>\u201eEichenstamm\u201c \u2013 eine moderne Variante des historischen Rezepts<\/h2>\n<h3>Zutaten<\/h3>\n<p><em>F\u00fcr den Biskuit:<\/em><\/p>\n<p>4 Eier<\/p>\n<p>100 g Zucker<\/p>\n<p>100 g Weizenmehl<\/p>\n<p>1 TL Vanillezucker<\/p>\n<p>F\u00fcr die Kastaniencreme:<\/p>\n<p>250 g Kastanienp\u00fcree, m\u00f6glichst unges\u00fc\u00dft<\/p>\n<p>100 g weiche Butter<\/p>\n<p>80 g Puderzucker<\/p>\n<p>2\u20133 EL Sahne oder Milch, falls n\u00f6tig<\/p>\n<p><em>F\u00fcr die Dekoration:<\/em><\/p>\n<p>150 g weiche Butter<\/p>\n<p>100 g Zartbitterschokolade<\/p>\n<p>80 g Puderzucker<\/p>\n<p>fein gehackte Pistazien (optional)<\/p>\n<h3>Zubereitung<\/h3>\n<p>Die Eier mit dem Zucker zu einer hellen, luftigen Masse aufschlagen. Das gesiebte Mehl und den Vanillezucker vorsichtig unterheben. Den Teig auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verstreichen und bei 180 \u00b0C etwa 10\u201312 Minuten backen, bis der Biskuit elastisch ist.<\/p>\n<p>Nach dem Backen den Biskuit auf eine saubere Arbeitsfl\u00e4che legen und das Backpapier vorsichtig abziehen. Sollte es sich nur schwer l\u00f6sen, kann man es von der R\u00fcckseite her leicht mit Wasser befeuchten.<\/p>\n<p>Nun wird die Kastaniencreme zubereitet. Dazu die Butter mit dem Puderzucker schaumig schlagen und anschlie\u00dfend nach und nach das Kastanienp\u00fcree unterr\u00fchren. Ist die Creme zu fest, etwas Sahne hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die Kastaniencreme z\u00fcgig etwa fingerdick auf dem Biskuit verstreichen. Bevor die Creme fest wird, den Biskuit zu einer Roulade aufrollen und dabei vorsichtig mit einem Teigschaber nachhelfen. Die Enden schr\u00e4g abschneiden und beiseitelegen. Die Roulade vorsichtig auf eine Platte setzen und darauf achten, dass sie sich nicht wieder \u00f6ffnet. Die abgeschnittenen St\u00fccke seitlich anlegen, sodass sie wie \u00c4ste aussehen. Anschlie\u00dfend die gesamte Roulade d\u00fcnn mit Creme bestreichen.<\/p>\n<p>Die restliche Kastaniencreme in einen Spritzbeutel mit kleiner Sternt\u00fclle f\u00fcllen. Entlang der Roulade dicke, dicht nebeneinanderliegende Cremestreifen aufspritzen, bis der Biskuit vollst\u00e4ndig bedeckt ist.<\/p>\n<p>Jetzt folgt die Schokoladenrinde. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen und etwas abk\u00fchlen lassen. Die Butter mit dem Puderzucker cremig aufschlagen und die Schokolade nach und nach unterr\u00fchren. Mit der fertigen Masse die Zwischenr\u00e4ume zwischen den Kastaniencremestreifen f\u00fcllen. Nach dem Festwerden erinnert die Schokoladencreme an die Rinde eines Baumes. Fein gehackte Pistazien sorgen bei Bedarf f\u00fcr einen moosartigen Effekt.<\/p>\n<p>Die Roulade l\u00e4sst sich \u00fcbrigens auch mit Kaffee-Buttercreme f\u00fcllen und \u00fcberziehen \u2013 eine Variante, die sich f\u00fcr solche Geb\u00e4cke besonders gut eignet.<\/p>\n<p>Wer eine noch realistischere Baumrindenstruktur erzielen m\u00f6chte, kann d\u00fcnne Cremelinien auf die Oberfl\u00e4che spritzen und anschlie\u00dfend ein St\u00fcck Pappe mit s\u00e4geartigen Einschnitten l\u00e4ngs dar\u00fcberziehen. Ich habe daf\u00fcr einfach eine Holzgabel verwendet. Nat\u00fcrlich kann man die Roulade auch ohne zus\u00e4tzliche Verzierungen lassen \u2013 selbst in einer schlichteren Variante sieht sie wundersch\u00f6n aus.<\/p>\n<p>Zum Schluss die Torte mindestens eine Stunde in den K\u00fchlschrank stellen, damit die Creme fest wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_88818\" style=\"width: 1191px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88818\" class=\"size-full wp-image-88818\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_20261028_113706mj-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1181\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_20261028_113706mj-scaled.jpg 1181w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_20261028_113706mj-138x300.jpg 138w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_20261028_113706mj-473x1024.jpg 473w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_20261028_113706mj-768x1664.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_20261028_113706mj-709x1536.jpg 709w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/IMG_20261028_113706mj-945x2048.jpg 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 1181px) 100vw, 1181px\" \/><p id=\"caption-attachment-88818\" class=\"wp-caption-text\">Rekonstruktion der \u201eEichenstamm\u201c-Roulade mit Kaffee-Buttercreme, inspiriert von einem histo-rischen Rezept aus dem Kochbuch von Mary Hahn.<br \/>Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<h2>Von Glogau nach L\u00fcbbecke \u2013 sechs Generationen s\u00fc\u00dfer Tradition<\/h2>\n<p>Die Geschichte der Familie Janke endete jedoch nicht in Niederschlesien. Die Konditorei Otto Janke bestand in Glogau seit 1881. Die Tradition der s\u00fc\u00dfen K\u00f6stlichkeiten wanderte mit der Familie weiter nach Westen. 1952 \u00fcbernahmen Hans-Otto und Annemarie Janke, Nachkommen der Glogauer Familie, ein traditionsreiches Caf\u00e9 in L\u00fcbbecke in Nordrhein-Westfalen. Damit f\u00fchrten sie das Werk ihrer Vorfahren bereits in der f\u00fcnften Generation fort. Nach mehr als zwanzig Jahren wurde die Konditorei verpachtet, kehrte jedoch sp\u00e4ter wieder in Familienhand zur\u00fcck. Am 1. September 1984 nahmen Dieter und Gabriele Janke den Betrieb erneut auf. Sie geh\u00f6rten der sechsten Generation von Konditoren an.<\/p>\n<p>Dieter Janke, selbst Konditormeister, setzte die mehr als hundertj\u00e4hrige Familientradition fort und pflegte die Herstellung eigener, besonderer Erzeugnisse ebenso wie die Kultur des Kaffeetrinkens. Der Name Janke blieb \u00fcber viele Jahre hinweg ein Markenzeichen f\u00fcr s\u00fc\u00dfe Spezialit\u00e4ten.<\/p>\n<div id=\"attachment_88820\" style=\"width: 955px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-88820\" class=\"size-full wp-image-88820\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/OBC-Monographien-deutscher-Staedte-Bd-17-Glogau-Janke-1926-str.-262.png\" alt=\"\" width=\"945\" height=\"691\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/OBC-Monographien-deutscher-Staedte-Bd-17-Glogau-Janke-1926-str.-262.png 945w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/OBC-Monographien-deutscher-Staedte-Bd-17-Glogau-Janke-1926-str.-262-300x219.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/OBC-Monographien-deutscher-Staedte-Bd-17-Glogau-Janke-1926-str.-262-768x562.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><p id=\"caption-attachment-88820\" class=\"wp-caption-text\">Werbung f\u00fcr das Caf\u00e9 Otto Janke in der Monografie Glogau, Band 17 der Reihe Monographien deutscher St\u00e4dte, aus dem Jahr 1926.<br \/>Quelle: Oppelner Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<p>Im Jahr 2022 ging Dieter Janke in den Ruhestand, und das Caf\u00e9 Janke in der Langen Stra\u00dfe 32 in L\u00fcbbecke schloss Ende M\u00e4rz seine T\u00fcren. Der Grund war ebenso einfach wie f\u00fcr Familienbetriebe schmerzlich: Es gab keine Nachfolger. Mit der Schlie\u00dfung gingen auch die Pralinen und der ber\u00fchmte Baumkuchen nach Familienrezept in die Geschichte der schlesisch-deutschen Ess- und Genusskultur ein.<\/p>\n<p>Angeblich kann man auf dem Weihnachtsmarkt in L\u00fcbbecke jedoch noch immer den weihnachtlichen Eierpunsch nach dem Rezept von Konditormeister Dieter Janke probieren. Flaschen mit dieser hausgemachten Spezialit\u00e4t auf Eierlik\u00f6rbasis geh\u00f6rten zu den beliebtesten Geschenken, die man in der Region noch schnell vor Weihnachten besorgte. Vielleicht erfreuen sie sich in der Vorweihnachtszeit auch heute noch gro\u00dfer Beliebtheit.<\/p>\n<p>So schlie\u00dft sich der Kreis einer Geschichte, die Ende des 19. Jahrhunderts in einer Glogauer Konditorei begann. Geblieben sind alte Fotografien, Eintr\u00e4ge in Kochb\u00fcchern und Rezepte, mit denen sich der Geschmack vergangener Zeiten wieder aufleben l\u00e4sst. Und die \u201eBismarckeiche\u201c \u2013 heute in Form einer Roulade, die an einen Baumstamm erinnert \u2013 erm\u00f6glicht es uns, zumindest f\u00fcr einen Augenblick ein St\u00fcck dieser s\u00fc\u00dfen schlesischen Tradition wiederzuentdecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die niederschlesische Stadt Glogau an der Oder blickt auf eine au\u00dferordentlich reiche Vergangenheit zur\u00fcck. Einst war sie eine multikulturelle Stadt, deren Entwicklung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Festungsarchitektur gebremst wurde. Der Rabe im Stadtwappen erinnert an die ungarische und sp\u00e4ter die b\u00f6hmische Herrschaft. Im 16. 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